Schadensfall

Schadensfall: Was tun, wenn die Versicherung nicht zahlt?

Wenn es um größere Entschädigungssummen geht, kommt es immer wieder vor, dass eine Versicherung nicht zahlen will. Doch es lohnt sich, nicht klein beizugeben. Denn oft berufen sich Versicherer auf Grauzonen im Vertrag, die vor Gericht aber schon zugunsten der Kunden gewertet wurden.

Versicherungen haben viele Ausreden parat, um einen Schaden abzulehnen. „Ich kann aber Versicherungsnehmer nur ermutigen, sich zu wehren“, sagt Fachanwalt Jürgen Hennemann. Auch wenn es heißt: Die Police würde dies und jenes nicht decken, der Schaden sei zu spät gemeldet, es läge eine Obliegenheitsverletzung vor oder der Schaden sei fahrlässig verursacht. Gerade bei Personenschäden wird oft die Regulierung hinaus gezögert. Hier gibt es jedoch ein Gerichtsurteil des Landgerichts Schwerin (Az. 7 0 600/97). Bei diesem Fall hatte eine Versicherung die Zahlung eines Schmerzensgeldes immer wieder verzögert. Daraufhin wurde die Versicherung dazu verurteilt, das Schmerzensgeld sofort zu zahlen und sogar noch mit erhöhter Summe.

Viele formale Ablehnungsgründe

Gängigster Einwand zum Beispiel in der Hausrat-Police ist die Unterversicherung. Dies gilt aber nur, wenn in dem Vertrag eine entsprechende Klausel steht. Hat man Unterversicherungsverzicht vereinbart (650 Euro pro Quadratmeter), hat die Gesellschaft keine Handhabe zu kürzen. Bei Wasserschäden will die Versicherung wissen, ob Brauchwasser im Spiel war. Denn dann gibt es nichts. Sie verlangt sogar regelmäßige Kontrolle der wasserführenden Anlagen. Mit dieser Ausrede kommt die Versicherung allerdings nicht weit. Umstritten ist auch das Brandloch im Teppich. Bei Sengschäden kommt es immer auf den Einzel-Tatbestand an. Ein weitere klassischer Fall: Die Waschmaschine leckt und verursacht Schäden in der eigenen Wohnung und beim Nachbarn. War der Besitzer nicht da, zahlt der Versicherer nichts. Aber für den Schaden beim Nachbarn muss die Haftpflicht-Versicherung einspringen. Hier zählt die Einrede der groben Fahrlässigkeit nicht.

In der Krankenversicherung geht es meist um medizinisch notwendige Heilbehandlungen. Hier gibt es viele Streitpunkte – vor allem bei teuren Behandlungen. Wirtschaftliche Aspekte dürfen indes keine Rolle spielen, die PKV muss zahlen. Ein weiterer Konfliktherd sind Vorerkrankungen. Hier kommt es auf die Beweispflicht an. Nur wenn der Versicherer beweisen kann, dass der Kunde eine Vorerkrankung verschwiegen hat, kann er von seinem Ausschlussrecht Gebrauch machen. Die Beweispflicht spielt auch bei anderen Sparten wie bei Kfz- oder Rechtsschutzpolicen eine wichtige Rolle.

Generell gilt: Geht es um kleinere Sachschäden und Versicherungs-Leistungen aus der Auto-, Kasko-, privaten Haftpflicht-, Hausrat-, Wohngebäude- oder auch bei Kranken-Zusatzpolicen, können auch Verbraucherzentralen weiterhelfen. Diese beraten gegen Gebühr, Rechtsanwälte dürfen für eine Erstberatung maximal 190 Euro verlangen.

So wehren Sie sich

  • Per Einschreiben mit Setzung einer Frist, um an die Erledigung zu erinnern.
  • Per Einschreiben an „Beschwerde-Management“ oder Vorstand der Versicherungs-Gesellschaft nachfassen.
  • Beschwerde an Ombudsmann: www.versicherungsombudsman.de, eine unabhängige und für Verbraucher kostenfrei arbeitende Schlichtungsstelle.
  • Beschwerde beim Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen (Ludwigkirchplatz 3-4, 10719 Berlin) oder www.bafin.de.
  • Einschaltung eines Fachanwalts für Versicherungsrecht.
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