Interview mit Katrin Lisok, Bayerische Vermögen AG in Kiel

„Hohe Staatsschulden zehren an der Altersvorsorge“

Versicherungen und gesetzliche Renten reichen für einen finanziell entspannten Ruhestand heute leider nicht mehr aus. Warum das so ist und welche Folgen das für Privatanleger hat, erklärt Katrin Lisok, Bayerische Vermögen AG in Kiel im folgenden Interview.

Frau Lisok, die weltweite Verschuldung ist mehr als drei Mal so hoch wie die gesamte jährliche Wirtschaftsleistung (BIP) auf dem Globus. Lässt sich das je in den Griff bekommen?

Katrin Lisok: Im Grunde funktioniert das nur, wenn die Zinsen auf lange Sicht sehr niedrig bleiben oder wenig ansteigen. Nur so können hoch verschuldete Staaten ihre Zinslast bedienen. Viele Länder würden stark steigende Anleiherenditen nicht verkraften.

Was heißt das denn auf lange Sicht?

Wir reden hier nicht von ein bis drei, sondern von zehn oder mehr Jahren mit vergleichsweise niedrigen Zinsen. Japan hatte 2014 eine vier Mal so hohe Schuldenquote wie 1990. In den USA hat sie sich seit der Jahrtausendwende verdoppelt, und auch in vielen Euro-Ländern hat sie deutlich angezogen.

Aber die ersten Notenbanken erhöhen die Zinsen…

Sie meinen sicher die US-Notenbank, deren Leitzinsen einen Prozentpunkt höher sind als 2015. Und EZB-Chef Draghi hat angedeutet, dass die ultralockere Geldpolitik enden könnte. Doch das dürfte wenig daran ändern, dass die Rendite von Staatsanleihen unterm Strich niedrig bleibt.

Wie das?

Sehen Sie: Entscheidend ist nicht die nominale, sondern die reale Rendite einer Anleihe nach Abzug der Inflationsrate. Je niedriger die Realrendite, desto besser ist es für den Schuldner – ideal ist es, wenn sie negativ ist. In den USA liegt die Realrendite der Leitzinsen derzeit bei -1 % (Zinsen von 1 % abzgl. 2 % Inflation), in Deutschland bei -1,6 % (0 % abzgl. 1,6 %). Selbst die 10-jährige US-Anleihe rentiert real mit nur 0,5 % im Jahr, die deutsche sogar mit -1 %.

Was bedeutet das für die private Altersvorsorge?

Vorsorgemodelle, die sich vorrangig auf Zinsen stützen, werden es immer schwerer haben. Das betrifft neben Anleihen und vielen Rentenfonds vor allem Lebensversicherungen, wo für Neuverträge der Garantiezins abgeschafft worden ist. Wer Erträge will, kommt aus unserer Sicht an Aktien und anderen Sachwerten wie Immobilien und Edelmetallen nicht vorbei. Anleihen haben dabei vor allem die Funktion eines Risikopuffers – dauerhaft oder temporär.

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