Nach Wirtschaftlichkeitsprüfung

Honorarrückforderungen dürfen nicht verrechnet werden

Honorarrückforderungsansprüche aus einer Wirtschaftlichkeitsprüfung dürfen nicht willkürlich mit anderen bestehenden Ansprüchen verrechnet werden, das hat das  Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen entschieden. Steuerberater Dennis Janz, LL.M., Fachberater im ambulanten Gesundheitswesen (IHK), mit den Einzelheiten des Urteils.

Eine Kassenzahnärztliche Vereinigung (KZV) darf ihre Honorarrückforderungen aus einer Wirtschaftlichkeitsprüfung nicht gegen den Anspruch aus einer Gerichtskostenerstattung des Zahnarztes aufrechnen. Das hat das das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen (Az: L 3 KA 87/16 B ER, Urteil vom 9.1.17) entschieden.

Zuvor hatte der Zahnarzt aus einem anderen abgeschlossenen Rechtsstreit mit der KZV einen Anspruch auf Erstattung der Gerichtskosten erworben. Nachdem der Zahnarzt diesen Betrag eintreiben lassen wollte, versuchte sich die KZV mit einer Vollstreckungsgegenklage entgegenzustellen. Als Begründung führte die Kassenzahnärztliche Vereinigung aus, sie sei berechtigt, den Anspruch auf Erstattung gegenzurechnen. Tatsächlich hatte die KZV gegenüber dem Mediziner noch Honorarrückforderungsansprüche aus einer Wirtschaftlichkeitsprüfung. Dagegen wehrte sich der Zahnarzt jetzt erfolgreich.

Verrechnung nur bei ähnlichen Forderungen möglich

Das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen lehnte die Aufrechnung ab. Wie die Richter erklärten, fehlte es hierbei an der für eine Aufrechnung oder Verrechnung erforderlichen rechtlichen Grundlage.

So ergebe sich aus der einschlägigen Prüfvereinbarung (PrüfV) keine entsprechende Regelung, verlautbarte das Gericht. Die § 51 Abs. 2 SGB V und § 387 BGB würden hier als Rechtsgrundlagen ebenfalls ausscheiden, da sie nur das Aufrechnen von Forderungen erlauben, die „gegenseitiger Natur“ sind.

Die bestehende Hauptforderung des Zahnarztes auf Erstattung der fälligen Gerichtskosten richte sich gegen die entsprechende KZV. Die Gegenforderung bestehe jedoch auf Grundlage eines Honorarrückforderungsansrpuches aus einer Wirtschaftlichkeitsprüfung und steht somit nach § 1 Abs. 1 Anl. 1 Anl. 2 PrüfV im Ergebnis den Krankenkassen zu.

Praxishinweis für den Arzt:
Ansprüche aus Honorarrückforderung aus durchgeführten Wirtschaftlichkeitsprüfungen oder Regressen belasten regelmäßig das finanzielle Budget des Arztes und stellen im Regelfall ein Ärgernis für den Mediziner dar. Dies ist aber grundsätzlich gesetzeskonform. Unzulässig ist es nach diesem Urteil jedoch, Honorarrückforderungsansprüche aus einer zu beanstandenden Wirtschaftlichkeitsprüfung mit Ansprüchen des Arztes wegen Gerichtskosten aufzurechnen.

The following two tabs change content below.

Dennis Janz

Dennis Janz

Dennis Janz, LL.M., Steuerberater, Steuerstrafverteidiger* und Fachberater im ambulanten Gesundheitswesen (IHK). Partner bei Radloff, Ploch & Partner mbB Steuerberater in Dortmund. Schwerpunktmäßig werden zum Rahmen der Digitalisierung neben den Berufen im Gesundheitswesen auch kleine- und mittelständische Unternehmen und Unternehmensgruppen sowie Privatpersonen beraten. (*zertifizierter Berater für Steuerstrafrecht FernUniversität Hagen) dennis.janz@radloff-ploch.de

Anzeige

Die Förderung für die Telematikinfrastruktur (TI) sinkt - das Herzens-Angebot der CGM kommt

Ab 01. Juli 2018 sinkt die Förderung der TI-Ausstattung erneut. Diese Unwägbarkeit will CompuGroup Medical Deutschland AG (CGM) mit dem Herzens-Angebot ausräumen und gibt allen Ärzten das TI-Versp... Mehr
Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

Weitere Artikel zum Thema:

Praxistipps des Monats

Rückstellungen für Honorarrückforderungen


Auf diese Kriterien kommt es an

Tipps für die Wirtschaftlichkeitsprüfung


Steuererklärung

Gerichtskosten steuerlich absetzen


Fristen unbedingt beachten

Steuertermine 2018: Ein Überblick für Praxisinhaber


Verjährungshemmung

Offene Forderungen absichern!


Anzeige