Leser fragen, Experten antworten

Liquiditätsprobleme in der Arztpraxis

Sachverständiger Günther Frielingsdorf, Köln, beantwortet hier exklusiv auf arzt-wirtschaft.de interessante und wichtige Praxis-Fragen unserer Leser.

Liquiditätsproblem
Mir ging es immer recht gut, mit dem RLV kamen dann Einbußen, die mir zu schaffen machen. Seit zwei Jahren reduziere ich meine Arbeitszeit, also ist die Scheinzahl drastisch gesunken. Nun rutsche ich auf dem Konto immer tiefer in die roten Zahlen. Meine Bank will die Linie nicht weiter aufstocken, obwohl ich dort seit Jahrzehnten Kunde bin. Was raten Sie mir?

Zeigen Sie der Bank, dass die Praxis nach wie vor hohe Gewinne generiert und über Reserven verfügt, die aber erst mittelfristig wieder Gewinne bringen werden. Legen Sie neben der aktuellen BWA auch die Vorjahres-Gewinnermittlung vor. Denn oft wollen die Banker nicht mehr mitspielen, wenn sie jedem Nachweis der Kreditfähigkeit nachfassen müssen. Ratsam wäre auch, über die Praxis einen Check-up fertigen zu lassen, der die Wirtschaftskraft der Einrichtung darlegt. So signalisieren Sie, dass Sie kein „echter“, sondern nur ein vorübergehender „Problemfall“ sind.

Patientenverlust
Wir sind eine große Gemeinschaftspraxis. In der Mitbewerberdichte unserer Region hat sich nicht viel geändert. Wir generieren rund 40 Prozent Privatumsätze. Aber die Zahl der Patienten sinkt. Das Durchzählen der Patienten per EDV zeigt, dass heute 17 Prozent weniger Patienten zu uns kommen als im Schnitt der Vorjahre. Wie können wir dem Trend entgegenwirken?

Die Probleme können vielschichtig sein. Oft spielt das Personal eine entscheidende Rolle, etwa, wenn keine gepflegte und fachlich kompetente Ansprache der Patienten erfolgt. Kann das eine mitbewerbende Praxis besser, fühlt man sich dort eher aufgehoben und ist oft auf Dauer weg. Wie ist überhaupt das äußere Erscheinungsbild Ihrer Praxis? Schauen Sie sich die Mitbewerberpraxen mal an. Ein weiterer Grund kann unprofessioneller „Verkauf“ von IGeL-Leistungen sein. Überlegen Sie, ob die Zusatzleistungen wirklich in jedem Fall angezeigt sind, oder ob man bei Ihnen vielleicht doch des Guten zu viel tut. Tipp: Führen Sie eine professionelle Patientenbefragung – anonym natürlich – durch. Aus dem Ergebnis, das in einer repräsentativen Zahl vorliegen sollte, können Sie dann sehr rasch Schlüsse ziehen.

Partnerschaftsvertrag
Vor acht Jahren nahm ich in meine sehr gut laufende Praxis für Allgemeinmedizin einen jungen Kollegen auf. Wir machten einen Vertrag, den der Anwalt des jüngeren Kollegen wesentlich mitbestimmte. Ich bin jetzt 58. Nach und nach verschlechterte sich das Klima. Der Junior wurde immer arroganter. Schließlich warf ich das Handtuch und kündigte die Gemeinschaft auf. Offenbar wartete der Kollege nur darauf, denn er forderte mich auch auf, die Praxis nach Ablauf der Kündigungsfrist zu verlassen. Er verwies auf eine Vertragsbestimmung, die ich seinerzeit blauäugig und im Vertrauen unproblematisch sah: „Wer kündigt, scheidet aus …“. Ich stehe vor einem Scherbenhaufen. Kann ich noch etwas retten?

Da es sich offenkundig um eine glasklare Vereinbarung handelt, wird es schwer, gegen diesen Vertrag vorzugehen. Hier gilt: „Unwissenheit schützt vor Folgen nicht“. Besprechen Sie das am besten noch einmal mit einem versierten Rechtsanwalt. Vielleicht gibt es in dem Vertrag ja eine Klausel, die diesen insgesamt nichtig macht. Ansonsten dürften Sie ja Anspruch auf den anteiligen Goodwill und das anteilige Sachvermögen der Praxis haben. Um diese Werte zu sichern, raten wir Ihnen, ein Wertgutachten von einem vereidigten Sachverständigen erstellen zu lassen, damit es zumindest hier hinsichtlich Ihrer Ansprüche keine Probleme gibt.

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