Mit Reaktion der Ärzte unzufrieden

IGeL-Monitor 2018: Setzen Ärzte ihre Patienten unter Druck?

Arztpraxen, die auf Dauer wirtschaftlich erfolgreich sein wollen, müssen Patienten mehr anbieten als das gesundheitliche Standardprogramm. Tatsächlich hat die Mehrheit der Praxisinhaber das bereits erkannt: Jeder zweite Patient bekommt beim Arztbesuch Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) angeboten. Vom Medizinschen Dienst des GKV-Spitzenverbandes werden die häufigsten Angebote allerdings kritisiert.

Individuelle Gesundheitsleistungen müssen privat bezahlt werden. Der IGeL-Monitor hat in einer repräsentativen Umfrage erstmals die Top 10 der meistverkauften IGeL ermittelt.

Zu den häufigsten angebotenen und angenommen Leistungen gehört die Augeninnendruckmessung zur Glaukom-Früherkennung. Diese Leistung wurde jedem fünften Versicherten (22 Prozent), der mit IGeL beim Praxisbesuch in Kontakt kam, angeboten und landete auf Platz 1 der Top 10-Liste. Die zweithäufigste und bei den Frauen (30 Prozent) am meisten angebotene Leistung war der Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung. Weitere Topseller sind der Ultraschall des Bauchraums und der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs bei Männern. Die Top 10-Liste wurde im Auftrag des MDS vom Marktforschungsinstitut aserto durch eine repräsentative Umfrage bei 2.072 gesetzlich Versicherten ermittelt. Igel-Monitor

Vom Medizinschen Dienst des GKV-Spitzenverbandes wird nun Kritik am Angebotsspektrum der niedergelassenen Ärzte laut. Die Top 10 würden von Leistungen angeführt, die vom IGeL-Monitor als „negativ“ oder „tendenziell negativ“ bewertet worden sind.

So handle es sich z.B. beim Ultraschall der Eierstöcke um eine Leistung, von der die Fachgesellschaft der Frauenärzte abrät, da in Studien kein Nutzen gezeigt werden konnte und es durch Überdiagnosen zu erheblichen Schäden kommen kann. „Unser Fazit ist: Die IGeL-Angebote orientieren sich nicht am nachgewiesenen medizinischen Nutzen, sondern an den Vorlieben einzelner Arztgruppen und an den Umsatzinteressen der Praxen. Zum Teil werden Patienten unter Druck gesetzt, damit sie solche Leistungen annehmen. Das ist nicht hinnehmbar“, fasst Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des MDS, die zentralen Ergebnisse zusammen.

Patienten wünschen nur selten von sich aus IGeL

Tatsächlich zeigt die Umfrage weiter, dass Patientinnen und Patienten selbst nur in jedem vierten Fall nach entsprechenden Leistungen fragen. Nur 68 Prozent der Befragten zeigten sich mit der Reaktion des Arztes oder der Ärztin zufrieden, wenn sie eine IGeL angeboten bekommen und diese auch annehmen.

Bedenklich: Mehr als jeder dritte Patient gab sogar an, dass er sich vom Arzt bedrängt oder unter Druck gesetzt fühlte, die kostenpflichtige Leistung anzunehmen.

 

 

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