Bonusprogramme der Krankenkassen

„In Zukunft zahlen sie auch noch die Sportschuhe“

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach ist nicht unbedingt als Kassen- Kritiker bekannt Die neuen Bonusprogramme, mit denen einige Anbieter nun auf Kundenfang gehen, sind aber selbst ihm nicht mehr geheuer.

Elf Jahre gibt es die Bonusprogramme der Kassen nun schon. Umstritten waren sie immer. Denn warum eine Sozialversicherung ihren Mitgliedern Geld- oder Sachprämien gewähren sollte, nur weil die ihrer Gesundheit etwas gutes tun, erschließt sich nicht jedem.

Dennoch hat der Gesetzgeber solche Investments ausdrücklich erlaubt. Nun allerdings läuten einige Kassen eine neue Ära ein. Der Aufschrei, den die Ankündigung der jüngsten Aktionen einiger AOKen und anderer großer Kassen auslöste, dürfte bislang ohne Beispiel sein.

Lieber beim Arzt sparen….

Der Grund: Ortskrankenkassen, aber auch zum Beispiel die Techniker Krankenkasse (TK) wollen sich an den Anschaffungskosten für Fitness-Trackern oder andere sogenannte Wearables, etwa der Apple Watch zu beteiligen. Wie genau sie dabei vorgehen, ist je nach Anbieter unterschiedlich. Bei der TK etwa müssen Mitglieder die Teilnahme an Gesundheitskursen sowie Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen nachweisen. Sie erhalten dann, je nachdem, wie intensiv sie sich engagieren, bis zu 250 Euro Zuschuss für eine Gesundheitsleistung. Und unter diesen Begriff fällt auch die Anschaffung eines Fitnesstrackers.

Selbst für Befürworter der Programme scheint mit den neuesten Aktionen allerdings eine Grenze überschritten. Laut dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hält unter anderem der SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach die neuen Programme für „fragwürdig“. „ Damit wollten die Kassen gut gebildete, junge und gesunde Mitglieder abwerben“ zitiert das Blatt den Politiker. Ebenso gut könnten die Kassen demnächst auch den Kauf von Laufschuhe bezuschussen.“

Auch private Krankenversicherungen setzen auf Wearables

Nicht nur die gesetzlichen Kassen versuchen, ihre Versicherten an moderne Fitness-Tracker heranzuführen. Auch die privaten Krankenversicherer haben große Sympathien für die Geräte – oder auch für die Smartphones ihrer Kunden. Denn mit der passenden App wird auch das Handy zum persönlichen Fitnesscoach: Die Anwendung sammelt Daten über die sportlichen Aktivitäten des Verwenders, speichert mitunter sogar Körpermaße und Gewicht. Diese Informationen sind für die Versicherungen ausgesprochen interessant, zum Beispiel, um exakt auf die jeweiligen Risiken abgestimmte Tarife kalkulieren zu können.

Die Neugier der Assekuranzen

Datenschutzexperten sehen diese Entwicklung mit Sorge. So sorgte vor einiger Zeit unter anderem des sogenannte Vitality-Programm der Generali für Aufsehen: Kunden, die ihre Gesundheitsdaten elektronisch an den Versicherungskonzern übermitteln sollen – so die Idee – bei gesundem Lebensstil Rabatte erhalten.

Rein rechtlich ist das durchaus möglich, wenn der entsprechende Kunde in die Nutzung seiner persönlichen Daten durch eine Assekuranz einwilligt und vorher über die geplante Datenverarbeitung informiert wurde. Dennoch empfehlen Experten fast unisono, für ein paar gesparte Euro nicht auf die eigene Datensouveränität zu verzichten.

Das gilt umso mehr, als der Umkehrschluss beunruhigend ist. Denn würden verhaltensbasierte Versicherungsmodelle Schule machen, müssten künftig jene Kunden mit Prämienerhöhungen rechnen die sich gegen die Nutzung von Fitnesstrackern entscheiden. Und diese „schöne neue Welt“ wünscht sich wahrscheinlich niemand.

FeedbackSenden
Anzeige

Saisonbedingte Schadenfälle: Verkehrssicherungspflichten des Praxisbetreibers

Der Betrieb einer Praxis bedeutet immer auch die Möglichkeit von Gefahrenquellen, denen der Publikumsverkehr oder auch Unbeteiligte ausgesetzt sind. Dieser Beitrag beleuchtet die typischen Gefahren d... Mehr
Author's imageAxel SchirpProduktmarketing bei HDI Vertriebs AG

Weitere Artikel zum Thema:

Berufsunfähigkeit

Spezielle Versicherung für Ärzte


Urteil

Was Krankenkassen für Auslandsbehandlungen zahlen müssen


Vorteile für Selbständige und Gewerbetreibende

Telefontarif für Selbständige


Marburger Bund

Sonderkonditionen für Mitglieder


Urteil

Versicherung haftet für Kostenzusage


Anzeige
Drucken