Strategische Ruhestandsplanung für Ärzte, Teil 2

Inflation, Steuern, Lebenserwartung – Was Sie für Ihren Ruhestand wissen müssen

Ein sorgenfreier Ruhestand hängt maßgeblich von einer systematischen Planung und Organisation im Vorfeld ab. Die Zielsetzung: Zum Ruhestandszeitpunkt so aufgestellt zu sein, dass sich die persönlichen Ambitionen und Ziele auch verwirklichen lassen. Welche Faktoren hier wichtig sind, lesen Sie im zweiten Teil der Reihe „Strategische Ruhestandsplanung für Ärzte“.

Um in die Ruhestandsplanung vernünftig einzusteigen, müssen zu Beginn wichtige Parameter näher betrachtet werden: Inflation, Steuern, Ausgaben, Lebenserwartung und Renteneintrittspunkt. Denn keinesfalls sollten Entscheidungen auf Basis falscher Annahmen getroffen werden. Im schlimmsten Fall können sie nämlich nicht mehr rückgängig gemacht werden und wirken sich negativ auf die weitere Lebensplanung aus.

Die Ruhestandsplanung wird anhand zweier Beispiele veranschaulicht:

  • A. Angestellter ist 52 Jahre alt und angestellter Oberarzt. Er möchte bis zum Regelrenteneintrittsalter weiterhin im Krankenhaus arbeiten.
  • N. Niedergelassener ist niedergelassener Internist und 60 Jahre alt. Er würde gerne mit 62 Jahren seinen Anteil an der Gemeinschaftspraxis verkaufen.

Welche Rolle spielt die Inflation?

Inflation – was ist das eigentlich? Als Inflation wird der Anstieg des allgemeinen Preisniveaus bezeichnet. Bildlich dargestellt: Wir betrachten einen festen Warenkorb. Werden die gleichen Produkte im Zeitverlauf teurer, nennt man das Inflation.

  • Das Thema Inflation hält Dr. Niedergelassener für nicht relevant, da die Inflationsrate quasi bei null liegt.

Davon auszugehen, dass die aktuell sehr niedrige Inflationsrate keinen entscheidenden Einfluss auf die Planung nimmt, ist im Grunde richtig. Allerdings sollten wir im Hinblick auf die Ruhestandsplanung das Verständnis von Inflation etwas erweitern und uns vielmehr mit der  „persönlichen Inflation“ beschäftigen.

Bei der persönlichen Inflation schauen wir wieder auf den bereits bekannten Warenkorb, allerdings gehen wir nun davon aus, dass er sich durch den Eintritt in den Ruhestand verändert. Hat der Warenkorb früher beispielsweise – wegen mangelnder Freizeit – zwei Reisen im Jahr und ein Hobby enthalten, kommen durch die geänderten Lebensumstände nun weitere Reise und weitere Hobbys hinzu. Das Konsumverhalten und damit auch der Warenkorb ändern sich maßgeblich – ein Faktor, der unter Umständen erheblich ins Gewicht fällt und bereits bei der Planung antizipiert und berücksichtig werden muss. Die persönliche Inflation ermittelt der Inflationsrechner.

Welche Steuerlast erwartet Sie im Ruhestand?

Die steuerliche Situation des Ruheständlers ist ebenso wie in der Erwerbsphase von seinen Einnahmen abhängig.

  • Um die Steuerlast im Ruhestand macht sich Dr. Angestellter keine Gedanken, denn er ist der Ansicht, dass die Rente des Versorgungswerks und seine betriebliche Altersvorsorge fast steuerfrei sind.

Achtung vor falschen Erwartungen! Der Steuersatz wird sich nicht in einem minimalen Bereich befinden – von dieser Wunschvorstellung sollte man sich rechtzeitig verabschieden. Dabei hilft ein einfacher Kniff: Mittels einer „Mustersteuererklärung“ für die ersten Ruhestandsjahre können alle für die Steuer relevanten Faktoren gecheckt werden – und ermöglichen so eine recht genaue Betrachtung der zu erwartenden Steuerlast. Mithilfe der Mustersteuererklärung ist es relativ einfach, die zu erwartenden Einnahmen zu ermitteln.

Ausgaben zwischen Pflicht und Kür

Wesentlich schwieriger ist es, die zukünftigen Ausgaben zu betrachten. Zum einen bestehen sie aus lebenslangen Pflichtausgaben, also Lebenshaltungs-, Wohn-, oder Krankenversicherungskosten. Zum anderen gibt es variable Kosten, die in der Planung die „Kür“ darstellen. Denn sie liegen keinesfalls auf der Hand, sondern hängen sowohl von der persönlichen Zielsetzung im Ruhestand als auch von den Ruhestandsphasen ab. So wird etwa der aktive Ruhestand in den ersten Jahren oftmals mit Reisen verbracht – und das kostet. Dieser Kostenfaktor nimmt mit zunehmendem Alter und sinkender Mobilität ab. Allerdings kommen dann andere Ausgaben hinzu, beispielsweise durch die Inanspruchnahme von Hilfspersonal. Diese Ausgaben können im Vorfeld nicht sicher festgelegt, aber zumindest abgeschätzt werden.

Häufig unterschätzt: Lebenserwartung

Für eine valide Finanzplanung ist die Lebenserwartung von außerordentlicher Bedeutung.

  • Da sein Vater mit Anfang 70 starb, geht Dr. Angestellter davon aus, dass er ähnlich alt werden wird.

Wie Dr. Angestellter tendieren Menschen oftmals dazu, ihre eigene Lebenserwartung aufgrund emotionaler Faktoren zu unterschätzen. Zudem haben viele nicht auf dem Schirm, wie schnell sich die Lebenserwartung entwickelt: Statistisch gesehen steigt sie jedes Jahr um rund drei Monate Lebenszeit an. Nach der Sterbetafel 2013/2015 hat eine heute 65-jährige Frau noch knapp 21 Lebensjahre vor sich, ein 65-jähriger Mann noch etwa 18. Somit werden die Menschen mittlerweile durchschnittlich weit über 80. Also: Selbst wer ein frühes Ableben für wahrscheinlich hält – die Pflichtausgaben muss er dennoch auch für ein langes Leben angemessen decken. Ihre eigene statistische Lebenserwartung zeigt Ihnen übrigens der Lebenserwartungsrechner.

Renteneintrittspunkt: Wann ist das eigentlich?

Auch nach Dienstaustritt oder Praxisabgabe geben viele Mediziner ihre ärztliche Tätigkeit noch nicht vollständig auf. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Einerseits macht die Tätigkeit noch Freude und bringt persönliche Erfüllung. Andererseits können so auch über das Regelrenteneintrittsalter hinaus zusätzliche Einkünfte generiert werden.

  • Niedergelassener möchte mit 62 Jahren seinen Anteil an der Gemeinschaftspraxis verkaufen und bis zu seinem 67. Lebensjahr nur noch vereinzelte Urlaubsvertretungen übernehmen.

Somit ist der für die Planung relevante „echte“ Ruhestandszeitpunkt – also der Zeitpunkt, in dem keine Einkünfte mehr aus einer beruflichen Tätigkeit erworben werden – für Dr. Niedergelassener mit 67 erreicht. Erst dann verändert sich die die Einnahmesituation nicht mehr relevant und es ist gewährleistet, dass im Zeitraum des Ruhestandes Einnahmen und Ausgaben in einem richtigen und deckungsgleichen Verhältnis stehen.

Ausblick: Alles rund ums Betongold

Es wird deutlich: Alle Faktoren und ihre persönliche Relevanz müssen rechtzeitig geklärt werden. Erst danach können die nächsten Planungsschritte eingeleitet und umgesetzt werden. Dazu betrachten wir im nächsten Teil der Serie „Strategische Ruhestandsplanung für Ärzte“ am 15. Mai das Thema Immobilien: Wie sieht der momentane Immobilienbesitz im Hinblick auf noch bestehende Finanzierungen oder in der Zukunft anstehende Investitionen aus und wie sollte der Bestand im Ruhestand möglicherweise angepasst oder verändert werden?

Teil 4: Erben und Schenken: Was passiert mit Ihrem Geld?
Teil 5: Entspannt im Ruhestand: Störfaktoren gezielt absichern
Teil 6: Vermögen: Was Sie haben, was Sie brauchen
Teil 7: So machen Sie Ihre Praxis zu Geld

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Martin Doppler

Martin Doppler

Finanzberater bei MLP Finanzberatung SE

Martin Doppler ist Berater beim Finanzdienstleister MLP in der Geschäftsstelle Kaiserslautern. Nach seiner Bankausbildung und dem Jurastudium kam er 1997 zu MLP und berät seitdem im Schwerpunkt Mediziner in allen für sie relevanten Finanzfragen. Er ist zertifizierter Ruhestandsplaner (FH) und Lehrbeauftragter an der Hochschule Kaiserslautern.

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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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