Healthcare-Barometer 2017

Innovationen wichtiger als preisgünstige Medikamente

Patienten wollen möglichst wenig Geld für Medikamente ausgeben und erwarten immer preisgünstige Alternativen? Das ist keinesfalls so, wie das „Healthcare-Barometer 2017“ zeigt. Die Mehrheit der Bundesbürger wünscht sich mehr Innovation und weniger Preiskampf.

Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) hat für das „Healthcare-Barometer 2017“ tausend Bundesbürger zu wirtschaftlichen Aspekten des Gesundheitswesens befragt. Die Ergebnisse sind teilweise durchaus überraschend.

So wünschen sich sieben von zehn Befragten (68 Prozent), dass Hersteller im Pharmabereich sich künftig mehr auf innovative Produkte konzentrieren und so dabei helfen, gefährliche und seltene Krankheiten zu bekämpfen. Die Entwicklung preisgünstiger Produkte für Standard-Medikamente, von der fast jeder Bundesbürger profitiert, spielt hingegen keine große Rolle.

Das Image der Pharmaindustrie, die diese Innovationen hervorbringen soll, ist allerdings nicht besonders gut: Nur 19 Prozent der Befragten glauben, dass der Schwerpunkt der Unternehmen auf einem Heilungsauftrag liegt und sie dabei helfen, Krankheiten zu heilen. 73 Prozent sehen die Branche als vor allem auf den eigenen Gewinn bedacht an und unterstellen sogar, dass die Firmen zu Lasten der Sozialkassen wirtschaften.

Das schlechte Image hat die Pharmaindustrie allerdings zu Unrecht, wie Michael Burkhart, Partner bei PwC und Leiter des Bereichs Gesundheitswesen & Pharma erklärt: „Die Pharmaindustrie wird von Seiten der Öffentlichkeit oft zu Unrecht geprügelt. Denn die forschenden Arzneimittelhersteller stehen durch die Kostenexplosion im Gesundheitswesen, in der
Arzneimittelforschung und in der klinischen Erprobung enorm unter Druck. Die Erlöse sind in manchen  Indikationsgebieten so gering, dass Forschung trotz exzellenter Infrastruktur in Deutschland immer schwerer zu finanzieren ist“.

Die Beurteilung des deutschen Gesundheitswesens fällt da schon deutlich wohlwollender aus. Vier von fünf Befragten fühlen sich gut versorgt. Das ist umso erstaunlicher, als nur 40 Prozent eine private Zusatzversicherung abgeschlossen haben. Ebenfalls bemerkenswert: 85 Prozent sind mit den Leistungen ihrer Krankenkasse/Krankenversicherung zufrieden. 64 Prozent zählen das deutsche Gesundheitssystem sogar zu den Top-3 der Welt.

Nur 1 Prozent der Bundesbürger hat sich schon mal einer Operation im Ausland unterzogen. Als Grund dafür wurden in erster Linie die geringeren Kosten genannt. Am häufigsten wurden Zahnbehandlungen durchgeführt.

Wenn es darum geht, sich vor einem Klinikaufenthalt über Kosten und Qualität zu informieren, ist der Hausarzt für die Patienten noch immer die erste Anlaufstelle. Auch die Meinung von Freunden und Bekannten ist sehr wichtig (42 Prozent). Allerdings gewinnt das Internet bei der Meinungsbildung an Bedeutung: Bewertungsportale (36 Prozent) und Online-Foren (20 Prozent) werden vor allem von jüngeren Bundesbürgern zur Informationsbeschaffung genutzt.

Michael Burkhart: „Das Healthcare Barometer zeigt deutlich, wohin der Weg für niedergelassene Ärzte in Zukunft geht: Sie müssen die Stärken ausspielen, die das Internet nicht hat, sich Zeit für Patienten nehmen und Vertrauen aufbauen. Angesichts einer wachsenden Gruppe von Patienten, die mit dem Internet aufgewachsen sind, müssen Arztpraxen digitale Komponenten in ihr Geschäftsmodell integrieren, um den Kontakt zu Patienten zu pflegen, den Service zu verbessern und Abläufe zu optimieren.“

Die vollständige Studie finden Interessenten zum kostenlosen Download unter:
www.pwc.de/HC-Barometer2017

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