Statistisches Bundesamt

Insolvenzen im Gesundheitswesesen: Mehr Arztpraxen und Kliniken betroffen

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist 2016 auf den niedrigsten Stand seit Einführung der Insolvenzordnung im Jahr 1999 gesunken. Im Gesundheitswesen sieht der Trend allerdings anders aus: Hier musste gegenüber dem Vorjahr eine deutliche Zunahme verzeichnet werden, wie die aktuelle Erhebung des Statistischen Bundesamts zeigt.

Im Jahr 2016 meldeten die deutschen Amtsgerichte 21.518 Unter­nehmensinsolvenzen. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) 6,9 % weniger als im Jahr 2015. Die Zahl sank damit auf den niedrigsten Stand seit Einführung der Insolvenzordnung im Jahr 1999. Die Höhe der dazugehörigen Forderungen ist zugleich allerdings von 17,3 auf rund 27,4 Milliarden Euro gestiegen. Im Jahr 2015 hatte sie bei rund 17,3 Milliarden Euro gelegen. Dieser deutliche Anstieg ist darauf zurückzuführen, dass die Gerichte im Jahr 2016 mehr Insolvenzen von wirtschaftlich bedeutenden Unternehmen registrierten als im Jahr 2015.

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ist 2016 mit 77.238 Fällen im Vergleich zum Vorjahr weiter gesunken und zwar um 3,6 %. Die Insolvenzen von Personen, die früher einer selbstständigen Tätigkeit nachgegangen sind, lagen mit 20.127 Fällen um 2,1 % unter dem Vorjahresniveau. Bei den ehemals selbstständig Tätigen dürfte in vielen Fällen eine Insolvenz ihres Unternehmens vorausgegangen sein, so die Schätzung der Analysten.

Insolvenzen im Gesundheitswesen gestiegen

Nimmt man nur die kombinierten Zahlen für das Gesundheits- und Sozialwesen, ist hier ebenfalls ein Rückgang von -2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Für die Mediziner sieht es bei genauerer Betrachtung aber keinesfalls so rosig aus. Im Gegenteil: Insgesamt ist die Zahl der Insolvenzen bei niedergelassenen Heilberuflern und Kliniken um 2,3 Prozent gestiegen, teilweise waren die Zuwächse sogar zweistellig.

Insgesamt wurden 243 Insolvenzverfahren eröffnet, davon wurden 28 mangels Masse abgewiesen. Betroffen waren 15 Krankenhäuser, davon entfielen 4 auf Vorsorge- und Rehabilitationskliniken. Gegenüber 2015 war das ein Zuwachs von 15,4 Prozent.

2016 mussten außerdem 101 Arzt- und Zahnarztpraxen Insolvenz anmelden, das ist gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 8,3 Prozent. Betroffen waren 16 Arztpraxen für Allgemeinmedizin (+13,3%), 31 Facharztpraxen (+14,3%) sowie 54 Zahnarztpraxen (+3,8%).

In die Insolvenzstatistik für das Gesundheitswesen flossen außerdem noch die Insolvenzen von Praxen für psychologische Psychotherapie (6 bzw. -25% gegenüber 2015), Massage- und Krankengymnastikpraxen (46 bzw. +39%), Heilpraktikerpraxen (11 bzw. -48%) und sonstige selbstständige Tätigkeiten im Gesundheitswesen (64 bzw. -7,4%) mit ein. Insgesamt waren 2016 mehr als 3.000 Mitarbeiter von den Insolvenzen im Gesundheitswesen betroffen.

Die Gesamtzahl aller Insolvenzen, also Unternehmen, Verbraucher und Selbstständige, belief sich im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistischen Bundesamtes auf 122.514 Fälle. Das ist ein Minus von 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Unternehmensinsolvenzen
Nr. der
Klassi-
fikation
Wirtschafts-
bereich
Insolvenzverfahren Ver-
fahren

im
Vorjahr
Veränd.
geg.

Vor-
jahr (%)
er-
öffnet
mangels
Masse
abge-
wiesen
insg.
Q Gesundheits- u. Sozialwesen 410 65 475 487 -2,5
Q86 Gesundheitswesen 243 28 271 265 2,3
Q86.1 Krankenhäuser 15 15 13 15,4
Q86.10.1 Krankenhäuser (oh. Uni-, Vorsorge-, u. Rehakliniken) 11 11 9 22,2
Q86.10.3 Vorsorge- u. Rehakliniken 4 4 4 0,0
Q86.2 Arzt- und Zahnarztpraxen 101 3 104 96 8,3
Q86.21 Arztpraxen f. Allgemeinmedizin 16 1 17 15 13,3
Q86.22 Facharztpraxen 31 1 32 28 14,3
Q86.23 Zahnarztpraxen 55 1 55 53 3,8
Q86.9 Gesundheitswesen ang. 127 25 152 156 -2,6
Q86.90.1 Praxen f. psychologische Psychotherapie 6 6 8 -25
Q86.90.2 Massagepraxen, Krankengymnastikpraxen usw. 46 11 57 41 39
Q86.90.3 Heilpraktikerpraxen 11 2 13 25 -48
Q86.90.9 Sonst. selbst. Tätigkeiten i. Gesundheitswesen 64 12 76 82 -7,3
Q87 Heime (oh. Erholungs- u. Ferienheime) 32 3 35 43 -18,6
Q87.1 Pflegeheime 19 3 22 21 4,8
Q87.2 Stationäre Einr. z. psychosoz. Betreuung usw. 2 2 X
Q87.3 Altenheime; Alten-u. Behindertenwohnheime 9 9 15 -40,0
Q87.9 Sonst. Heime (o. Erholungs- u. Ferienheime) 2 2 7 -71,4
Q88 Sozialwesen (o. Heime) 135 34 169 179 -5,6
Q88.10 Soz. Betreuung ält. Menschen u. Behinderter 86 21 107 117 -8,5
Q88.10.1 Ambulante soz. Dienste 84 17 101 97 4,1
Q88.10.2 Sonst. soz. Betreuung ält. Menschen u. Behinderter 2 4 6 20 -70,0
Q 88.9 Sonst. Sozialwesen (oh. Heime) 49 13 62 62 0
Q 88.91 Tagesbetreuung v. Kindern 14 3 17 20 -15
Q 88.99 Sonst. Sozialwesen ang. 35 10 45 42 7,1
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