Geschlossene Fonds in der Insolvenz

Ist Ihr Geld dann weg?

Gut zehn Milliarden Euro flossen 2009 über geschlossene Fonds in Schiffe, Immobilien oder Flugzeuge. Oft recht profitabel. Was aber, wenn das Emissionshaus solch eines Fonds Insolvenz anmelden muss?

Die allgemeine Wirtschaftskrise macht auch vor geschlossenen Fonds nicht halt. Bisher betrafen Schreckensmeldungen über Unternehmenspleiten, leerstehende Bürogebäude oder Containerschiffe ohne Beschäftigung meist nur einzelne geschlossene Fonds. Wurde das Schiff zu teuer eingekauft oder zieht der Mieter aus dem Bürogebäude aus, gerät eine Fondsgesellschaft schon einmal in Zahlungsschwierigkeiten. Doch auch die Emissionshäuser selbst, die geschlossene Fonds am Markt anbieten, geraten jetzt zunehmend unter Druck. Ein erster Hamburger Initiator musste eben erst Insolvenz anmelden. Das erinnert fatal an die Bankenpleite von Lehman Brothers. Aber was passiert eigentlich, wenn der Emittent eines geschlossenen Fonds pleite geht? Ist das Anlegerkapital dann verloren?

„Das Geld der Anleger ist von einer Emissionshaus-Pleite nicht betroffen“, erklärt Malte Hartwieg, Geschäftsführer der dima24.de Vermögensberatung: „Anders als Geld auf dem Konto ist das in geschlossene Fonds investierte Kapital zwar nicht von einem Einlagensicherungsfonds garantiert. Dafür handelt es sich um wirtschaftlich und rechtlich selbstständige Unternehmen, die allein den Anlegern gehören. Das Emissionshaus wählt nur das Flugzeug oder die Immobilie aus und verkauft die Anteile daran. Sind alle Anteile vergeben, beschränkt sich die Rolle des Initiators zumeist auf die Verwaltung.“

Für Anteilseigner an geschlossenen Fonds bedeutet das, dass ihnen das Fondsobjekt vollständig gehört. Geht dem Emissionshaus das Geld aus, kann ein Insolvenzverwalter weder auf die Fondsobjekte wie Immobilien oder Schiffe noch auf deren Vermögen zugreifen. Auch auf die laufenden Einkünfte der geschlossenen Fonds aus Mieten oder Chartern besteht kein An- spruch. Nur wenn die Fondsgesellschaft selbst in wirtschaftliche Schieflage gerät, kann das investierte Geld in Gefahr geraten. Ein Kuckuck auf der Tür eines Emissionshauses gefährdet das Anlegergeld dagegen nicht.

Freilich: Ganz ohne Auswirkungen bleibt auch die Insolvenz eines Initiators nicht. Denn meist sind die Anleger zwar Inhaber des Unternehmens, die täglichen Geschäfte führen aber Angestellte des Emissionshauses. Sie übernehmen etwa die Verhandlungen mit Mietern und Charterern, überwachen die Zahlungsströme und organisieren den späteren Verkauf der Objekte. Gehen beim Emissionshaus die Lichter aus, müssen die Gesellschafter die Geschäftsführung neu besetzen.

Das ist vor allem eine Frage der Organisation: Die Eigentümer müssen lediglich per Beschluss einen Nachfolger bestellen. Ebenfalls ausgetauscht werden muss in vielen Fällen die Treuhand, ein Verwalter, der den Anlegern zum Beispiel die Geschäftsberichte zusendet und die Ein- und Auszahlungen an die Gesellschafter überwacht. Der Treuhänder gehört meist wirtschaftlich und rechtlich zum Emissionshaus und wird bei einer Insolvenz ebenfalls aufgelöst. Auch hier können die Gesellschafter einen neuen Dienstleister beauftragen.Unternehmerische Beteiligungen laufen meist über zehn bis zwanzig Jahre. Sobald ein Fonds geschlossen ist, sind die Anleger mit Blick auf
den Initiator auf der sicheren Seite. Anders sieht die Situation allerdings aus, wenn sich ein Fonds noch in der Platzierung befindet, also noch nicht alle Anteile von Anlegern übernommen wurden. Steht der
Insolvenzverwalter dann bei dem Emissionshaus vor der Tür, drohen den Anlegern tatsächlich Verluste. Denn mit der Insolvenz endet auch der Vertrieb der Fondsanteile.

Zwar geht auch in diesem Fall das investierte Kapital nicht in die Insolvenzmasse des Emissionshauses ein. Dafür steht aber die Fondsgesellschaft selbst auch ohne ausreichende Liquidität da. Ist erst ein Teil des Eigenkapitals eingeworben worden, reicht das Geld meist nicht, um zum Beispiel das Schiff oder die Immobilie zu kaufen. Wer als Anleger der Gesellschaft schon beigetreten ist, ist auf der Fondsebene dann voll in der Haftung und muss für die eingegangenen Verpflichtungen trotzdem gerade stehen. Unwahrscheinlich, dass so ein Fonds noch voll platziert werden kann: Die Emissionshaus-Insolvenz schreckt weitere Investoren ab. Kein Berater empfiehlt seinen Anlegern ein Produkt, über dessen Erfinder schon der Pleite-Geier kreist.

Also bleibt den Anlegern im Fonds dann meist nur eine Möglichkeit: Das Objekt wird verkauft und der Fonds gleich wieder aufgelöst. Der Anleger erhält dann sein investiertes Kapital zurück; allerdings abzüglich der Kosten, die dem Fonds bereits für die Gesellschaftsgründung, Marketing, Steuerberatung oder durch Kredite entstanden sind. Glück haben Anleger, die der Beteiligung ganz frisch beigetreten sind. Wer gerade erst unterschrieben hat, kann binnen 14 Tagen nach Zeichnung von dem gesetzlichen Rücktrittsrecht Gebrauch machen. Ist die Frist bereits verstrichen, müssen Anleger als Mitunternehmer die Konsequenzen tragen.

Weitgehende Sicherheit

Anteilseignern geschlossener Fonds gehört das Fondsobjekt vollständig. Geht dem Emissionshaus das Geld aus, können Insolvenzverwalter weder auf die Fondsobjekte wie Immobilien, Flugzeuge oder Schiffe zugreifen, noch auf die laufenden Einkünfte der geschlossenen Fonds aus Mieten oder Chartern zurückgreifen. Nur wenn die Fondsgesellschaft selbst in wirtschaftliche Schieflage gerät, gerät das investierte Geld in Gefahr.

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