Zinsen

Dispokredite werden teurer

Trotz historisch niedriger Leitzinsen kassieren die Banken bis zu 17 Prozent für Dispokredite. Vorsicht: Gerade kleine Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken langen vielerorts dreist zu.

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins im Zuge der nun auch schon länger anhaltenden Finanzkrise von 4,25 Prozent im Oktober 2008 auf ein historisches Tief von gerade mal noch ein Prozent im Mai 2009 gesenkt. Dort verharrt er bis heute und lässt trotzdem übliche zweistellige Dispozinsen wie Wucher wirken. Dabei spricht viel dafür, dass die Banken die Dispozinsen kräftig senken könnten, denn sie selbst können sich das Geld so günstig leihen wie nie zuvor.

Doch ausgerechnet beim Dispo rührt sich wenig, die Banken geben die Leitzinssenkung nicht vollständig an ihre Kunden weiter. Das läppert sich; Die Bundesbank gibt das Volumen der Überziehungskredite aktuell mit 41,6 Milliarden Euro an – davon ma- chen die Dispokredite den Hauptanteil aus. Gemessen an dieser Summe kostet jeder Prozentpunkt, um den der Zinssatz nicht gesenkt wird, die Bankkunden 416 Millionen Euro im Jahr. Geld, das den Verbrauchern nicht zur Verfügung steht.

Nahezu jede Praxis steht mit ihrem Konto im Dispo. Das hat die Gesellschaft für Konsumforschung herausgefunden. Einen Anspruch darauf gibt es nicht, die meisten Banken räumen jedoch einen Disporahmen ein. Üblich ist das Zwei- bis Dreifache des monatlichen Zahlungseingangs.

Überzieht man auch noch den Dispo und gerät man in die „geduldete Überziehung“, laufen die Kosten schnell aus dem Ruder. Dann verlangen die Banken einen Zuschlag, schwindelerregende Zinssätze von durchschnittlich rund 17 Prozent sind üblich – aber auch an Wucher grenzende Zinsen von 20 Prozent und mehr lassen sich finden. Damit belasten die Geldinstitute gerade jene Kunden, die ohnehin schon besonders tief in der Kreide stehen.

Seit Juli sind die Banken
durch ein neues Gesetz eigentlich verpflichtet, ihren Dispozins an einen Marktzins zu koppeln. Für ihre Dispozinsen müssen die Banken nun einen Referenzwert nennen und haben zwei Möglichkeiten: Entweder sie legen sich fest und binden ihren Dispozins fest an den Referenzwert. Dann müssen sie ihren Zins erhöhen, wenn der Wert steigt. Sinkt der Referenzwert, müssen sie die Zinsen auch senken. Oder sie wählen eine flexible Klausel. Dann können sie den Dispozinssatz ändern, wenn sich der Referenzwert ändert, müssen das aber nicht tun. Ihren Spielraum müssen sie bei sinkenden Zinsen allerdings genauso nutzen, wie sie’s bei steigenden Zinsen tun.

A&W-KOMPAKT

Die Crux mit dem Referenzwert, der eigentlich eine feine Sache ist: Der klassische Referenzwert, der Leitzins der Europäischen Zentralbank, ist so niedrig wie lange nicht. Er kann kaum noch sinken. Gleichzeitig sind die Dispozinssätze seit langem aber extrem hoch. Also legen die Banken den Abstand, wie ihnen gesetzlich aufgetragen, gerade jetzt mit Begeisterung fest. Und genau damit können die hohen Dispozinssätze fortan nur in eine Richtung gehen: nach oben. Klettert der Referenzwert einer Bank etwa um drei Prozentpunkte, darf auch der Dispozinssatz wieder steigen. Zinssätze von 15 Prozent und mehr sind so schnell denkbar. Eine Obergrenze für die Dispozinsen gibt es nicht.

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