Leser fragen, Experten antworten

Wenn der Arzt in Rente geht

Sachverständiger Günther Frielingsdorf, Köln, beantwortet hier exklusiv auf arzt-wirtschaft.de interessante und wichtige Praxis-Fragen unserer Leser.

Investition vor der Rente
In meiner Praxis stehen inzwischen dringende Investitionskosten an, die ich bisher aufschob, weil ich doch gar nicht abschätzen kann, ob sie fünf Jahre vor der Praxisabgabe überhaupt noch Sinn machen.

Wer seine Praxis modern und mit zeitgemäßem Gerätepark verkauft, hat allemal bessere Aussichten, einen Käufer zu finden. Ihr Begriff „Investitionskosten“ ist betriebswirtschaftlich aber falsch. Investitionen sind keine Kosten, sondern umgewandeltes Vermögen. Dessen weitere Vorteile: Die steuerliche Abschreibung und die eigene Arbeitsverbesserung durch moderne Gerätschaften.


Rente mit 61

Ich spiele ernsthaft mit dem Gedanken, vorzeitig mit meiner gut laufenden hausärztlich-internistischen Praxis aufzuhören und dabei auch die entsprechend damit verbundene Rentenkürzung hinzunehmen. Es gäbe sogar zwei Kaufinteressenten für meine Praxis. Also habe ich jüngst ein Wertgutachten in Auftrag gegeben, um zu wissen, was ich beim Verkauf wohl verlangen kann. Bis auf eine kleinere Darlehnsverpflichtung bin ich schuldenfrei. Könnte sich mein Vorhaben rechnen?

Wenn Sie in gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen leben und bis an Ihr Lebensende eine dauerhaft reduzierte Rente verkraften können, lohnt eine Modellrechnung allemal. Der Erlös aus dem Praxisverkauf ist für Sie natürlich ein finanzielles Polster, von dem aber – bitte nicht vergessen – Einkommensteuer abgeht. Blieben Ihnen etwa nach Steuer noch 180.000 Euro Erlös, wären das – bezogen auf rund 20 Jahre weitere Lebenserwartung – pro Jahr und ohne Zinsen monatlich 750 Euro „Rentensubvention“. Die Vorteile: Ihren verringerten Bezügen aus der ärztlichen Versorgungskasse stünden eingesparte Beiträge gegenüber, die Sie bisher ja aus aus den erwirtschafteten Gewinnen bestreiten mussten. So gesehen, eine einfache Differenzrechnung. Der Nachteil: Es fehlen die Einnahmen aus den erwarteten Gewinnen der restlichen Jahre, die ja im Normalfall noch weiter in die Haushaltskasse fließen würden. Mein Fazit in Ihrem Fall: Sie müssen schon sehr genau rechnen und sollten über satte Reserven verfügen, wenn Ihr Vorhaben wirtschaftlich wirklich Sinn machen soll. Einbußen müssen Sie aber auf jeden Fall wegen der fortan dann fehlenden Gewinne hinnehmen. Die werden auch nicht durch den Wegfall der monatlichen Einzahlungen gegenüber den verringerten Altersbezügen aufgewogen.

Weitere Artikel zum Thema:


Praxisverkauf als Altersvorsorge

Altersvorsorge: Falsche Erwartungen beim Praxisverkauf


Absicherung für den Ernstfall

Risikolebensversicherung: Absicherung für die Familie


Umsatzsteuer

Neuer Fallstrick beim Praxisverkauf


Existenzsicherung

Die Berufshaftpflichtversicherung – unverzichtbar für jeden Arzt


Anzeige