Kapitalerträge

Kapitaleinkünfte, So machen Sie das Beste draus

Am 1. Januar 2009 ist es so weit. Auf fast alle Kapitalerträge kassiert der Fiskus dann 25 Prozent. Die Ausnahme sind Lebensversicherungen. Wir zeigen, wie Sie sich auf die neue Abgabenordnung einstellen.

Eine einheitliche Steuer gilt ab 2009 für

■ Einkünfte aus Kapitalvermögen wie Zinsen und Dividenden,

■ Erträge aus Forderungswertpapieren wie Pfandbriefe,

■ Optionsprämien,

■ Einnahmen aus Finanzinnovationen,

■ Erträge aus Wertzuwächsen aus Investmentfonds und Zertifikaten,

■ Veräußerungsgewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften wie Wertpapiere, Investmentanteile, Beteiligungen an Kapitalgesellschaften, Edelmetallen und Antiquitäten in Höhe von 25 Prozent zuzüglich Solidarzuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.

Besserverdienende Anleger profitieren von dieser neuen Regelung. Denn statt Zinsen mit dem persönlichen Steuersatz von bis zu 47,5 Prozent zu belegen, zieht die Bank direkt die 25 Prozent (inklusive Soli 26,375 Prozent) ab.

Bei Kapitaleinkünften greift ab 2009 die Abgeltungssteuer grundsätzlich. Für langfristig orientierte Anleger heißt es damit Abschied von der Spekulationsfrist zu nehmen. Bislang waren Kursgewinne nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Auch das Halbeinkünfte-Verfahren gehört ab 2009 der Vergangenheit an. In Zukunft werden also alljährliche Dividendenzahlungen genau wie Kursgewinne beim Verkauf von Aktien oder Aktienfonds einheitlich mit 25 Prozent besteuert.

Einzig für Geringverdiener kann sich der Steuersatz ermäßigen. Liegt der individuelle Steuersatz nämlich unterhalb von 25 Prozent, kann dieser niedrigere Steuersatz zugrunde gelegt werden.

Der Aktienmarkt dürfte, damit rechnen Experten, für viele Investoren ab 2009 also unattraktiver werden. Dafür sorgt auch die steuerliche Erleichterung bei Zins-Erträgen aus fest verzinslichen Anlagen. Denn auch für sie gilt der Einheitssteuersatz von 25 Prozent, während früher der persönliche Einkommenssteuertarif angewendet wurde.

Verschiebungen auf der Beliebtheitsskala dürfte es auch bei Zertifikaten und Immobilien geben. Erträge aus Immobilienverkäufen innerhalb von Immobilienfonds sind steuerfrei, sofern diese Immobilien mindestens zehn Jahre gehalten wurden. Diese Regelung gilt auch bei Direktinvestments in Immobilien. Für Erträge aus Zertifikaten gilt ab 2009 dieselbe Regelung wie bei Aktien und Festverzinslichen: 25 Prozent Abgeltungssteuer.

In der Übergangszeit bis zum Start der neuen Steuer müssen Zertifikate sogar noch Nachteile gegenüber den beiden anderen Anlageklassen aushalten. Für so genannte Finanzinnovationen, also etwa Garantiezertifikate galt ohnehin schon eine Besteuerungspflicht, auch bei einer Haltedauer von über einem Jahr. Alle übrigen Zertifikate, also etwa Index-, Discount- oder Bonus-Zertifikate ohne Kapitalschutz kommen nur dann in den Genuss einer Übergangsfrist, wenn sie entweder vor dem 15. März 2007 gekauft wurden, oder – nach mindestens einem Jahr Haltedauer – vor dem 30. Juni 2009 verkauft werden.

Damit versucht man, Schlupflöcher zu schließen, wie sie bei Endlos-Zertifikaten möglich gewesen wären. Ein Steuerschlupfloch, auf das die Fondsindustrie viel Hoffnung setzt, könnte auch noch geschlossen werden. In Luxemburg können vermögende Privatanleger eigene Fonds auflegen, deren Erträge dann die Abgeltungssteuer umschiffen (siehe Arzt & Wirtschaft 2007/05, S. 60). Mindesteinlage: 1,25 Millionen Euro. Sollte diese Möglichkeit noch ausgeschlossen werden, schauen auch Anlegergemeinschaften in die Röhre, die ihr Vermögen zu dem erforderlichen Mindestbetrag poolen wollten, um so der Abgeltungssteuer ein Schnippchen zu schlagen.

A&W-KOMPAKT

 

Anlegen mit der Abgeltungssteuer

Aktien. Sie haben unter der Abgeltungssteuer am meisten zu leiden. Der Wegfall der einjährigen Spekulationsfrist belastet vor allem langfristig orientierte Investoren. Wer im Aktienmarkt engagiert bleiben will, sollte sein Depot deshalb vor Ende 2008 noch einmal gründlich überprüfen.

Aktienfonds. Auch hier werden Kursgewinne und Ausschüttungen ab 2009 von der Abgeltungssteuer erfasst. Bei thesaurierenden Fondsprodukten, bei denen die Ausschüttungen direkt neu investiert werden, wird bislang eine fiktive Besteuerung der Ausschüttungen vorgenommen. Sollte diese auch nach der Einführung der Abgeltungssteuer auf Veräußerungsgewinne beibehalten werden, droht sogar Doppelbesteuerung. Wer bis 31. Dezember 2008 einen risikoarmen, weltweit investierenden Aktienfonds kauft, kommt noch in den Genuss der alten Regelung und kann noch Jahre später Kursgewinne steuerfrei realisieren.

Anleihen. Festverzinsliche können als Gewinner der steuerlichen Neuregelung gelten. Zwar fällt auch hier die Spekulationsfrist 2009 weg. Doch bei der Versteuerung der Zinseinnahmen stellen sich viele Investoren in Zukunft besser. Die 25 Prozent Abgeltungssteuer liegen nämlich in vielen Fällen unter dem persönlichen Einkommenssteuersatz, mit dem bislang die 30-prozentige Zinsabschlagssteuer verrechnet wurde. Mit Zerobonds, also Anleihen, die keinen Zinskupon auszahlen, sondern bis zum Ende der Laufzeit Kursgewinne auftürmen, kann man die Abschlagssteuer- Zahlung im Prinzip um mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte verlagern. Allerdings ist heute kaum abzusehen, ob der Gesetzgeber nicht irgendwann auch hier mit einer fiktiven Besteuerung eingreift. Durch den Kauf von Anleihen mit fiktiver Quellensteuer, die von ausländischen Staaten ausgegeben werden, kann der findige Anleger sogar die Abgeltungssteuer zum Teil umgehen. Die Banken führen in diesen Fällen nur 5 bis 15 Prozent Steuer der Erträge ab, den Rest hat der Anleger bereits an den ausländischen Fiskus gezahlt, allerdings nur auf dem Papier. Doppelbesteuerungs-Abkommen mit den betreffenden Staaten sind die Ursache für diese Möglichkeit. Anleihen dieser Art gibt es von vielen südamerikanischen Staaten, aber auch von Griechenland oder Portugal.

Rentenfonds. Die Spekulationsfrist fällt 2009 ebenfalls weg. Durch den Kauf von Produkten, die auf Anleihen mit niedrigen Zinskupons setzen, kann die Besteuerung der Ausschüttungen in Grenzen gehalten werden. Dafür schlagen die Steuern beim Verkauf der Fondsanteile stärker zu Buche.

Zertifikate. Des Deutschen Anlegers neuer Liebling hat durch die Ankündigung der Abgeltungssteuer eine schwere Übergangszeit vor sich. Nur Zertifikate, die vor dem 15. März 2007 gekauft wurden, oder vor dem 30. Juni 2009 verkauft werden, kommen noch den Genuss der Steuerfreiheit – vorausgesetzt, sie wurden mindestens ein Jahr gehalten. Diese Regelung gilt aber nur für Zertifikate, die nicht als Finanzinnovation gelten. Bei diesen, wie etwa Garantiezertifikaten, mussten schon bisher die Veräußerungsgewinne mit dem persönlichen Steuersatz verrechnet werden. Damit ergibt sich bei Finanzinnovationen durch die neue Abgeltungssteuer in vielen Fällen eine Besserstellung gegenüber der bisherigen Praxis.

Immobilien. Wie bisher können Veräußerungsgewinne bei nicht selbst genutzten Objekten nach zehn Jahren steuerfrei eingefahren werden. Bei selbst genutzten Immobilien ist der Gewinn im Verkaufsfall sogar jederzeit steuerfrei.

Immobilienfonds. Auch Immobilienfonds gehören zu den Gewinnern. Gewinne des Fonds aus der Veräußerung von in Deutschland liegenden Immobilien (bei mehr als zehn Jahren Haltedauer) bleiben wie bei der Direktanlage steuerfrei.

Fonds-Sparverträge. Ob Zinszahlungen aus dem Rentenfonds oder Dividenden, die aus dem Aktienfonds-Sparen erwachsen: 25 Prozent Abschlagssteuer werden fällig, wenn die Fondsanteile nach dem 1. Januar 2009 gekauft wurden.

Riester- und Rürup-Rente. Die beiden neu geschaffenen Renten-Instrumente werden durch die Abgeltungssteuer noch einmal attraktiver. Da in beiden Fällen eine nachgelagerte Besteuerung der Rentenzahlungen erfolgt, greift sie nämlich nicht. Und da im Regelfall während des Rentenbezugs deutlich niedrigere Steuersätze zu zahlen sind, fällt auch diese nachgelagerte Besteuerung vermutlich moderat aus.

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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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