Geld kompakt

Kein Schadenersatz wegen negativer Bewertung im Netz

Weil ein unzufriedener Kunde einen Onlineversandhändler im Internet schlecht bewertet hatte, forderte dieser 38.000 Euro Schadenersatz. Das Landgericht Augsburg hat die Klage jetzt zwar abgewiesen (Az: 021 O 4589/13), doch es bleiben noch viele Fragen offen.

Und das war passiert: Der Kunde hatte im Netz ein Fliegengitter (Wert 22,51 Euro) bestellt. Die Zustellung erfolgte wie vereinbart. Als der Mann das Gitter für sein Fenster zugeschnitten hatte, stellte er jedoch fest, dass es zu klein geraten und damit nutzlos war. Den Grund dafür sah er nicht in seinen eigenen handwerklichen Fähigkeiten, sondern in der aus seiner Sicht unzureichenden Anleitung des Händlers. Diese sowie das Produkt an sich bewertete er beim Online-Versandriesen Amazon entsprechend negativ. Wörtlich schrieb er: „In der Anleitung steht ganz klar Mann muss den Innenrahmen messen – das ist falsch! Damit wird das Ganze zu kurz!“. Und weiter: „Der Verkäufer nie wieder!“. Es kam zu Streit. Im Verlauf der Auseinandersetzung wurde der Kommentar zwar gelöscht, allerdings sah sich der Händler bereits geschädigt. Er forderte Kompensation und unterlag. Argument der Richter: Der Händler hätte beweisen müssen, dass die umstrittene Bewertung eine falsche Tatsachenbehauptung enthält. Das sei ihm im konkreten Fall nicht gelungen.

So erfreulich das Urteil aus Sicht von kritischen Konsumenten auch sein mag: Die wichtigste Frage bleibt offen und muss womöglich in der zweiten Instanz geklärt werden. Besonders interessant: Haften kritische Bewerter für einen möglichen Gewinnausfall, der durch ihren  Kommentar entsteht? Dieses Problem haben auch viele Ärzte, die von Patienten auf Bewertungsplattformen im Netz oft zu Unrecht schlecht bewertet werden.

Das Gericht hat dazu nichts gesagt. Dem Grund nach gilt jedoch:  Verwenden Bewerter Formulierungen wie „meiner Meinung nach“ oder „ich finde“, sind sie juristisch meist nicht zu belangen. Ohne diesen Zusatz werden vermeintliche Meinungsäußerungen auf Bewertungsportalen hingegen schnell zu Tatsachenbehauptungen und die können, wenn sie unwahr sind, einen Anspruch auf Schadenersatz auslösen.

 

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