An Musterklage dranhängen

Kein Steuernachteil durch Kassenbonus

Beiträge zur gesetzlichen Krankenkasse wirken sich steuerlich begünstigend aus. Doch wie verhält es sich mit erhaltenen Bonuszahlungen? Werden sie von den Kassenbeiträgen abgezogen?

(dpa/tmn) Gesetzlich Krankenversicherte sollten ihre Beiträge zur Krankenkasse in der Einkommensteuererklärung angeben. «Damit lässt sich womöglich einiges an Steuern sparen», erklärt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler.

Die Ausgaben für die Basisabsicherung muss das Finanzamt in voller Höhe als Sonderausgaben akzeptieren. Das gilt sogar dann, wenn der Versicherte für die Teilnahme an einem Gesundheitsprogramm einen Bonus von der Kasse erhalten hat, entschied das Finanzgericht Sachsen im April 2018 (Az.: 8 K 1313/17). «Gegen das Urteil hat das Finanzamt zwar ein Rechtsmittel eingelegt, dennoch können auch andere Steuerzahler von dem Gerichtsverfahren profitieren», erklärt Klocke.

Bonusprogramme nicht mit Kassenbeiträgen verrechnen

Anlass für den Rechtsstreit ist ein Verwaltungsschreiben des Bundesfinanzministeriums vom Dezember 2016. Danach werden nur die Bonusprogramme nicht mit den Kassenbeiträgen verrechnet, bei denen der Versicherte vorab die Kosten für die Gesundheitsmaßnahmen bezahlt und die Kasse anschließend die Kosten erstattet. Erhält der Versicherte aufgrund des Bonusprogrammes hingegen eine pauschale Zahlung oder eine Sachprämie, wird der Krankenkassenbeitrag gekürzt, so dass weniger Ausgaben bei der Steuer abgesetzt werden können.

Gegen diese nachteilige Berechnung wendete sich ein Steuerzahler. Er nahm unter anderem an Sportveranstaltungen, einer Zahnreinigung und einem Haut-Check teil und erhielt dafür von seiner Krankenkasse einen Bonus von 230 Euro. Das Finanzamt behandelte die Zahlung als Beitragsrückerstattung und wollte die Beiträge daher nicht in voller Höhe anerkennen.

Finanzgericht Sachsen erlaubt vollen Abzug

Das Finanzgericht Sachsen stellte sich aber auf die Seite des Versicherten und erlaubte den vollen Abzug der Sonderausgaben. Gegen das Urteil legte das Finanzamt Revision ein, so dass nun der Bundesfinanzhof abschließend entscheiden muss (Az.: X R 16/18).

Rechnet das Finanzamt zum Nachteil der Versicherten die Bonuszahlung der Krankenkasse auf die gezahlten Beiträge zur Krankenversicherung an, können betroffene Steuerzahler dagegen Einspruch einlegen. «Zur Begründung sollte das Aktenzeichen beim Bundesfinanzhof genannt werden», rät Klocke. So kann der Versicherte von dem Gerichtsverfahren profitieren, ohne selbst klagen zu müssen. Der Einspruch muss binnen eines Monats nach Bekanntgabe des Steuerbescheides beim Finanzamt eingehen.

Prämienzahlung ist eine Beitragsrückserstattung

Anders liegt der Fall bei Prämienzahlungen der gesetzlichen Krankenkassen. Diese sind nach Ansicht des Bundesfinanzhofs eine Beitragsrückerstattung, die die Vorsorgeaufwendungen mindert, weil sich die wirtschaftliche Belastung des Steuerpflichtigen reduziert. Dadurch sei ein Sonderausgabenabzug gerechtfertigt (Az.: X R 41/17). Die Richter stellten aber klar: Die Prämie sei anders zu behandeln als gewährte Bonusleistungen für gesundheitsbewusstes Verhalten.

Anzeige

Cyberattacke kann Arzt die Reputation kosten

Wenn Praxen zur Zielscheibe von Hacker-Angriffen werden, stehen Geld, Zeit und Patientendaten auf dem Spiel. Mehr
Author's imageAxel SchirpProduktmarketing bei HDI Vertriebs AG

Weitere Artikel zum Thema:

Beste App in der Prävention gesucht

Barmer startet „Digital Health Wettbewerb“


Wieder paritätisch finanziert

Krankenkassen-Zusatzbeitrag soll 2019 stabil bleiben


Arglistige Täuschung

Klinikaufenthalt verschwiegen: Krankenversicherung darf kündigen


Digitalisierung im Gesundheitswesen

Techniker-Krankenkasse fordert Innovationsbudget


Urteil

Keine studentische Krankenversicherung für Doktoranden


Anzeige