Sozialgericht Düsseldorf

Keine Cannabis-Kostenübernahme bei anderweitigen Therapieoptionen

Krankenkassen müssen die Kosten für eine angemessene Behandlung übernehmen. Allerdings entscheidet nicht der Patient, welche Therapie die richtige ist, wie ein aktueller Fall zeigt. Ein 67-jähriger, schwerbehinderter Antragsteller aus Remscheid war vor dem Sozialgericht Düsseldorf mit seinem Eilantrag gegen die gesetzliche Krankenkasse pronova BKK auf Übernahme der Kosten seiner Cannabisversorgung erfolglos.

Der Antragsteller leidet an Polyarthritis und Morbus Bechterew. Er machte geltend, dass die Standardtherapien bei ihm schwerwiegende Nebenwirkungen ausgelöst hätten. Seit dem Beginn der Cannabisbehandlung im Jahr 2008 habe er keine Krankheitsschübe mehr gehabt, die Schmerzen und sonstigen Nebenwirkungen seien zurückgegangen. Er habe zuletzt für etwa zwei Monate rund 2.100,00 Euro für Cannabismedikamente finanzieren müssen und könne dies nicht mehr. Die pronova BKK lehnte die Kostenübernahme ab. Es sei auf Grundlage der ärztlichen Unterlagen unklar, welche Therapieoptionen der Antragsteller ausprobiert habe.

Die 27. Kammer des Sozialgerichts Düsseldorf folgte der Argumentation des Antragsgegners. Eine Kostenübernahme für Cannabis setze voraus, dass bei schwerwiegender Erkrankung entweder keine anerkannte Behandlung zur Verfügung stehe oder eine solche nach der begründeten Einschätzung des behandelnden Arztes im konkreten Fall nicht in Betracht komme. Zusätzlich müsse die Aussicht auf eine positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf bestehen.

Für die schwerwiegende Erkrankung des Antragstellers stünden den medizinischen Standards entsprechende Leistungen zur Verfügung, z.B. eine Therapie mit MTX oder Immunsuppressiva. Den vorliegenden medizinischen Unterlagen sei auch keine begründete Einschätzung des behandelnden Vertragsarztes zu entnehmen, dass eine entsprechende Therapie beim Antragsteller nicht zur Anwendung kommen könne. Eine Rheumabasistherapie liege beim Antragsteller schon mindestens 16 Jahre zurück. Unter Berücksichtigung des medizinischen Fortschritts könne nicht angenommen werden, dass alle aktuellen Behandlungsoptionen ausgeschöpft seien. Beschluss vom 08.08.2017 – S 27 KR 698/17 ER (nicht rechtskräftig).

Quelle: Justiz NRW

FeedbackSenden
Anzeige

Lebertransplantation durch eine fehlerhafte Marcumar-Therapie

Dieser Fall zeigt anschaulich, welche verheerenden Folgen eine nicht indizierte Dauerbehandlung mit Medikamenten – hier Langzeitbehandlung mit Marcumar – bei unzureichender Kontrolle der Laborwert... Mehr
Author's imageAxel SchirpProduktmarketing bei HDI Vertriebs AG

Weitere Artikel zum Thema:

Arglistige Täuschung

Klinikaufenthalt verschwiegen: Krankenversicherung darf kündigen


Studie

Krankenversicherte wünschen sich Teilkasko-Tarife


Digitalisierung im Gesundheitswesen

Techniker-Krankenkasse fordert Innovationsbudget


Umfrage

Patienten haben keine Transparenz über Kassenleistungen


Wenn der Arzt den Schein vergisst

Krankengeldanspruch auch bei fehlender AU-Bescheinigung


Anzeige
Drucken