Trennung

Scheidung: Keine Geschenke ans Finanzamt!

Trennung! Die steuerlichen Auswirkungen übersteigen meist die eigentlichen Scheidungskosten. Wer aber vorausschauend handelt, kann Sparpotenziale für beide Partner realisieren.

Nichts bleibt beim Alten. Eine Trennung verändert nicht nur die emotionale, sondern auch die finanzielle Beziehung grundlegend. Viele Paare unterschätzen ihre vermögensrechtliche Verflechtung. Und vor allem deren steuerliche Auswirkungen. Wird erst bei der Trennung an das Finanzamt gedacht, drohen enorme finanzielle Nachwirkungen.

1. Vor der Heirat.

Der Güterstand regelt die vermögensrechtliche Beziehung zwischen Ehepartnern. Wird nichts anderes vereinbart, gilt automatisch der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Was die Partner an Vermögenswerten mit in die Ehe bringen, bleibt ihr persönliches Eigentum. Auch für Schulden haftet nur der Ehepartner, der sie gemacht hat. Bei Beendigung des Güterstandes wird der Zugewinn unter den Eheleuten ausgeglichen.

Der Ehepartner mit stärkerem Vermögenszuwachs gibt die Hälfte des Überschusses an den Ehegatten ab. Alternativ sind auch Gütertrennung und die Gütergemeinschaft möglich. Ein Ehevertrag bietet weitgehende Gestaltungsfreiheit. Ist einer der Partner Unternehmer, kann die Vereinbarung eines Zugewinnausgleichs geschäftskritisch sein. Im Scheidungsfall muss unter Umständen eine renditestarke Praxis zerschlagen werden, um den Ausgleichsanspruch des Partners zu erfüllen.

Häufig ist eine so genannte modifizierte Zugewinngemeinschaft sinnvoll. Hierbei wird im Scheidungsfall der Zugewinnausgleich teilweise oder gänzlich ausgeschlossen. Nur für den Todesfall findet ein vollumfänglicher Zugewinnausgleich statt.

Vor Abschluss eines Ehevertrages sollten die Gestaltungsoptionen mit versierten Rechts- und Steuerexperten erörtert werden. So lassen sich die wichtigsten Szenarien durchspielen und Regelungen treffen, um die Partner wechselseitig bestmöglich abzusichern. Wünschen die Heiratswilligen einen Ehevertrag, ist der gemeinsame Weg zum Notar Pflicht. Erst mit notarieller Beurkundung gewinnt der Vertrag Rechtskraft.

2. In der Trennungsphase.

Kriselt es in der Ehe ernsthaft, geraten viele gemeinsame Steuervorteile in Gefahr. Häufig ist das Finanzamt sogar schneller als der Scheidungsrichter. Aus steuerlicher Sicht gelten Partner spätestens nach einem einjährigen Getrenntleben als Single. Eine gemeinsame steuerliche Veranlagung ist nur noch im Kalenderjahr des Zusammenlebens möglich.

Eheleute denken in der emotionsgeladenen Trennungszeit nur selten an den Fiskus. Letztlich aber erweisen sich die steuerlichen Folgewirkungen oft als deutlich schwerwiegender, als die Auseinandersetzungen etwa um Unterhalt oder Zugewinn. Die gemeinsamen finanziellen Nachteile gegenüber dem Finanzamt können selbst überzogene Forderungen eines unnachgiebigen Partners übertreffen. Gerade getrennt lebende Ehepartner sind gut beraten, sich nicht wechselseitig um Vorteile zu berauben, sondern nach Kompromisslösungen zu suchen. So profitieren beide Partner.

Aus steuerlicher Sicht kann sich die Zugewinngemeinschaft für Trennungswillige als sehr unvorteilhaft erweisen. Erfolgt der Zugewinnausgleich nicht durch Barmittel, sondern stattdessen durch Wirtschaftsgüter, werden unter Umständen hohe Steuern fällig. Überträgt etwa der Ehemann ein Wohnhaus auf die Ehefrau zum Ausgleich des Zugewinns, gilt dies steuerlich als Veräußerung.

Es bietet sich allerdings die Möglichkeit, die Zugewinngemeinschaft zu Lebzeiten einvernehmlich zu beenden und damit zivil- und steuerrechtliche Gestaltungsoptionen zu nutzen. Der bewusste Wechsel des Güterstandes, in Fachkreisen Güterstandsschaukel genannt, kann aus ganz unterschiedlichen Gründen sinnvoll sein. Mit systematischer Planung lässt sich dadurch Besteuerung vermeiden, zumindest deutlich senken.

Die Güterstandsschaukel lässt sich für viele zivil- und steuerrechtliche Gestaltungsziele einsetzen. Zivilrechtlich lässt sich die Pflichtteilsquote für Angehörige reduzieren, die dingliche Vermögenszuordnung unmittelbar verändern beziehungsweise die güterrechtlichen Ausgleichsansprüche gezielt begründen. Steuerrechtlich kann so die Erbschafts- und Schenkungssteuer gegebenenfalls deutlich reduziert werden.

Vorzeitiger Zugewinnausgleich ist besonders lohnend, wenn Verkehrs- und Steuerwert des Vermögens erheblich voneinander abweichen. Eine ordnungsgemäße Abwicklung erfordert immer eine genaue Ermittlung der Ausgleichsforderung. Häufig fordert das Finanz- amt einen schlüssigen Nachweis ein, inklusive einer detaillierten Vermögensaufstellung der Ehepartner.

Die schenkungssteuerfreie Übertragung des Familienwohnheimes ist gleichfalls ein interessantes Gestaltungselement. Erfolgt die Übertragung zu Lebzeiten, wird keine Schenkungssteuer fällig. Hierdurch kann auch Sicherheitsinteressen des schenkenden Ehegatten Rechnung getragen werden. Vertraglich lassen sich Rückforderungsrechte vereinbaren, die eine steuerfreie Rückübertragung festlegen. Selbst ein lebenslanges Wohnrecht oder ein vorbehaltlicher Nießbrauch können vereinbart werden.

3. Nach der Scheidung.

Nach dem Scheidungsurteil gehen die Ehepartner nicht immer wirklich getrennte Wege. Der Splittingtarif kann bis zum Ende des Trennungsjahres nach wie vor genutzt werden, was bei vielen Paaren automatisch geschieht. Meist erfolgt noch eine gemeinsame Steuererklärung, die jedoch gelegentlich für großen Unmut sorgt. Die gemeinsame Veranlagung mit Splittingtarif benachteiligt den Ehegatten mit der Steuerklasse 5. Trotz des geringeren Einkommens hat er dann einen höheren Steuersatz zu tragen.

Oft wählt der Geringverdiener in der Steuererklärung für das Trennungsjahr deshalb die getrennte Veranlagung. Daraus resultiert für ihn dann eine spürbare Steuererstattung, für den Ex-Partner aber eine erhebliche Steuernachzahlung. Dieser Vorgang ist steuerrechtlich nicht zu beanstanden, steht jedoch in Konflikt mit zivilrechtlichen Regelungen. Im Trennungsjahr besteht ein Anspruch auf eine gemeinsame steuerliche Veranlagung. Andernfalls hat der Ex-Partner einen Schadenersatzanspruch. Allerdings ist in vielen Fällen auch der finanzielle Nachteil des Geringverdieners zu ersetzen.

Egal ob vor der Ehe, in der Trennungsphase oder nach der Scheidung: Wer sich viel Ärger und finanzielle Nachteile ersparen möchte, sollte die Finanzbehörden nicht vergessen. Viele steuerliche Vergünstigungen sind nur als Team zu erwerben und zu bewahren. Mit einer systematischen
Prüfung lassen sich die weitreichenden Folgen überblicken und vorteilhaft steuern.

Steuerfallen bei Trennung und Scheidung

Wenn sich Ehepartner trennen, lauert bereits der Fiskus. Es drohen Steuerfallen mit zum Teil erheblichen finanziellen Konsequenzen. Beide Partner sollten trotz emotionaler Spannungen einvernehmlich handeln – gegebenenfalls unter Einsatz eines „Vermittlers“. Schließlich bieten
sich gemeinsam vielfältige und lohnende Sparpotenziale.

Zeitpunkt der Trennung: Das Finanzamt akzeptiert eine gemeinsame Veranlagung nur für das Kalenderjahr, in dem noch zusammengelebt wurde. Ein Versöhnungsversuch verlängert den Steuervorteil. Führen die Ehegatten über Wochen wieder einen gemeinsamen Haushalt, gilt der
Splittingvorteil für das gesamte betreffende Jahr. Wer sich zu Beginn eines Jahres dauerhaft trennt, ist steuerlich im Vorteil: Der Splittingtarif gilt noch für das ganze laufende Kalenderjahr.

Ausgleich des Zugewinns: In der Praxis erfolgt der Zugewinnausgleich oft durch Wirtschaftsgüter. Der Fiskus bewertet diesen Vorgang meist als Veräußerung und macht Steuern geltend. Einen Ausweg eröffnet der bewusste Wechsel des Güterstandes, im Fachjargon „Güterstandsschaukel“ genannt. Wird die Zugewinngemeinschaft während der Ehe beendet und eine Ausgleichsforderung ermittelt, fallen weder Schenkungs- noch sonstige Steuern an.

Wechsel der Veranlagung: Im Trennungsjahr sieht sich der Ehepartner mit einer Steuerklasse 5 häufig im Nachteil und beantragt eine getrennte Veranlagung. Während er eine Steuererstattung erhält,
erwartet den Partner mit der Steuerklasse 3 eine hohe Steuernachzahlung. Allerdings besteht ein zivilrechtlicher Anspruch auf Zustimmung zur gemeinsamen Veranlagung. Trennungswillige sollten
frühzeitig Vereinbarungen mit Nachteilsausgleichung treffen, um rechtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden.

Regelung des Unterhalts: Aus einer Scheidung resultieren in der Regel Unterhaltungsleistungen. Entsprechende Zahlungen können als Sonderausgabe oder aber außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden. Da der Unterhaltsempfänger die Beträge im Gegenzug versteuern muss, ist hierfür allerdings seine ausdrückliche Zustimmung erforderlich. Ein Ausgleich der steuerlichen Nachteile sollte in einer Trennungsvereinbarung festgeschrieben werden.

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