Steuern sparen

Kittel, weiße Hosen und Polo-Shirts: Berufskleidung für Ärzte und MFA von der Steuer absetzen

Die Kosten typischer Arbeitskleidung können Ärzte und Praxismitarbeiter von der Steuer absetzen. Nicht bei allen Berufs-Outfits ist die Abgrenzung zum Privaten aber so einfach wie beim Kittel. Oft handelt es sich um Einzelfallentscheidungen, was das Finanzamt anerkennt – und was nicht.

(dpa/tmn) Eine Ärztin, eine Köchin und eine Richterin haben etwas gemeinsam: Was sie täglich auf der Arbeit tragen, lässt sich recht leicht als Berufskleidung einordnen. Die Kosten dafür lassen sich steuerlich als Werbungskosten geltend machen und verringern so die Einkommensteuer.

«Unter typischer Berufsbekleidung versteht das Finanzamt Kleidung, die nur im entsprechenden Fachhandel erhältlich ist», erklärt Christina Georgiadis von der Vereinigten Lohnsteuerhilfe (VLH).

Kleidung muss beruflich zuordenbar sein

Die Arbeitskleidung muss entweder typisch für den jeweiligen Beruf sein und eine Schutzfunktion erfüllen, oder durch eine Kennzeichnung wie ein Logo oder den uniformartigen Charakter klar rein beruflich sein. Der Blaumann eines Monteurs, ein Arztkittel, die Gerichtsrobe von Anwälten oder Mütze und Jacke eines Kochs sind demnach eindeutig der typischen Berufskleidung zuzuordnen.

«Schwieriger wird es, wenn sich die Kleidung nicht nur im Job, sondern auch privat tragen lässt», sagt Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg. «Private oder bürgerliche Kleidung erkennt das Finanzamt in der Steuererklärung nicht an.» Während der Arztkittel also eindeutig zuzuordnen ist, kann es beim weißen Poloshirt und der weißen Hose schon schwierig werden. 

Weiße Kleidung zählt nicht

«Arzthelfer tragen meistens in der Praxis eine weiße Hose. Diese berücksichtigt das Finanzamt nicht, da sie auch im Privatleben getragen werden kann», sagt Georgiadis. Laut Bundessteuerberaterkammer gilt das ebenfalls für weiße Schuhe, Hemden oder Socken, die Ärzte häufig im Dienst tragen oder die weiße Kleidung eines Masseurs.

Thema Berufskleidung immer wieder vor Gericht

Vor dem Bundesfinanzhof (BFH) läuft derzeit auch mal wieder ein Verfahren zur steuerlichen Absetzbarkeit von theoretisch auch privat nutzbarer Dienstkleidung (Az.: VIII R 33/18). Geklagt haben in diesem Fall selbstständige Trauerbegleiter, die die Kosten für den schwarzen Anzug beziehungsweise die schwarze Damenbekleidung in der Steuererklärung als Betriebsausgaben angegeben hatten. Das Finanzamt erkannte die Kosten jedoch mit der Begründung nicht an, dass die Kleidung auch für private Anlässe geeignet sei.

«Manchmal erkennen die Finanzämter Grenzfälle aber schon an», sagt Wawro. «Ganz nachvollziehbar ist das nicht immer.» So dürfen Bestatter oder Pfarrer wiederum einen schwarzen Anzug steuerlich geltend machen, auch Kellner haben gelegentlich schon gerichtlich ihren Anzug als Berufskleidung durchgesetzt.

Das Firmenlogo ist Ermessenssache

Wawro kennt auch einen Fall eines Friseurs, der seinen Angestellten vorschrieb, identische helle Kleidung zu tragen. Weil diese einer Uniform glich, konnten die Angestellten die Kosten in der Steuererklärung angeben. Auch in Arztpraxen ist die weiße Kleidung eine Art „Uniform“. Viele Praxisinhaber lassen die Dienstkleidung außerdem mit dem Logo der Praxis besticken. Das erhöht die Chancen auf Anerkennung durchaus. «Hier kommt es auf den Sachbearbeiter in der Finanzverwaltung an. Dem Grunde nach handelt es sich um Arbeitskleidung und könnte abgesetzt werden. Bei einem kleinen Logo ließe sich das aber auch sicherlich verstecken und im Privatleben tragen», sagt Georgiadis.

Um Zweifel auszuräumen, sollte man auch auf die Bezugsquelle achten, so sein Tipp. «Es ist ratsam, die Kleidung immer in einem Fachgeschäft für Berufsbekleidung zu kaufen», sagt Wawro. «Mit einem solchen Beleg die Kosten abzusetzen, hat bessere Aussichten auf Erfolg». Er rät dazu, im Zweifel solche Kosten in der Steuererklärung geltend zu machen.

Einzelfall bei bürgerlicher Kleidung

Stellt der Arbeitgeber Dienstkleidung oder schießt er etwas bei der Anschaffung dazu, muss der Arbeitnehmer diesen Vorteil laut Bundessteuerberaterkammer nicht versteuern, wenn es sich klar um Berufskleidung handelt.

Stellt der Chef aber bürgerliche Kleidung, die auch privat getragen werden könnte, handelt es sich schon wieder um eine Einzelfallentscheidung. Erkennt das Finanzamt sie nicht als Arbeitskleidung an, muss diese wie ein steuerpflichtiger Arbeitslohn versteuert werden.

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