Psychologie

Kollegen besser verstehen: 5 Persönlichkeitsmerkmale dominieren bei Medizinern

Die Einteilung von Menschen in Persönlichkeitstypen ist eine idealtypische Annäherung. Und doch hilft sie, Kollegen besser einordnen zu können. In der Gesundheitsbranche fällt auf: Wie sonst nirgendwo häufen sich hier fünf Persönlichkeitsmerkmale. Das hat weitreichende Folgen für den Arbeitsalltag.

Viele Skalen der Persönlichkeitspsychologie sind Ausdruck des Bemühens, Menschen zu klassifizieren. Eine Skala ist die von Morris und Oldham. Sie geht davon aus, dass alle Menschen Anteile von 13 Persönlichkeitsmerkmalen in sich tragen und die drei stärksten Merkmale dominieren die Persönlichkeit.

Blickt man auf Mitarbeiter im Gesundheitswesen, fällt auf: Einige dieser Persönlichkeitsmerkmale treten besonders gehäuft auf. Es dominiert eine Mischung aus fünf Merkmalen. Damit sind die Persönlichkeiten trotzdem sehr unterschiedlich, es gibt aber vorhersehbare Probleme in den Teams, da eine starke Dominanz bestimmter Reaktionsweisen besteht. Im Vordergrund stehen meist ein ausgeprägtes Harmoniebedürfnis und ein Problem im Umgang mit Konflikten.

Die dominanten Merkmale

Aufopfernd: Besonders viele Mitarbeiter haben als bedeutsames Persönlichkeitsmerkmal aufopfernde Anteile. Diesen Menschen geht es gut, wenn sie anderen Gutes tun können. Sie sind hilfsbereit, verlässlich und bescheiden. Wenn diese Menschen in Konflikt mit ihrem Gegenüber geraten, schlucken sie lieber statt mit ihren persönlichen Bedürfnissen und Überzeugungen in Widerspruch zu geraten. Sie gehen dem Konflikt aus dem Weg.

Gewissenhaft: Auch das Merkmal gewissenhaft gehört in das Umfeld Gesundheitswesen. Gewissenhafte Menschen suchen Klarheit und fühlen sich gut, wenn die Entscheidung getroffen ist. Sie selbst tun sich mit Entscheidungen oft schwer und beharren oft hartnäckig darauf, wenn sie denn getroffen wurde. Insofern wirken sie mitunter rechthaberisch und pedantisch. Im Konflikt weichen sie von ihrer Position nicht ab.

Wachsam: Diese Menschen sind kritisch, aufmerksam und vorsichtig. Sie versuchen, alles zu beachten. Damit berücksichtigen sie in ihrem Weltbild alles und erleben Kritik als sehr belastend bis zerstörend. Entsprechend werden Konflikte als existen­tiell bedrohlich gemieden.

Sensibel: Menschen im Sinne der Beschreibung dieser Systematik suchen in einem kleinen überschaubaren Umfeld mit wenigen bedeutsamen Menschen geregelte Bedingungen, intensive Gemeinsamkeit und starke Bindungen. Konflikte belasten diese Sichtweise stark und werden gemieden.

Selbstbewusst: Solche Kollegen, häufig Führungspersonen, sind sehr überzeugt von ihrer Sichtweise und der Richtigkeit ihres Weges. Oft treffen sie Entscheidungen, ohne andere einzubeziehen oder ohne Diskussionen zuzulassen. Insofern kennen Menschen mit diesem Persönlichkeitsmerkmal Konflikte nicht.

Mischformen sind am häufigsten

Natürlich ist es im Alltag nie so eindeutig, wie hier dargestellt, nicht zuletzt deswegen, weil sich immer auch andere Merkmale in der Persönlichkeit eines Individuums wiederfinden. Grundsätzlich aber zeigt die Erfahrung, dass der Umgang mit Konflikten, der ja auch notwendige Entwicklungen einleitet, im Gesundheitswesen oft nicht funktioniert. Es gibt viele Mitarbeiter, die den Austausch verweigern. Vieles wird geschluckt und hat Einfluss auf die Stimmungslage des gesamten Teams. Nicht selten wird dann versucht, die anstehenden Fragen hinten herum zur Klärung zu bringen. Daher ist es gerade in der Gesundheitsbranche besonders wichtig, ein Augenmerk auf den Umgang mit Konflikten zu legen und die Mitarbeiter darin zu unterstützen. (Dr. Heinz Pilartz)

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Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib

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