Steuertipp

Kombinierte Geschäfts- und Urlaubsreise jetzt absetzbar

Wer das Angenehme mit dem Nützlichen verbindet und berufliche Reisen zu Kongressen oder Seminaren mit einem privaten Aufenthalt abrundet, darf die Reisekosten aufteilen und zumindest anteilig als Betriebsausgaben absetzen.

Bisher haben die Finanzämter die kompletten Fahrt-, beziehungsweise Flugkosten in solchen Fällen oft mit dem Hinweis auf das so genannte Aufteilungs- und Abzugsverbot gestrichen. Das oberste deutsche Steuergericht hat diese Vorgehensweise nun gekippt. Künftig sind Aufwendungen für eine sowohl betrieblich/beruflich als auch privat veranlasste Reise generell aufteilbar und somit zumindest anteilig abzugsfähig. Das gilt auch für die Kosten der An- und Abreise.

Geklagt hatte ein angestellter EDV-Controller, der eine viertägige Konferenz in Las Vegas besucht hatte. Seine Reise dauerte insgesamt sieben Tage, weil er sich zuvor und danach noch aus privaten Gründen in der Stadt aufgehalten hatte. Das Finanzamt erkannte nur die Tagungsgebühren als Werbungskosten an.

Nach einer Mitte Januar 2010 veröffentlichten Grundsatzentscheidung des Bundesfinanzhofs (Beschluss vom 21.9.2009 – GrS 1/09) sind Aufwendungen für eine sowohl betrieblich/beruflich als auch privat veranlasste Reise regelmäßig zumindest anteilig steuerlich absetzbar. Im Allgemeinen wird sich eine Aufteilung nach Tagen anbieten. Die Richter haben damit eine Kehrtwende vollzogen und sich von ihrer jahrzehntelang praktizierten Linie abgewandt. Das viel zitierte Aufteilungs- und Abzugsverbot gibt es danach nicht mehr. Künftig soll eine rein veranlassungsbezogene Beurteilung der einzelnen Kostenbestandteile einer Reise erfolgen.

Beispiel: Sie fliegen zu einem dreitägigen Ärztekongress nach Rom und runden den Aufenthalt anschließend mit einem viertägigen Urlaub ab. Nach der aktuellen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs muss das Finanzamt insbesondere die Flug- und Hotelkosten zumindest in Höhe von 3/7 berücksichtigen, weil dieses Verhältnis der beruflichen Veranlassung entspricht.

A&W-Kommentar

Die Steuerrichter haben deutlich gemacht, dass die Entscheidung nicht nur Auswirkungen auf gemischt veranlasste Reisekosten hat, sondern ganz allgemein im Betriebsausgaben- und Werbungskostenbereich zu berücksichtigen ist. Steht danach eine nicht nur untergeordnete betriebliche oder berufliche Mitveranlassung bestimmter Ausgaben fest, muss ein anteiliger Betriebsausgaben- oder Werbungskostenabzug möglich sein.

Ein vollständiges Abzugsverbot greift aber weiterhin für Ausgaben, die bereits durch das steuerfreie Existenzminimum abgegolten sind oder als Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden können. Damit bleiben beispielsweise die Kosten für bürgerliche Kleidung oder eine Lesebrille, die auch während der Arbeit getragen wird, weiterhin Privatsache.

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