Zinsflaute

Lebensversicherungen leiden unter Zinstief

Das anhaltende Zinstief erschwert, den Garantiezins bei den Lebensversicherern und den Rechnungszins bei den Versorgungswerken zu halten. Doch beide entwickeln Gegenstrategien, erkennt A&W-Autor Claus Cory.

Bei der Lebensversicherung beträgt der Garantiezins nur noch 1,75 Prozent. Das gilt aber nur für Neuabschlüsse. In den 90er Jahren lag er noch bei vier Prozent. Und zwar über die gesamte Laufzeit. Die beträgt im Schnitt 27 Jahre. Wie aber sind die vier Prozent zu halten – in einer Zeit, da Tagesgeld bei einem Prozent dümpelt und auch Festgeldzinsen die Inflation nicht ausgleichen? 2011 ordnete der Gesetzgeber eine Zinszusatzreserve an: Die Lebensversicherer müssen seither zusätzliche Rücklagen bilden. Bislang wurden 1,5 Milliarden Euro zusätzlich angespart, das Dreifache wäre erforderlich. Also müssen dafür die Kunden aufkommen – die Überschussbeteiligung wird entsprechend reduziert.

Die Versorgungswerke haben das gleiche Problem. Die meisten mussten ihren Rechnungszins von vier Prozent absenken und bilden zusätzliche Reserven. Mit unterschiedlichen Modellen als Antwort auf die eine drängende Frage: Wie legt man in diesen Zeiten Geld an? So etwa werden immer mehr Anleihen von soliden Unternehmen erworben oder man investiert systematisch in Infrastrukturprojekte.

Eine Vorreiterrolle nahm die Ärzteversorgung Westfalen-Lippe ein, die sich an einem großen deutschen Übertragungsnetzbetreiber beteiligte. Hintergrund ist der Aufbau von stabilen, realen, inflationssicheren Anlagen, die sich dem Markteinfluss weitestgehend entziehen und … für Stabilität im Portfolio sorgen. Eingedenk, dass die Inflation über den gängigen Anlagezinsen liegt, steigt auch die Immobilienquote. Man investiert in Alternativen – Parkhäuser etwa. Staatsanleihen sind out. Manche Versorgungswerke kaufen nicht mal mehr Anleihen von EU-Kernländern.

Verlängerte Lebenserwartung: Die Rente mit 67 ist bei den Versorgungseinrichtungen praktisch überall eingeführt. Auch die Dynamisierung wurde reduziert. Aber: All dies hat bei der späteren Rendite nicht den entscheidenden Einfluss: Gerade ältere Versorgungswerke haben gute Anlagen mit den früheren Zinsen im Topf. Wichtig ist, was auf lange Sicht per Saldo erwirtschaftet wird, das ja dann an die Beitragszahler weiter fließt.

Strategiewechsel
„Setzte die ÄVWL bislang vor allem auf die Säulen Rentendirektbestand, Immobilien und Darlehen, so nimmt jetzt der Aufbau von stabilen, realen und krisenfesten Anlagen einen immer größeren Raum ein. Ziel ist es, die Infrastrukturquote von aktuell vier Prozent auf mittelfristig 15 Prozent zu steigern“.
Aus dem Geschäftsbericht 2011 des Versorgungswerkes Westfalen-Lippe

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