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Kosten für erste Ausbildung nach Schulabschluss abziehbar

Die Kosten für berufliche Erstausbildung und Erststudium nach Schulabschluss können dem Bundesfinanzhof zufolge in voller Höhe abziehbar sein.

Der Bundesfinanzhof (BFH, Urteil vom 28. Juli 2011, VI R 38/10 und VI R 7/10) lässt die Aufwendungen für die berufliche Erstausbildung und für ein Erststudium nach Schulabschluss zum Werbungskostenabzug zu, wenn die Ausbildung beziehungsweise das Studium der späteren Erwerbstätigkeit dient und die Aufwendungen von den Betroffenen (also zum Beispiel nicht von den Eltern) selbst bezahlt werden.

Die Finanzverwaltung hatte solche Aufwendungen bisher nur im Rahmen des Sonderausgabenabzugs bis zu 4.000 Euro pro Jahr anerkannt. Dabei gingen diese Aufwendungen in den meisten Fällen ins Leere, wenn die Betroffenen nur geringe oder gar keine Einkünfte hatten. Hat der Auszubildende oder Student keine Einkünfte, sollte er für jedes Jahr eine Einkommensteuererklärung abgeben und die Aufwendungen als Werbungskosten geltend machen. Das Finanzamt hat dann jeweils einen Verlustvortrag zum Ablauf des vorangegangenen Jahres festzustellen. Dies gilt im Übrigen auch für die Jahre ab 2007, falls für diese Jahre noch keine Steuererklärungen abgegeben worden sind.

Beispiel: Ein Student hat in den Jahren 2007 bis 2010 jährlich 8.000 Euro für sein Studium aufgewendet. Für die Jahre ab 2007 gibt er Einkommensteuererklärungen ab und das Finanzamt stellt zum 31. Dezember 2010 einen Verlustvortrag von 32.000 Euro fest. Im Jahr 2011 bezieht der Student ein Gehalt von 42.000 Euro. Im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung 2011 wird der Verlustvortrag in voller Höhe berücksichtigt.

A&W-Kommentar
Mit diesen Entscheidungen stellt sich der BFH deutlich gegen die Gesetzesanwendung der Verwaltung. Es bleibt abzuwarten, ob der Gesetzgeber dieses steuerzahlerfreundliche Urteil über die Einzelfälle hinaus anwenden wird.

Autor: Bernhard Mayer, Rechtsanwalt und Steuerberater in München, Sie erreichen ihn unter Telefon: 089 88949490, Fax: 089 8894949200 und eMail: kanzlei@bernhard-mayer.biz

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