Versicherung muss zahlen

Krankengeldanspruch besteht auch ohne förmliche AU-Bescheinigung

Stellt ein Arzt die Arbeitsunfähigkeit eines Patienten fest, dann reicht das aus, um einen Krankengeldanspruch zu begründen. Das Geld muss auch dann fließen, wenn die förmliche Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit fehlt.

Laut Urteil des Sozialgericht Leipzig (Az.: S 22 KR 75/16) ist eine förmliche Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit nicht zwingend notwendig, um einen Anspruch auf Krankengeld zu haben. Im Einzelfall kann es ausreichen, dass der Arzt die Arbeitsunfähigkeit formlos festgestellt hat. Der Mediziner muss dafür auch nicht zwingend als Vertragsarzt im Rahmen der kassenärztlichen Versorgung zugelassen sein.

Geklagt hatte eine Versicherte, die nach der stationären Behandlung eines erlittenen Polytraumas an einem Freitag aus dem Krankenhaus entlassen worden war. Sie erhielt erst am Dienstag der darauffolgenden Woche einen Termin zur Untersuchung bei ihrem Hausarzt. Er bescheinigte der Patientin die Arbeitsunfähigkeit rückwirkend ab dem Entlassungstag.

Daraufhin weigerte sich die Krankenkasse das Krankengeld zu bezahlen. Die Versicherung berief sich dabei auf den § 46 Satz 2 SGB V: Aufgrund der verspäteten Feststellung sei der Anspruch verwirkt, die Patientin bei der ärztlichen Feststellung bereits nicht mehr krankengeldberechtigt gewesen. Daher sei die rückwirkende Bescheinigung unwirksam.

Das Sozialgericht Leipzig sah das anders. Der Anspruch sei nicht verwirkt, da bereits während der stationären Anschlussheilbehandlung die Arbeitsunfähigkeit von einem Arzt festgestellt worden sei. Der Klinikarzt habe der Krankenkasse mitgeteilt, dass die Patientin für die nächsten fünf Monate arbeitsunfähig sein werde. Für den Anspruch reiche diese ärztliche Feststellung aus, eine besondere Form werde nicht verlangt. Daher sei es unerheblich, dass der Klinikarzt keine Kassenzulassung habe und auch keinen „Krankenschein“ ausgestellt habe.

Es spiele auch keine Rolle, aus welchen Gründen die Patientin nicht schon am Freitag, sondern erst am Dienstag zum Hausarzt ging, um den AU-Schein zu holen. Die durch den Klinikarzt getroffene Feststellung ihrer Arbeitsunfähigkeit habe auch in diesem Zeitraum gewirkt und die angebliche zeitliche Lücke sei somit abgedeckt.

Hintergrundinfo:

Wer länger als sechs Wochen krank ist, bekommt von seiner gesetzlichen Krankenversicherung normalerweise das sogenannte Krankengeld als Ersatz für ansonsten anfallenden Lohn. Das Brutto- Krankengeld beträgt 70 % des regelmäßigen Brutto-Gehalts jedoch höchstens 90 % des Nettoarbeitsentgelts.

FeedbackSenden
Anzeige

Trotz Indikation – grob fehlerhafte prothetische Versorgung

Bruxismus (unbewusster Zahnkontakt), Parafunktionen (Knirschen, Pressen) und andere starke Beanspruchung der Zähne führen häufig zu Zahnhartsubstanzverlusten. Neben einer Schädigung der Zähne kan... Mehr
Author's imageAxel SchirpProduktmarketing bei HDI Vertriebs AG

Weitere Artikel zum Thema:

Digitalisierung im Gesundheitswesen

Techniker-Krankenkasse fordert Innovationsbudget


Wenn der Arzt den Schein vergisst

Krankengeldanspruch auch bei fehlender AU-Bescheinigung


Lebensversicherungen

Steuerfalle Tarifanpassung: Laufzeit der Lebensversicherung beginnt neu


Eine eklatante Ungleichbehandlung

Freiwillige Krankenversicherung in der Rente


Aktuelles Video

Die fünf dümmsten Versuche, die Versicherung zu betrügen


Anzeige
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne Bewerten
Drucken