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Krankentagegeld: Ärzte, die spät kassieren, können sparen

Besonders für selbständige Ärzte ist es wichtig, dass sie sich finanziell absichern, falls sie länger krank werden. Viele Versicherer bieten dafür Krankentagegeld-Policen. Doch der Blick ins Kleingedruckte lohnt sich. Denn bei ähnlicher Leistung gibt es enorme Prämiendifferenzen.

Wer sich auf das Krankengeld der Kassen verlässt, muss bei längerem Ausfall der Arbeitsleistung mit großen Gehaltseinbußen rechnen. Bei Selbständigen ist das Problem noch gravierender, denn sie bekommen im Krankheitsfall ja überhaupt kein Gehalt mehr.  Die laufenden Kosten werden aber leider nicht gedrosselt, so dass Ärzte unbedingt vorsorgen sollten. Die Lösung heisst Krankentagegeldversicherung. Die ist allerdings nicht ganz billig, weshalb sich ein intensiver Vergleich der Anbieter auf jeden Fall lohnt.

Wer nach einer Krankentagegeldversicherung sucht, dem fällt schnell auf: Obwohl die Leistungen bei der Verdienstausfall-Versicherung in etwa gleich sind, gibt es enorme Prämiendifferenzen. Die teuersten PKV-Unternehmen verlangen ein Mehrfaches als die preiswerten Gesellschaften, wie eine Beispielabfrage (Stand 5.7.2016) zeigt. Für einen selbständigen Arzt, Jahrgang 1972, der ab dem 43. Krankheitstag ein Krankentagegeld von 100 Euro beziehen möchte, schwanken die Beiträge zwischen 21,90 und 95,90 Euro. Diese große Differenz ist nicht wirklich erklärbar.

Marginale Leistungsunterschiede
Ebenfalls beachtenswert: Manche Unternehmen halten ihre Prämien über Jahre stabil, andere „erhöhen die Beiträge wie in der Vollversicherung“ – darauf weist Versicherungsmakler Bernd Helmsauer aus Nürnberg hin.

Natürlich gibt es auf dem Leistungssektor ein paar Unterschiede, die sich auf die Preise auswirken. Man kann später den Tarif der Einkommensentwicklung anpassen. Oder es gibt 50 Prozent bei Teilarbeitsunfähigkeit. Manche Unternehmen versichern auch ältere Ärzte (bis zum 75. Lebensjahr), andere zahlen auch bei außereuropäischem Aufenthalt.

Grundsätzlich gilt: Je später die Versicherung zahlen muss, desto günstiger ist die Prämie. Ärzte können ganz frühen Leistungsbeginn vereinbaren, beispielsweise schon ab dem 4. Tag der Krankheit oder stattdessen auch einen deutlich späteren Leistungsbeginn. Für Selbständige ist letzteres durchaus sinnvoll, wenn sie bei den Prämien sparen wollen. Sie haben zwar laufende Kosten, aber meist auch noch einiges an Zahlungen zu erwarten und können die ersten Wochen einer längeren Krankheit so meist problemlos überbrücken. Wer also nicht zwingend von Anfang an finanzielle Unterstützung braucht, sollte den Leistungsbeginn möglichst weit nach hinten legen.

Experten raten außerdem zur gestaffelten Absicherung – etwa 100 Euro ab dem 15. Tag, weitere 100 Euro ab der dritten Woche. Insgesamt können Mediziner hoch einsteigen – bis zu 600 Euro pro Tag und dies steuerfrei plus zeitlich unbegrenzt. Normalerweise endet die Police mit dem Bezug von Altersruhegeld. Aber Vorsicht: Wenn Ärzte Altersrente aus dem Versorgungswerk schon ab 60 Jahre beziehen und gleichzeitig weiterarbeiten, kann es hier Probleme geben. Das ist inzwischen auch den Versicherern aufgefallen: immer mehr Gesellschaften ermöglichen es den Kunden, auch in diesen Fällen die Krankentagegeld-Police fortzusetzen.

Häufige Stolperfalle
Auf kleine Abstecher in die Praxis sollten Niedergelassene während ihrer Krankheit übrigens unbedingt verzichten. Vor allem dürfen sie dort auf keinen Fall “kurz” aushelfen, auch wenn wegen ihrer Abwesenheit große Engpässe entstehen. Selbständige Ärzte, die privates Krankentagegeld beziehen und trotzdem arbeiten, müssen nämlich genau wie Arbeitnehmer mit harten Konsequenzen rechnen: Sie können ihre Ansprüche an die Versicherung verlieren. Ein Fachanwalt für Versicherungsrecht warnt: „Wer trotz Arbeitsunfähigkeit arbeitet, kann sein Krankentagegeld verlieren, auch wenn es nur  30 Minuten waren.“

Nun sind einige PKV-Unternehmen in der Regulierung eher großzügig, andere rigide. Manche gestatten es etwa, dass einmal im Monat wichtige Büroarbeiten erledigt werden können. Für Betroffene ist es daher empfehlenswert sich bei ihrem Versicherer nach den genauen Regulierungen zu erkundigen.

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Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib

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