Forderungsmanagement in der Arztpraxis

Kuschel-Inkasso für säumige Patienten

Wenn Selbstzahler ihre Rechnungen nicht begleichen, haben Ärzte nicht nur ein Liquiditätsproblem. Ein klassisches Inkasso ist oft Gift für die Arzt-Patienten-Beziehung, selbst mahnen macht auf Dauer außerdem zu viel Arbeit. Was also ist zu tun?

Die fortschreitende Ökonomisierung des Medizinbetriebs in Deutschland führt dazu, dass sich Ärzte immer häufiger mit Problemen herumschlagen müssen, die früher eher im kaufmännischen Bereich angesiedelt waren. Die wohl heikelste Aufgabe in diesem Zusammenhang ist das Eintreiben von Honoraren für Selbstzahlerleistungen. Denn anders als klassische Kaufleute müssen Ärzte eine schwierige Gratwanderung vollführen, wenn ein Patient auch auf mehrere Mahnungen hin nicht zahlt.

Während Handwerker, Dienstleister oder sonstige Gewerbetreibende in solchen Fällen einfach ein Inkasso-Unternehmen einschalten können, dass ihren Forderungen Nachdruck verleiht, müssen Ärzte, da sie der Schweigepflicht unterliegen, gleich mehrere Besonderheiten beachten. Insbesondere ist bei der Übermittlung von Rechnungsdaten genau darauf zu achten, nur die allernötigsten Gesundheitsdaten an das Inkasso-Unternehmen weiterzugeben.

Rechtliche und tatsächliche Hürden

In der Praxis ist dieses Problem inzwischen zwar weitgehend behoben: In den vergangenen Jahren hat sich eine wahre Inkasso-Industrie mit Spezialisierung aufs Gesundheitswesen gebildet – inklusive juristisch wasserdichter Schweigepflichtentbindungsklauseln, die die Patienten meist zusammen mit dem Aufklärungsbogen unterschreiben. Der Patient willigt dabei ein, dass seine Personaldaten (nicht die Gesundheitsdaten) für den Fall einer Zahlungsstörung an einen bestimmten Inkassodienstleister weitergegeben werden dürfen.

Dennoch bleibt das Inkasso für Niedergelassene ein heikles Thema – auch und vor allem, weil das Arzt-Patienten-Verhältnis durch die Einschaltung eines externen Schuldeneintreibers nachhaltig belastet wird. Das gilt erst recht, wenn der Ton zwischen Patient und Inkasso-Unternehmen sich bereits verschärft hat.

Kooperation statt Konfrontation

Immer mehr Dienstleister haben das erkannt und bieten Ärzten eine Art „Inkasso light“ an, im Fachjargon auch „Meditativinkasso“ genannt. Wie der Name schon sagt, setzt das System nicht auf Konfrontation und die Realisierung der Forderung um jeden Preis. Vielmehr versteht sich der Inkassodienstleister als eine Art Mediator, dem der Erhalt der Patientenbeziehung ebenso wichtig ist, wie der finanzielle Aspekt seiner Arbeit.

Statt auf Standardschreiben und Drohgebärden setzt man bei dieser Variante auf das persönliche, telefonische Gespräch mit dem säumigen Patienten. Speziell geschulte Mitarbeiter arbeiten dabei auf eine Zahlungslösung hin, die beiden Parteien gerecht wird und dafür sorgt, dass beide ihr Gesicht wahren. Das kann zwar dazu führen, dass der Arzt sich auf Ratenzahlungen oder – im Extremfall – auch auf eine Teilzahlung einlassen muss. Im Ergebnis aber dürfte dieser Art des Forderungsmanagements eine gute Verbindung schaffen zwischen dem Berufsethos des freiberuflichen Arztes und den kaufmännischen Ansprüchen an einen Praxismanager in einem ökonomisierten Medizinbetrieb.

Tipp: Patienten können sich nicht vor der Zahlung drücken, weil sie die Rechnung inhaltlich für nicht gerechtfertigt halten. Das hat der Bundesgerichtshof bereits vor Jahren in einem Grundsatzurteil entschieden (Az: III ZR 117/06) und festgestellt: Damit eine Honorarforderung fällig wird, genügt es, dass die Rechnung den formellen Voraussetzungen der GOÄ entspricht. Nicht entscheidend ist hingegen, ob die jeweils angesetzte Gebührenposition inhaltlich berechtigt war oder nicht.

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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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