Rohstoffe

LNG: Sinkender Preis trotz steigender Nachfrage

Steigende Nachfrage führt in der Regel dazu, dass ein Preis steigt. Beim flüssigen Erdgas (LNG – liquefied natural gas) liegt der Preis derzeit allerdings deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Das hat mehrere Gründe.

Ab einer Temperatur von rund minus 160 Grad geht Erdgas in einen flüssigen Zustand über. Das Volumen schrumpft etwa um das 100-Fache. Mit LNG-Tankern lässt sich das verflüssigte Gas einfach und flexibel verteilen. Diesen Vorteil nutzen vor allem asiatische Länder, da es bisher keine Pipelines zur Lieferung von klassischem Erdgas in viele dieser Länder gibt. Mangels Alternativen zahlt Asien daher die höchsten Preise für LNG.

Vor allem die mehr als notwendigen Maßnahmen zur Verringerung des Schadstoffausstoßes in den Ballungsräumen haben in China im vergangenen Jahr die Nachfrage nach Flüssiggas um gut 40 Prozent steigen lassen. Erdgas trägt dazu bei, die Schadstoff- und Treibhausgasemissionen deutlich zu reduzieren, da es im Vergleich zu Erdölprodukten weniger Stickoxide, Schwefel und Feinstaub freisetzt.

Gründe für den Preisverfall

Trotz der stetig zunehmenden Nachfrage nach Flüssiggas liegt der Preis für LNG eher am unteren Ende der bisherigen Skala. Für den Preisverfall sorgt zum einen die konjunkturbedingte nachlassende Nachfrage aus Asien. Viele der dortigen Abnehmer sind nicht mehr bereit, Höchstpreise zu bezahlen. Gleichzeitig steigt das Angebot. In diesem Jahr wird die LNG-Produktion um etwa zehn Prozent auf 319 Millionen Tonnen zunehmen. Die neuen Anlagen für die Herstellung von LNG haben eine Kapazität von 434 Millionen Tonnen pro Jahr. Insbesondere in den USA werden die Infrastruktur und das umstrittene Fracking weiter ausgebaut.

Auch die weltweite Flexibilisierung der Gasversorgung ist ein Grund für die gesunkenen Preise. Generell sind Erdgasmärkte regional begrenzt. Für die Verflüssigung des Erdgases wird viel Energie benötigt. Hinzu kommen Kosten für die technischen Anlagen und den Transport. Das macht den Transport des komprimierten Gases erst ab einer Entfernung von etwa 5.000 Kilometern attraktiver als den klassischen Gastransport in einer Pipeline. Vor allem für die Europäer ist die Versorgung mit Gas über Pipelines aus Russland und Norwegen die deutlich günstigere Variante.

Deal um Handelskonflikt zu vermeiden

Allerdings gibt es seit dem letzten Jahr eine Verschiebung zugunsten von LNG aus den USA. Um einen Handelskonflikt zwischen der Europäischen Union und den USA abzuwenden, ließen sich die Europäer auf einen Deal ein: Sie importieren mehr LNG made in USA, im Gegenzug verzichten die USA auf Strafzölle auf europäische Autos. Die Drohung hat gewirkt. Die Importe von LNG aus den USA in die EU sind seit Sommer vergangenen Jahres um mehr als 270 Prozent gestiegen.

Trotz dieser Verschiebung beläuft sich der Anteil des importierten LNG aus den Vereinigten Staaten auf unter 15 Prozent des nach Europa gelieferten LNG. Mehr als die Hälfte des Gasimports kommt nach wie vor durch klassische Pipelines nach Europa. Dennoch trugen die höheren Importe aus den USA dazu bei, dass der Preis fiel. Um ihr Gas loszuwerden, werden die USA nicht nur auf politische Erpressung setzen können, sondern sich mit dem Preis in Richtung des russischen Pipeline-Gases bewegen müssen.

Autor: Jörg Horneber, Portfoliomanager bei der KSW Vermögensverwaltung AG in Nürnberg

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