Private Unfallversicherung

Lockmittel Beitragsrückzahlung: Warum Ärzte Vorsorge und Geldanlage besser trennen sollten

Es klingt zu schön, um wahr zu sein: Ärzte, die jahrelang in ihre Unfallversicherung einzahlen, bekommen am Ende der Laufzeit nicht nur ihr Geld zurück, sondern auch noch Zinsen gutgeschrieben. Dummerweise hat das Konzept der verzinsten Beitragsrückzahlung einige Haken.

Mangelnde Kreativität kann man der Versicherungsbranche wirklich nicht vorwerfen. In Zeiten, in denen die Niedrigzinsen Sparer zur Verzweiflung treiben, scheinen viele Vertreter genau das richtige Angebot für frustrierte Anleger zu haben  – eine Unfallversicherung, die beides kann: Risiken abfedern und Geld ansparen. Bei Policen mit garantierter Beitragsrückzahlung gibt es den Schutz quasi umsonst und die Geldanlage obendrauf. Sagen jedenfalls die, die das Konzept verkaufen wollen.

Das klingt erst einmal prima, kommt bei Experten aber nicht besonders gut an. Der Bund der Versicherten (BdV) war diesbezüglich um deutliche Worte nicht verlegen und sprach schon vor zwei Jahren von einer „Milchmädchen-Rechnung“. In Zeiten der Niedrigzinsen gewinnen solche vermeintlich attraktiven Angebote allerdings wieder an Attraktivität. Dennoch sollten Ärzte sich sehr genau überlegen, ob sie einen solchen Vertrag unterschreiben. Denn in Wahrheit schließen Kunden hier nicht eine Police ab, sondern erwerben eine Kombination aus Unfall- und  Kapitallebensversicherung. Letztere garantiert die Rückzahlung der Beiträge.

Vor allem der Vertreter profitiert

Was den Makler oder Vertriebler hohe Provisionen sichert, ist für Kunden aber keineswegs von Vorteil. Lebensversicherungen als Geldanlage sind nicht mehr besonders attraktiv: Die Kosten für den Abschluss sind hoch und werden vom Kunden mit bezahlt. Die Renditen sind eher dürftig. Und auch die Hoffnung, neben den garantierten Leistung von üppigen Überschussbeteiligungen zu profitieren, erfüllt sich kaum noch. Diese nämlich sinken seit Jahren und eine Trendwende ist nicht in Sicht – im Gegenteil.

Was viele Ärzte nicht wissen: Dadurch, dass in der Kombination mit einem Unfallschutz auch noch ein Teil der Beiträge in den Risikoschutz fließt, fällt die Verzinsung noch kärglicher aus als bei einer reinen Lebensversicherung. Oder anders ausgedrückt: Da es den Risikoschutz für die Unfallpolice nicht geschenkt gibt, sind die Beiträge deutlich höher als bei der simplen Unfallversicherung ohne Prämienerstattung. Außerdem sollte man bei der Versicherungssumme genau hinschauen: Diese ist bei solchen Kombiprodukten im Vergleich zu anderen Angeboten oft zu niedrig bemessen.

Der gravierendste Nachteil einer solchen gekoppelten Unfallversicherung liegt allerdings in der oft jahrzehntelangen Bindung der Kunden. Wer sich die hohen Beiträge nicht mehr leisten kann oder will und früher als geplant aus dem Vertrag aussteigen muss, fährt in aller Regel horrende Verluste ein.

Experten raten daher, Vorsorge und Geldanlage stets voneinander zu trennen. Den gleichen Risikoschutz, mehr Flexibilität und eine deutlich bessere Rendite sichern Ärzte sich zum Beispiel, indem sie eine gewöhnliche Unfallversicherung abschließen und das, was sie im Vergleich zu einem Kombiprodukt gespart haben, in einen Fonds- oder Banksparplan investieren.

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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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