In der Ehe erworbenes Vermögen

Zugewinnausgleich bei Scheidung: Wann Sie wirklich zahlen müssen

Lassen sich Ärzte scheiden, kommt es häufig zum Streit. Neben enttäuschten Hoffnungen und Gefühlen geht es oft auch um das in der Ehe erworbene Vermögen. In aller Regel erfolgt nach der Scheidung ein Zugewinnausgleich. Was das bedeutet – und wie man ihn berechnet, erfahren Sie hier.

(dpa/tmn) Ärzte gehören in Deutschland zu den Top-Verdienern, das Durschnittseinkommen liegt bei 64.100 Euro. Heiraten Ärzte ohne Ehevertrag, birgt das ein gewisses Risiko für den Fall einer Scheidung. Ist das Anfangsvermögen auch klein, können sich im Laufe einer Ehe durchaus beachtliche Vermögenswerte ansammeln – etwa Immobilien, Bankguthaben, Kapitallebensversicherungen, Kraftfahrzeuge, Schmuck. Und bei niedergelassenen Ärzten kommt natürlich auch noch der Wert der Praxis hinzu. Bei einer Scheidung fließt nämlich das Endvermögen in die Berechnung ein.

Paare können Zugewinnausgleich selber regeln

Allerdings müssen Mediziner ihr Vermögen nicht immer teilen, nur weil sie mit dem Ehepartner verheiratet waren: „Es besteht entgegen einer verbreiteten Vorstellung kein allgemeiner Anspruch auf gleichberechtigte Teilhabe am Erwerb des anderen Ehegatten“, erklärt Heinrich Schürmann, Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht Oldenburg. Die Höhe des Zugewinnausgleichs für den anderen Ehegatten können Ehepartner sogar grundsätzlich untereinander regeln. „Nur wenn es bei der Scheidung Streit über die Höhe des Ausgleichsanspruchs gibt, kommt es zum gerichtlichen Verfahren“, erklärt Schürmann, der auch Sprecher des Deutschen Familiengerichtstags in Brühl ist.

Wann kommt es zum Zugewinnausgleich?

Ein Anspruch auf den Zugewinnausgleich, der auch vor Gericht durchgesetzt werden kann, besteht immer dann, wenn die Eheleute im gesetzlichen Güterstand gelebt haben. «Das ist in 95 von 100 Scheidungen der Fall», sagt Jochem Schausten, Fachanwalt für Familienrecht in Krefeld.

Der gesetzliche Güterstand ist der der Zugewinngemeinschaft

Neben der gesetzlichen Gütergemeinschaft gibt es noch zwei weitere Wahlgüterstände: Erstens die Gütertrennung, bei der jeder der Ehepartner Eigentümer seines Vermögens bleibt. Zweitens die Zugewinngemeinschaft, bei dem nur der Zugewinn, den die Partner während ihrer Ehe erwitschaften, zum Gesamtgut der Ehe wird. Ist eine Gütergemeinschaft einmal vereinbart, sind nachträgliche Änderungen nur noch mit Notar möglich.

Zugewinnausgleich richtig berechnen

Das bedeutet: „Die Zugewinngemeinschaft ist entgegen ihrer irreführenden Bezeichnung keine Form der Gütergemeinschaft“, betont Schürrmann. Denn als für die Berechnung relevanten Zugewinn bezeichnet man den Unterschied zwischen dem Vermögen bei der Heirat und bei der Scheidung, erläutert Theo Pischke von der Stiftung Warentest. Dieser Zugewinn wird bei der Scheidung für jeden Partner einzeln ermittelt und dann gegeneinander gerechnet.

So wird der Zugewinnausgleich berechnet

Schürmann nennt ein Beispiel: Der Ehemann hat ein Anfangsvermögen von 10 000 Euro und ein Endvermögen von 30 000 Euro, sein Zugewinn beträgt 20 000 Euro. Die Ehefrau hat kein Anfangsvermögen und ein Endvermögen von 10 000 Euro, ihr Zugewinn liegt bei 10 000 Euro. Die Differenz zwischen den Zugewinn der beiden Partner beträgt 10 000 Euro – also 20 000 Euro des Ehemanns minus 10 000 Euro der Ehefrau. Davon muss der Mann die Hälfte ausgleichen. Die Frau erhält von ihm also 5000 Euro. Klingt einfach, allerdings kommt es auch bei der Zugewinngemeinschaft häufig zum Streit über die Höhe des Ausgleichs, weil der Ehegatte falsche Vorstellungen über dessen Berechnung hat.

Grundsätzlich kann jeder eine Vermögensaufstellung selbst machen

„Für die Bewertung kommt es allein auf die Vermögensbilanz zum jeweiligen Stichtag an“, sagt Schürmann. Spätere Veränderungen beim Vermögen wie fallende oder steigende Aktienkurse sind unerheblich. Denn: „Das Endvermögen ist das Vermögen, das am Tag der Zustellung des Scheidungsantrags des einen an den anderen Ehepartner vorhanden ist“, sagt Schausten. Doch vor dem eigentlichen Papierkram kommt die Trennung. Dabei ist wichtig zu wissen: „Auch ein nach der Trennung erzielter Lottogewinn fällt in den Zugewinnausgleich“, betont Schürmann unter Verweis auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs (Az.: XII ZB277/12).

Das gehört zum gemeinschaftlichen Vermögen

Was viele Ärzte ebenfalls nicht wissen: In der Regel fließen bei der Berechnung sämtliche Vermögenswerte ein. Das bedeutet: „Hat einer der Eheleute ein kostspieliges Hobby und ist zum Beispiel im Besitz einer wertvollen Golf-Ausrüstung, dann wird auch diese beim Zugewinnausgleich berücksichtigt“, erklärt Schausten.

Nicht einbezogen werden hingegen Vermögenszuwächse, die keinen Bezug zur Ehe haben. Das sind Erbschaften und Schenkungen an einen der Ehepartner. „Sie werden zum Anfangsvermögen gerechnet“, erläutert Schürmann. Kommt es indes nach dem Erwerb zu Wertsteigerungen – erwirtschaftet man also etwa Zinsgewinne durch das Erbe – gilt: Sie werden wiederum im Zugewinn berücksichtigt.

Ein Ausgleich kann nur dann erfolgen, wenn überhaupt auszugleichendes Vermögen vorhanden ist. Das ist nicht immer der Fall, wie ein Beispiel zeigt: Hat die Ehefrau ein Anfangsvermögen von minus 10 000 Euro und ein Endvermögen von 10 000 Euro, hat dies die Folge: Ihr Zugewinn beträgt in diesem Fall 20 000 Euro. Hat der Ehemann auch einen Zugewinn von 20 000 Euro, beträgt die Differenz null Euro. Der Mann muss also nichts ausgleichen. Verbindlichkeiten müssen ebenfalls berücksichtigt werden: „Schulden werden vom Reinvermögen abgezogen“, erklärt Schausten.

Bei der Zugewinngemeinschaft werden auch Rentenansprüche berücksichtigt. Dann kommt es zu einem Versorgungsausgleich – die in der Ehe erworbenen Ansprüche beider Eheleute werden also je zur Hälfte geteilt. „Dies gilt für die gesetzliche wie für die private Rentenversicherung sowie für die betriebliche Altersversorgung“, erläutert Pischke. „Bei Ehen, die nicht länger als drei Jahre gehalten haben, entfällt der Ausgleich meist“, ergänzt er. Außer einer der Partner verlangt ihn ausdrücklich.

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