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Können Arztpraxen von Telemedizin profitieren?

Smartphone für Telemedizin genutzt
Bild: Medgate

Das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung in Deutschland erfasste 2021 3,5 Millionen Videosprechstunden und damit erneut ein Plus von rund 800.000 online Sprechstunden zum Vorjahr. Telemedizin wurde in der Pandemie populär und Experten gehen von einer nachhaltigen Entwicklung aus.

So verkündete jüngst der Vorstand einer großen Krankenkasse, der Videotrend etabliere sich über die Pandemie hinaus. Umfragen und Studien stützen diese Aussage. Videosprechstunden boomen nicht nur im kassenärztlichen Bereich, auch PKVen haben das Thema längst im Visier. Zunehmend springen zudem Praxen auf den Zug. Während laut KBV im vierten Quartal 2019 lediglich 168 Ärzte Videosprechstunden praktizierten, waren es nur zwei Quartale später bereits 31.397 Ärzte.

Immer mehr Ärzte wenden sich der Telemedizin zu. So auch der Facharzt für Innere Medizin und Notfallmediziner Dr. Christian Braun. Er war u.a. an der Charité und am Robert-Koch- Institut klinisch und forschend tätig. Jetzt ist er Chief Medical Officer bei Medgate, einem Telemedizinanbieter, der auch mit niedergelassenen Ärzten kooperiert.

Dr. Braun, bevor Sie in die Telemedizin und zu Medgate wechselten, waren Sie 20 Jahre klinisch und forschend tätig. Warum jetzt Telemedizin?

Gute Medizin braucht Fortschritt. Dank den Errungenschaften in Forschung und Medizintechnik können Ärzte ihre Patienten heute besser versorgen als noch vor 50 Jahren. Der nächste logische Schritt ist jetzt, digitale Technologien bzw. Telemedizin in den ambulanten Versorgungsalltag und die Praxen zu integrieren, um mit den Entwicklungen Schritt zu halten. Schließlich bietet Telemedizin ein enormes Potenzial zur Verbesserung der Versorgungsqualität.

Das müssen Sie uns erklären. Arzt und Patient begegnen sich ja nicht physisch, sondern per Videoschalte oder Telefon. Inwiefern verbessert das die Versorgungsqualität?

Denken Sie nur einmal an die vielen Chroniker, wie Diabetiker oder Bluthochdruckpatienten. Hier ist die Telemedizin der schnelle und unkomplizierte Draht zwischen Arzt und Patient. Ärzte können diese Patienten effizient telemedizinisch betreuen, ohne sie extra in die Praxis einzubestellen. Das erlaubt eine engmaschige und zugleich qualitativere Betreuung. Durch Telemedizin rücken Ärzte und Patienten näher zusammen.

Ist es nicht so, dass Patienten dann am Ende doch in eine Praxis müssen, z.B. weil eine Untersuchung nötig ist?

Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass 60 Prozent der bei Medgate eingehenden medizinischen Anliegen rein telemedizinisch von Ärzten geklärt werden können. Diese Zahlen stützen sich auf 23 Jahre Erfahrung und über 10 Millionen durchgeführte Telekonsultationen. In anderen Ländern ist Telemedizin ja bereits länger möglich und etabliert.

Welche konkreten Vorteile sehen sie für Ärzte im Zusammenhang mit der Telemedizin?

Ärzte profitieren, indem Telemedizin bei Medgate in Teilzeit und zeitlich flexibel ausgeübt werden kann. Immer mehr Ärzte achten auf die Work-Life-Balance und suchen Alternativen zum normalen und oft stressigen Praxisalltag. Telemedizin ist zudem für viele eine zusätzliche und zukunftsträchtige Einkommensquelle. Sozusagen ein zweites Standbein. Im Gegensatz zu einer Praxis erfordert die Telemedizin so gut wie keine Investitionen. Im Grunde benötigen Ärzte ein Laptop, Headset und Internetzugang. Im Markt kann Telemedizin ein Wettbewerbsvorteil sein, der bei Patienten gut ankommt. Unsere Partnerärzte mit eigener Praxis können passend zu ihren Bedürfnissen die Tele-Kontingente und Zeiten festlegen und beispielsweise auch telemedizinischen Bereitschaftsdienst leisten, der attraktiv vergütet wird.

Welche wirtschaftlichen Vorteile bietet Telemedizin aus ihrer Sicht?

Dr. Christian Braun

Dr. Christian Braun; Bild: Urban Zintel

Telemedizin bietet Wachstums- und Expansionschancen, weil sie nicht an Kapazitäten von Praxisräumen oder Standorten gebunden ist. Insofern kann sie auch bestehende strukturelle Unterschiede ausgleichen, weil urbane Arztpraxen auch Patienten aus strukturell unterversorgten Gebieten betreuen können. Eine wirkungsvolle Medizin gegen den Landarztmangel und für strukturschwache Regionen. Schon heute gibt es zahlreiche Initiativen in den Bundesländern, um die Ansiedelung von Ärzten in ländlichen Gebieten zu fördern: Von Landarztquoten bis standortgebundene Nachwuchsförderung und Stipendienprogramme. Die Politik setzt zur Lösung des Problems auf Gesundheitskioske. Ein guter Ansatz. Das Etablieren dieser neuen Strukturen kostet allerdings Geld, während sich mit Telemedizin bereits bestehende Praxis-Kapazitäten gleichmäßiger verteilen ließen.

Mit wieviel Aufwand ist die Integration von Telemedizin für Praxen verbunden? Ärzte beklagen schon heute zu viel administrativen und technologischen Aufwand.

Das ist richtig. Viele Praxisbetreiber sind frustriert. Und zwar zurecht. Denn ihnen wird viel abverlangt. Sie sollen sich mit Stapelsignaturen beim eRezept, elektronischen Heilberufeausweisen, Anschluss an die Telematik, Austausch von Konnektoren und vieles mehr kümmern. Hinzu kommen neue GOPs für telemedizinische Leistungen. Und das alles neben dem normalen Praxisbetrieb. Deshalb bieten wir Ärzten nicht nur eine funktionierende und seit Jahren erprobte Infrastruktur, die mit der TI kompatibel ist, sondern auch eine Partnerschaft. D.h. wir unterstützen Ärzte konkret im Alltag, telemedizinische Leistungen in den Praxisalltag zu integrieren. Neben technischem Support bieten wir telemedizinische Fortbildungen. Für viele Ärzte ist das ja ein neues Gebiet und ungewohnt.

Wie sieht diese Unterstützung im Alltag genau aus?

Unsere Partnerärzte haben Zugang zur Medgate Academy. Diese stützt sich auf mehr als 20 Jahre telemedizinische Erfahrung. Ärzte können flexibel und von überall aus an diesen Fortbildungen teilnehmen. Das wichtigste zum Start sind aber der technische Support und ein Onboarding. Hier erfahren Ärzte, wie sie Medgate nutzen, in den Praxisalltag oder die Praxis-IT einbinden und worauf sie in der Telemedizin achten müssen. Beispielsweise haben wir telemedizinische Guidelines für verschiedenste Indikationen entwickelt. Eine Art Navigationshilfe und telemedizinisches Nachschlagewerk.

Welche Vorteile bietet die Zusammenarbeit mit einer Telemedizin-Plattform? Praxis-Softwareanbieter bieten ja auch schon Videosprechstunden.

Wir bieten Praxen ja nicht nur die Technik, um Telemedizin zu praktizieren. Unser Angebot geht weit darüber hinaus. Ein Beispiel: Nicht jeder Patient und jede Krankheit eignen sich für Tele-Konsultation. Bevor wir unseren Ärzten Patienten ins virtuelle Wartezimmer schicken, checken wir mit gezielten Fragen, ob sich das Anliegen überhaupt für Telemedizin eignet. Notfälle werden gleich an geeignete Versorgungseinrichtungen der Primärversorgung geroutet. Auf diese Weise können Ärzte ihre Zeit gezielt und effizient nutzen. Außerdem bereiten wir die telemedizinischen Konsultationen ideal vor für einen effizienten Workflow. D.h. der Arzt geht informiert ins Gespräch. Das spart Zeit. In der Telekonsultation selbst, können Ärzte auf die Guidelines zurückgreifen. Wenn sie so wollen, ist das eine Art telemedizinisches Rund-um-Sorglos-Paket.

Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Medgate und Arztpraxen aus?

Wir vereinbaren individuelle Kooperationsverträge und bieten aktuell sehr günstige Einstiegskonditionen und Vergünstigungen. Ärzte können Bestands- und Neupatienten betreuen.

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Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib
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