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Booster mit mRNA-Impfstoff für Schwangere und Stillende


Impfung

Angesichts der hohen Infektionszahlen sowie der nachweislich nach sechs Monaten sinkenden Antikörperspiegel sollten auch Schwangere und Stillende eine COVID-19-Auffrischimpfung erhalten.

Eine Schwangerschaft wird an sich schon als relevanter Risikofaktor für schwere COVID-19-Verläufe angesehen. So haben laut STIKO infizierte Schwangere im Vergleich zu infizierten nicht-schwangeren Frauen gleichen Alters ein zwei- bis fünffach erhöhtes Risiko auf eine Intensivstation aufgenommen zu werden. Das Risiko für eine invasive Beatmung ist zweieinhalbfach erhöht.

Wenn die werdende Mutter zusätzlich an Vorerkrankungen, wie zum Beispiel Adipositas, arterieller Hypertonie oder Diabetes mellitus, leidet, erhöht sich das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf weiter. Das relative Risiko für COVID-19-positive Schwangere, eine Präeklampsie, Eklampsie oder ein HELLP-Syndrom zu entwickeln wird auf 1,3 bis 1,8 geschätzt.

Risiken für Mutter und Kind mit Impfung vorbeugen

„Die Corona-Impfung hat auch bei schwangeren Frauen eine sehr gute Schutzwirkung“, erklärt Dr. Cornelia Hösemann vom Vorstand des Berufsverbands der Frauenärzte (BVF) in einer Pressemitteilung. „Sie ist ein notwendiger Baustein der heutigen Gesundheitsvorsorge in der Schwangerschaft, um Risiken für Mutter und Kind zu verringern.“

Gemäß den Empfehlungen der STIKO sollen ungeimpfte Schwangere ab dem zweiten Trimenon mit dem mRNA-Impfstoff Comirnaty geimpft werden. Dieser Empfehlung hat sich der BVF jetzt auch angeschlossen.

Impfstoff Comirnaty kommt zum Einsatz

Weiterhin wird Schwangeren – ebenso wie allen anderen volljährigen Personen – eine Auffrischimpfung empfohlen, auch wenn bislang noch keine belastbaren Daten hierzu vorliegen. Diese kann ebenfalls ab dem zweiten Trimenon mit einem Mindestabstand von drei Monaten zur letzten Impfstoffdosis verabreicht werden. Unabhängig vom Alter der Schwangeren soll hierfür ausschließlich der Impfstoff Comirnaty verwendet werden.

Aus den bisher vorliegenden nicht-randomisierten Studien geht hervor, dass die Immunantwort auf die Impfung bei schwangeren und nicht schwangeren Frauen vergleichbar ist. Zudem konnte festgestellt werden, dass ein diaplazentarer Antikörpertransfer zum Fetus stattfindet. Ob dadurch ein klinisch relevanter Schutz für das Neugeborene erzielt werden kann, ist derzeit unklar.

Entscheidung nicht hinauszögern

„Werdende Mütter sollten ihre Entscheidung für eine Impfung nicht herauszögern und unbegründete Vorurteile ablegen“, so Hösemann. In Studien wurde bislang kein Hinweis auf ein gehäuftes Auftreten von schweren schwangerschaftsbezogenen Nebenwirkungen der COVID-19-Impfung, wie Frühgeburten, Totgeburten oder Fehlbildungen, festgestellt.

Die Datenlage ist zwar aktuell noch limitiert, verdichtet sich aber zunehmend. So hat beispielsweise das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie (PVZ) der Charité Berlin in Zusammenarbeit mit dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) eine prospektive Beobachtungsstudie zur Risikoeinschätzung der Impfung in allen drei Trimena der Schwangerschaft gestartet.