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Handekzeme häufigste Berufskrankheit im Gesundheitssektor: Desinfizieren statt Waschen hilft


Klinikärzte beim Händewaschen

Nicht nur in der Coronapandemie ist intensive Handhygiene bei Gesundheitsberufen fest im Alltag verankert. Das ständige Händewaschen mit Seife fördert allerdings die Entstehung eines Handekzems. Hautärztinnen und Hautärzte plädieren deshalb für Desinfizieren plus Hautpflege statt Waschen.

Handekzeme sind bei Mitarbeitern im Gesundheitssektor die bislang häufigste Berufskrankheit überhaupt. Darauf machten Hautärztinnen und Hautärzte anlässlich der bundesweiten Aktionswoche „haut+job“ aufmerksam, die in diesem Jahr vom 8. bis zum 12. November stattfand.

Desinfizieren ist aus dermatologischer Sicht besser

„Aus dermatologischer Sicht sollte das Desinfizieren mit viruswirksamen alkoholischen Händedesinfektionsmitteln plus anschließendem Eincremen
dem Händewaschen mit Wasser und Seife vorgezogen werden“, sagt Prof. Swen Malte John, Leiter der Abteilung Dermatologie, Umweltmedizin und
Gesundheitswissenschaften an der Universität Osnabrück.

Seife zerstört Hautschutz

Seife wäscht dauerhaft die schützenden Fette aus der Hornschicht der Haut heraus. Gleichzeitig haben die Hornzellen hygroskopische Eigenschaften, das heißt, sie ziehen Wasser an und quellen auf. Der Aufbau der Hornschicht ist vergleichbar mit der einer Ziegelmauer. „Und wenn bei einer Mauer die einzelnen Steine anfangen zu quellen, gerät das Ganze im wahrsten Sinne des Wortes aus den Fugen. Genau das passiert bei der Haut auch“, erläutert Prof. John die schädliche Wirkung von zu viel Wasser und Seife. Die Folge ist eine Schädigung der Hautbarriere – idealer Nährboden, um ein Handekzem zu entwickeln. Wird hingegen Alkohol verwendet, gibt es diesen Effekt nicht. Alkohol löst nur die oberflächlichen Fette auf der Haut. Wenn er verdunstet, verbleibt genügend Fett auf der Haut zurück.

Hautpflege verhindert Irritationen

„Um Hautirritationen zu verhindern, sollten außerdem nach der Desinfektion die Hände vollständig mit einem Hautpflegemittel eingecremt werden“, rät Prof. John. Das gilt im Übrigen auch nach dem Händewaschen.

Wie wichtig diese Maßnahme ist, zeigt eine aktuelle Studie mit 302 Pflegenden aus zwei deutschen Kliniken, die auf dem Höhepunkt der Pandemie zwischen Dezember 2020 und Juni 2021 durchgeführt wurde. Eine Gruppe erhielt eine gesundheitspädagogische Online-Schulung und eine unlimitierte Menge eines Hautreinigungs- und Hautpflegemittels. Die Kontrollgruppe erhielt keine der beiden Maßnahmen. Bei der ersten Gruppe traten im Beobachtungszeitraum keine neuen Handekzeme auf, während sich in der Kontrollgruppe bei 8,8 Prozent der Teilnehmenden ein neues entwickelte.

„Das Ergebnis zeigt, dass sowohl Schulungen als auch die Bereitstellung von Hautpflegemitteln im Rahmen der Prävention von berufsbedingten Handekzemen bei Pflegenden im Gesundheitswesen sehr sinnvoll sind. Es wäre wünschenswert, wenn Arbeitgeber entsprechende Angebote bereitstellen würden“, so der Osnabrücker Dermatologe, der die Studie geleitet hat.

Berufsbedingte Hauterkrankungen

Hauterkrankungen wie das Handekzem führen seit Jahren mit weitem Abstand die Statistik der Berufserkrankungen an. Im Jahr 2020 wurden die berufsbedingten Hauterkrankungen (BK 5101) jedoch erstmals von diesem Spitzenplatz verdrängt – durch beruflich erworbene COVID-19-Infektionen (BK 3101). Laut Deutscher Gesetzlicher Unfallversicherung (DGUV) gab es 2020 rund 33.600 Verdachtsmeldungen auf eine BK 3101 (2019: 1.910). Bei der BK 5101 waren es im gleichen Zeitraum rund 18.300 Verdachtsmeldungen (2019: 19.900). Dieser Trend hat sich im laufenden Jahr weiter beschleunigt. „Allein im Beobachtungszeitraum unserer Studie gab es über 120.000 Verdachtsmeldungen beruflicher COVID-19-Infektionen“, erläutert Prof. John.

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