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Ernüchternde Zahlen: Neue Studie widerlegt gängige Mythen zum Thema Alkohol


Alkohol, Getränke, Studie

Vertragen Männer wirklich mehr als Frauen? Welche Folgen hat ein Rausch in jungen Jahren? Und kann ein Glas Rotwein wirklich der Herzinfarktprophylaxe dienen? Aktuelle Daten werfen vermeintliche Gewissheiten gründlich über den Haufen…

Von wegen, Männer können mehr am Glas. Eine neue Studie, die jetzt in „The Lancet“ veröffentlicht wurde, belegt: Gerade in jungen Jahren sollte sich das vermeintlich „starke Geschlecht“ in Sachen Alkohol extrem zurückhalten. Während Frauen unter vierzig laut der Erhebung immerhin zwei Esslöffel Wein oder 100 Milliliter Bier konsumieren dürfen, sind es bei Männern nur 40 Milliliter Bier oder zwei Teelöffel Wein. Wer in jungen Jahren mehr trinke, riskiere gesundheitliche Einbußen, so das Ergebnis der Studie.

Die Wissenschaftler haben für ihre Arbeit Daten aus mehr als 200 Ländern ausgewertet. Sie analysierten dabei den Alkoholkonsum von Menschen unter und über 40 in Bezug auf 22 verschiedene Gesundheitsprobleme. Dabei berücksichtigen sie nicht nur Risiken fürs Herz-Kreislaufsystem oder Krebserkrankungen, sondern preisten auch das Risiko von Unfällen oder anderen Verletzungen ein.

Die Vorzüge des Älterwerdens beim Alkoholkonsum

Für alle, die sich gerne mal ein Gläschen genehmigen, gibt es allerdings Hoffnung. Denn die Auswertung zeigt , dass mit dem Lebensalter auch die Alkoholmenge steigt, die sich ohne Gesundheitsrisiken trinken lässt. In der Altersgruppe über 40 können ein oder zwei Drinks sogar helfen, Herzkrankheiten oder Diabetes vorzubeugen.

Die Co-Autorin der Studie, Emmanuela Gakidou von der University of Washington, bringt die Kernbotschaft ihrer Arbeit so auf den Punkt: „Junge Leute sollten nicht trinken, aber ältere Menschen könnten von kleinen Mengen profitieren.“

Zwischen 40 und 64 Jahren sind demnach bis zu zwei kleine Gläser Wein oder Bier pro Tag unbedenklich. Menschen über 65 können sich sogar ohne Sorgen drei Drinks pro Tag erlauben.

Dass die vorgeschlagenen Mengen, gerade für junge Erwachsene, nicht realistisch sind, ist der Forscherin zwar bewusst. Dennoch sei es wichtig, diese neuen Erkenntnisse zu kommunizieren, so dass Jeder oder Jede eine fundierte Entscheidung treffen könne.

Zum Vergleich. Das Robert-Koch-Institut schreibt derzeit noch, dass die Grenzwerte für riskante Alkoholtrinkmengen bei mehr als 10 Gramm pro Tag für Frauen und 20 Gramm für Männer liegen.  10 Gramm reiner Alkohol entsprechen einem kleinen Glas Bier, einem Glas Sekt oder einem doppelten Schnaps.