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Covid-Impfung verbessert Wirksamkeit der Krebsbehandlung

von Dr. Bettina Brincker

Frau kriegt Schutzimpfung in den Oberarm
Foto: yta – stock.adobe.com

Patienten mit einem Karzinom des Nasopharynx werden häufig mit Medikamenten behandelt, die ihr Immunsystem gegen den Tumor aktivieren. Bislang wurde befürchtet, dass eine Impfung gegen Covid-19 den Erfolg dieser Krebsbehandlung reduzieren oder schwere Nebenwirkungen verursachen könnte. Eine aktuelle Studie gibt in dieser Hinsicht nun Entwarnung.

Demnach wirkten die Krebsmedikamente nach der Impfung mit einem chinesischen Impfstoff sogar besser als bei ungeimpften Patienten. Die Ergebnisse der Untersuchung werden als „Letter to the editor“ in der Zeitschrift Annals of Oncology veröffentlicht.

Viele Krebszellen sind in der Lage, die Immunantwort des Körpers zu unterlaufen. Sie tun dies u. a., indem sie den PD-1-Rezeptor auf Immunzellen binden. Dadurch wird die T-Zelle inaktiviert, beziehungsweise die Immunreaktion wieder gebremst.

Medikamente bekämpfen Tumore zielgerichtet

Mit zielgerichteten Medikamenten können PD-1-Rezeptoren blockiert werden. Das Immunsystem wird somit in die Lage versetzt, den Tumor effektiver zu bekämpfen. Eine Impfung gegen Covid stimuliert ebenfalls die Immunantwort, wobei der PD-1-Rezeptor mit einbezogen wird. Aus diesem Grund wurde befürchtet, dass sich der Impfstoff nicht mit der Anti-PD-1-Therapie verträgt. Dieses Risiko gilt insbesondere für Krebsarten des Nasopharynx, die wie das SARS-Cov-2-Virus die oberen Atemwege befallen. Wissenschaftler der Universitäten Bonn und Shanxi in der Volksrepublik China haben nun untersucht, ob diese Sorge berechtigt ist.

Geimpfte Patienten sprachen besser auf die Krebstherapie an

Mehr als 1.500 Patienten mit Krebs des Nasenrachenraums, die in 23 Krankenhäusern aus China behandelt wurden, nahmen an der Analyse teil. Eine Untergruppe von 373 betroffenen Personen war mit einem chinesischen Covid-Impfstoff geimpft worden. Überraschenderweise sprachen diese Patienten deutlich besser auf die Anti-PD-1-Therapie an, als die ungeimpften Patienten. Außerdem traten bei ihnen nicht häufiger schwere Nebenwirkungen auf. Warum die Behandlung nach der Impfung erfolgreicher war, ist noch unklar. Es wird vermutet, dass die Impfung bestimmte Immunzellen aktiviert, die dann den Tumor angreifen.

Krebs des Nasopharynx ist in Deutschland recht selten. In Südchina und anderen Ländern Südostasiens ist diese Krankheit dagegen weitverbreitet. Einer der Gründe dafür könnte die häufige Nutzung von Klimaanlagen in den heißen und feuchten Regionen sein. Auch ernährungsbedingte Faktoren scheinen eine wichtige Rolle zu spielen. In Taiwan gilt das Karzinom des Nasopharynx inzwischen als eine der häufigsten Todesursachen bei jungen Männern.

Hua YJ et al. Annals of Oncology 2022, DOI: 10.1016/j.annonc.2022.10.002

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