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Unregelmäßiger Schlaf erhöht Atheroskleroserisiko


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Zu unterschiedlichen Zeiten schlafen zu gehen und unterschiedlich lange zu schlafen, scheint für ältere Menschen ein Risikofaktor für Atherosklerose zu sein. Das legt eine Studie US-amerikanischer Forscher nahe, die im Journal of the American Heart Association veröffentlicht wurde.

Schlechter Schlaf, egal ob schlechte Schlafqualität, fragmentierter Schlaf oder anormale Schlafquantität, gilt als Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen und kardiovaskulär bedingte Sterblichkeit. Die Frage ist, welche Mechanismen genau die pathophysiologische Entwicklung von kardiovaskulären Erkrankungen beeinflussen. Um mehr darüber herauszufinden, untersuchte ein Forscherteam um Kelsie Full (Department of Medicine am Vanderbilt University Medical Center in Nashville) die Zusammenhänge zwischen unregelmäßiger Schlafdauer, unregelmäßigen Schlafenszeiten und Atherosklerose.

Im Rahmen der Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis (MESA), einer standort-übergreifenden Längsschnitt-Kohorte zur Untersuchung von Prävalenz und Verlauf subklinischer Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sowie deren Risikofaktoren, luden die Wissenschaftler die Teilnehmer zu einer MESA-Schlaf-Zusatzstudie ein.

Diese Zusatzstudie lief von 2010 bis 2013. Es nahmen insgesamt 2032 Erwachsene, gemischter ethnischer Herkunft, mit einem Durchschnittsalter von 68,6 (+/- 9,2) Jahren teil. Etwas mehr als die Hälfte waren Frauen (53,6 %).

Die Teilnehmer trugen für jeweils sieben Tage einen Aktigraphen am Handgelenk, der ihre Einschlafzeit und ihre Schlafdauer protokollierte. Während derselben Zeit führten die Teilnehmer ein Schlaftagebuch. Außerdem zeichneten sie in einer Nacht bei sich zu Hause, mithilfe eines Polysomnographen, ihre Atmung, ihre Herzfrequenz, die Sauerstoffsättigung ihres Blutes, ihre Schlafstadien und Aufwachen nach dem Einschlafen auf.

Um zu ermitteln, ob die Teilnehmer an Atherosklerose litten, führten die Forscher einen Koronararterien Kalkscore via CT durch, untersuchten die Karotis via Ultraschall auf Plaques, maßen ihre Intima-Media-Dicke und bestimmten den Knöchel-Arm-Index.

Stärkere Arterienverkalkung durch unterschiedlich langen Schlaf

Mehr als ein Drittel der Teilnehmenden, nämlich 38 %, wiesen in der sieben-tägigen Untersuchung eine unregelmäßige Schlafdauer mit Abweichungen von mehr als 90 Minuten auf. 18 Prozent davon sogar mit Abweichungen von mehr als 120 Minuten. Bei diesen Teilnehmern war die Wahrscheinlichkeit eines hohen Koronararterienkalkwertes (> 300) um das 1,4-fache höher, als bei Personen deren Schlafdauer um weniger als 60 Minuten abwich. Und das auch nach Anpassung der Werte an demografische Merkmale, Lebensstilmerkmale und BMI.

Außerdem hatten die Personen mit unregelmäßiger Schlafdauer eine 1,1-fach höhere Wahrscheinlichkeit für Plaques in der Karotis und eine 1,9-fach höhere Wahrscheinlichkeit für einen abnorm niedrigen Knöchel-Arm-Index. Zwischen Intima-Media-Dicke der Halsschlagader und Regelmäßigkeit der Schlafdauer konnten die Forscher keine Zusammenhänge eruieren.

Zirkadiane Rhythmen steuern unseren Körper

Um die Zusammenhänge zwischen unregelmäßigem Schlaf und Atherosklerose zu erklären, haben die Wissenschaftler mehrere Hypothesen, die in der Störung der zirkadianen Rhythmik liegen. Der zirkadiane Rhythmus ist ein wichtiger Faktor für die Steuerung verschiedener Körperfunktionen, wie zum Beispiel des Blutdrucks, der Herzfrequenz oder des Gefäßtonus. Eine Störung dieser Rhythmik fördert chronische Entzündungen, führt zu einem Anstieg des arteriellen Blutdrucks, zur Veränderung des Glukosestoffwechsels und aktiviert das sympathische Nervensystem, was alles zu einer Entstehung von Atherosklerose beitragen kann.

Was bedeutet das für die Praxis?

„Die Entwicklung von Atherosklerose ist ein langwieriger Prozess, der Zeit für ein Eingreifen lässt, bevor sich Plaques gebildet und verhärtet haben und eine schwere Stenose oder Ruptur verursachen können“, sagen die Autoren der Studie. „Die Förderung regelmäßiger Schlafzeiten mit gleichbleibender Schlafdauer kann ein wichtiger Bestandteil klinischer Lebensstil-Empfehlungen sein, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.“