Umfrage

Medizinklimaindex: Stimmung unter den Ärzten ist schlecht, weitere wirtschaftliche Einbußen werden erwartet

Die Stiftung Gesundheit hat aufgrund der Corona-Krise erstmals eine Sondererhebung des Medizinklimaindex außerhalb des üblichen halbjährlichen Takts vorgenommen. Tatsächlich hat die Pandemie deutliche Auswirkungen auf die Stimmung in der Ärzteschaft.

Die Stimmung der Ärzte, Zahnärzte und Psychologischen Psychotherapeuten im ambulanten Sektor hat sich auf Grund der Covid-19-Pandemie sogar deutlich verschlechtert: Der Medizinklimaindex (MKI), der seit zwei Jahren nur knapp im negativen Bereich lag, stürzte in Folge der Krise auf einen Wert von -25,1. Der Index bildet die wirtschaftliche Lage und Erwartung der Mediziner in Deutschland ab.

Nur noch knapp die Hälfte (45,3 Prozent) der Ärzte (Haus- und Fachärzte), Zahnärzte und Psychologischen Psychotherapeuten sieht ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als befriedigend an. 22,8 Prozent beurteilen ihre aktuelle Lage durchgehend als schlecht. Gerade mal 31,8 Prozent der Ärzte schätzen ihre wirtschaftliche Situation positiv ein. 

Zweittiefster Stand seit 2006

Innerhalb der Fachgruppen ergibt sich folgendes Stimmungsbild: Die Indices der Fachärzte (-30,2), Hausärzte (-28,4) und Zahnärzte (-32,2) sind seit Februar stark gesunken und liegen weit im negativen Bereich. Der Index der Psychologischen Psychotherapeuten hat ebenfalls deutlich an Wert verloren (-22,4), liegt aber noch immer im positiven Bereich (+3,6).

„Einen stärkeren Rückgang hat es in der Geschichte des MKI noch nicht gegeben“, berichtet Prof. Dr. Dr. Konrad Obermann, Forschungsleiter der Stiftung Gesundheit. „Der Index, der im Februar noch knapp unter null lag, ist innerhalb von drei Monaten um 22,8 Punkte gefallen.“ Das entspricht dem zweittiefsten Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 2006.

Erwartungen für die kommenden sechs Monate

Und die Aussichten bleiben trübe: 65,4 Prozent der Befragten vermuten, dass ihre wirtschaftliche Lage sich in den kommenden sechs Monaten noch weiter verschlechtern wird. 28,4 Prozent erwarten keine Veränderung. Lediglich 6,2 Prozent rechnen mit einer wirtschaftlichen Verbesserung.

Immerhin: Im Vergleich zu den ifo-Geschäftsklimata anderer Branchen hat der Medizinmarkt die ersten drei Monate der Krise noch verhältnismäßig gut überstanden. In allen anderen Branchen sanken die Werte deutlich stärker: sowohl im Bauhauptgewerbe (-25,1) als auch im Handel (-31,5), im Verarbeitenden Gewerbe (-35,1) und im Dienstleistungssektor (-38,3). Der MKI liegt derzeit im Mittelfeld der Geschäftsklimata – im Februar war er noch Schlusslicht gewesen.

medizinklimaindex_sondererhebung_05-2020_02print

Anzeige

Umsatzrechner für die Arztpraxis – objektiv, transparent und individuell

Terminausfälle, kurzfristige Absagen oder Verschiebungen und die Bindung von Ressourcen am Telefon sind die häufigsten Ärgernisse und Kostenpunkte für Arztpraxen und Gesundheitseinrichtungen. Digi... Mehr
Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib

Weitere Artikel zum Thema:

Frühjahr 2019

Medizinklimaindex: Ärzte beurteilen ihre wirtschaftliche Situation wieder zurückhaltender


Herbst 2019

Medizinklimaindex: Stimmung der Ärzte in Deutschland weiterhin verhalten


Mit kostenloser Leseprobe

Buchtipp: Praxis-Neugründung


Neues aus der Printredaktion

Laborreform: Mehr Fluch als Segen


Chef-Typologie

Gute Führungsstile für die Arztpraxis