Gericht erweitert Begriff

Mehr haushaltsnahe Dienstleistungen absetzbar

Ärzte können sich freuen, denn der Bundesfinanzhof hat in einem aktuellen Urteil den Begriff „haushaltsnahe Dienstleistungen“ erweitert. Warum das nicht nur für die Tierhalter unter den Ärzten eine gute Nachricht ist, erklärt Steuerberater und Dipl.-Finanzwirt Günter Balharek.

„Tierbetreuung steuerlich absetzbar“: Auf den ersten Blick betrifft ein neues Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) nur die Tierhalter unter den Ärzten. Tatsächlich hat es aber eine deutlich weitreichendere Bedeutung über die sich die meisten Steuerzahler wahrscheinlich noch gar nicht im Klaren sind.

In dem verhandelten Fall ging es vordergründig tatsächlich um die Kosten für die Betreuung einer Katze zu Hause durch einen Dienstleister. Bis dato hatten Finanzgerichte deren steuerliche Anerkennung verweigert, da sie eine professionelle Tierbetreuung und Versorgung nicht für eine haushaltsnahe Dienstleistung im Sinne des § 35 a Einkommensteuergesetz (EStG) hielten.

Die Richter des Bundesfinanzhofs sahen dies nun aber anders und entschieden: Wer sein Haustier zu Hause während seiner Abwesenheit durch einen externen Dienstleister betreuen und versorgen lässt, kann demnach die Kosten als haushaltsnahe Dienstleistung steuerlich geltend machen. Was das Urteil auch für tierlose Haushalte so interessant macht, ist die Begründung.

Die Richter begründeten ihr Urteil nämlich damit, dass das Einkommensteuergesetz keine explizite Abgrenzung zu personenbezogenen Dienstleistungen enthält. Zudem sei der Begriff „haushaltsnah“ sinnverwandt mit dem Begriff „hauswirtschaftlich“. Nach dieser erweiterten Auslegung der Rechtsprechung lassen sich alle hauswirtschaftlichen Tätigkeiten steuerlich geltend machen, die dazu beitragen, die Versorgung einer im Haushalt lebenden Familie sicherzustellen, eben auch die von Haustieren (Az.: VI R 13/15).

Schon 2014 hatte der Bundesfinanzhof in einem Fall, bei dem es um die Absetzbarkeit des Schneeräumens ging, entschieden, dass haushaltsnahe Dienstleistungen nicht zwingend an der Grundstücksgrenze enden (Az. VI R 56/12).

Nun obliegt es der Fantasie der Steuerbürger, die Tür, die der BFH für die Anerkennung von sonstigen haushaltsnahen Dienstleistungen aufgestoßen hat, noch weiter zu öffnen. Wichtig dabei: Bürger können 20 Prozent des tatsächlichen Aufwandes, maximal aber 4.000 Euro, für haushaltsnahe Dienstleistungen direkt von der festgesetzten Steuer abziehen. Die Kosten müssen sie jedoch zuvor unbar beglichen haben. Wer bar gezahlt hat, kann keine Steuern sparen, selbst wenn er Nachweise vorlegt.

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Günter Balharek

Günter Balharek

Geschäftsführer Dipl.-Finw, StB bei alpha Steuerberatungsgesellschaft mbH

Günter Balharek ist Dipl.-Finanzwirt und Steuerberater. Seit 2010 ist er Geschäftsführer der alpha Steuerberatungsgesellschaft mbH mit Hauptsitz in Büdingen. Zuvor leitete Günter Balharek die Niederlassung in Frankfurt.

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