Zi-Praxis-Panel für 2013 bis 2016

Mehr Kosten, mehr Arbeit, mehr Einkommen: Die wirtschaftliche Lage der Arztpraxen in Deutschland

Seit 2009 bietet das Zi-Praxis-Panel eine längsschnittliche und repräsentative Darstellung der Kosten, Umsätze und Überschüsse in deutschen Arztpraxen. Nun liegen die aktuellen Berichte für die Jahre 2013 bis 2016 vor. Auskunft gaben insgesamt 6.500 Ärzte und Psychotherapeuten.

Die wirtschaftliche Situation in Deutschlands Arztpraxen lässt sich so zusammenfassen: Die Einnahmenentwicklung hat sich in den Jahren 2013 bis 2016 deutlich verbessert, allerdings steigen auch die Betriebskosten weiter an.

So stiegen die Überschüsse der Praxen im Beobachtungszeitraum unter Berücksichtigung der Inflationsrate um durchschnittlich 5,3 Prozent pro Jahr an – im Mittelwert über alle Fachgebiete hinweg auf 170.400 Euro im Jahr 2016. Die reale Verbesserung der Überschusssituation erfolgte überwiegend in den Jahren 2014 und 2016 gegenüber dem
jeweiligen Vorjahr (+8,2 % bzw. +5,3 %).

Die Zuwächse lagen damit über der Entwicklung der Tariflöhne, die im gleichen Zeitraum im Jahresmittel um 4 Prozent zulegten. In diesem arithmetischen Mittelwert kommt jedoch nicht zum Ausdruck, dass die wirtschaftliche Lage nach Art und Umfang der Praxistätigkeit sehr unterschiedlich ausfiel. So hatten laut den in Tabelle 25 berichteten Verteilungswerten im Jahr 2016 25 % der Praxisinhaber einen Jahresüberschuss von weniger als 95.500 Euro. 50 % der Praxisinhaber hatten einen Jahresüberschuss von weniger als 147.900 Euro. 75 % der Praxisinhaber hatten einen Jahresüberschuss von weniger als 213.800 Euro.

Betriebskosten in Arztpraxen weiter angestiegen

Dabei hat die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) an Bedeutung weiter zugenommen. Von 2013 bis 2016 sind die GKV-Einnahmen der Arztpraxen um durchschnittlich 5,3 Prozent jährlich gestiegen. Dabei wuchs der Anteil der aus der GKV erzielten Einnahmen von 74,1 Prozent im Jahr 2013 auf 75,8 Prozent im Jahr 2016.

Noch höher als die Zuwächse bei den Überschüssen fiel über den gesamten Zeitraum hinweg allerdings der Anstieg der Betriebskosten aus, der lag nämlich bei 9,9 Prozent. Der Kostenanstieg überschritt damit sichtbar die Entwicklung der Verbraucherpreise, die im gleichen Zeitraum im Bundesdurchschnitt um 1,7 % zunahmen (Statistisches Bundesamt, 2018). Hauptsächliche Kostentreiber waren dabei die Personalaufwendungen (+18,4 Prozent) und die Mietkosten (+3,8 Prozent).

Mit Investitionen halten sich Niedergelassene trotz gestiegener Überschüsse weiterhin zurück: 50 Prozent der Niedergelassenen investiererten 2016 sogar weniger als 2.000 Euro in die Praxis. Sinkende Abschreibungsraten (-12,3 Prozent) und steigende Wartungs- und Instandhaltungskosten (+18,6 Prozent) deuten außerdem auf eine längere Nutzung der Praxis-Geräte hin.

Soviel müssen Ärzte pro Woche im Durchschnitt arbeiten

Die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten arbeiteten im Jahr 2016 im Durchschnitt 48 Wochenstunden. Angestellte Ärzte arbeiten in der Regel deutlich weniger als selbständige Ärzte, im Schnitt rund 23 Wochenstunden. Etwa 50 Prozent der Angestellten hatten Arbeitsverträge im Umfang von über 5 bis zu 20 Wochenstunden.

Dr. Andreas Gassen kommentiert die Ergebnisse

„Die Niederlassung sollte gegenüber alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten jüngerer Ärztinnen und Ärzte wieder konkurrenzfähig werden“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen, bei der Vorstellung der Ergebnisse. „Ärztliche Arbeitszeit ist ein immer knapper werdendes Gut. Altersbedingt werden in den nächsten Jahren viele niedergelassene Ärzte ihre Praxen aufgeben. Immer weniger junge Ärztinnen und Ärzte sind bereit, sich selbständig niederzulassen anstatt eine Anstellung zu suchen. Je mehr Teilzeitmodelle zur Regel werden, umso stärker nimmt die zur ambulanten medizinischen Versorgung verfügbare ärztliche Arbeitszeit ab. Dieser Verknappung muss energisch entgegen gewirkt werden“, betonte Gassen.

Die Sicherstellung der ambulanten ärztlichen Versorgung könne aber nur gelingen, wenn die Arztpraxen ihre Aufgaben auf Basis eines soliden ökonomischen Fundaments sicherstellen könnten, so der KBV-Chef weiter. Gassen forderte die Politik auf, sich klar zur ambulanten Versorgung zu bekennen: „Die Verdienstmöglichkeiten in der eigenen Praxis mit hohem wirtschaftlichem Risiko müssen mindestens genauso gut sein wie in der sicheren Anstellung in anderen medizinischen Versorgungsbereichen.“

Anzeige

Nachfrage nach telemedizinischen Anwendungen steigt

Patienten stehen Videosprechstunden positiv gegenüber. Jeder dritte Patient, so die Studie, würde die digitale Form der Sprechstunde nutzen wollen. Mehr
Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

Weitere Artikel zum Thema:

Rückforderungen drohen

Honorare: Probleme beim Kassenwechsel der Patienten vermeiden


ZI-Studie über Praxen

Wirtschaftliche Lage stagniert


IGeLn - aber richtig

Neuer Ratgeber für Ärzte


Arzt muss zahlen

Weiterbildungsassistent vernachlässigt: KV fordert Honorare und Fördermittel zurück


Praxistipps des Monats

Rückstellungen für Honorarrückforderungen