Arbeitsalltag

Praxismitarbeiter: Mehr Pausen sorgen für mehr Leistung

Erholte Mitarbeiter sind aufmerksamer und kreativer. Daher spielen kleine Auszeiten am Arbeitsplatz eine wichtige Rolle. Mit ein paar Tipps und Tricks lassen sich diese noch effektiver gestalten.

Schon wieder eine Pause? Oft werden Mitarbeiter vorwurfsvoll angeschaut, wenn sie sich eine Auszeit gönnen, sich „schon wieder“ einen Kaffee holen oder einfach mal nur dasitzen und am offenen Fenster die frische Luft und Sonnenstrahlen genießen. Doch genau darüber sollte sich jeder Chef freuen. Denn erholt arbeitet man kreativer, aufmerksamer und genauer. Richtig eingesetzte Pausen verringern nicht die Arbeitsleistung. Ganz im Gegenteil: Sie können diese sogar erhöhen! Für den größten Effekt ist allerdings entscheidend, wann und wie lange die Arbeit unterbrochen wird.

Wissenschaftler empfehlen, bereits eine Pause einzulegen, bevor die Konzentration überhaupt nachlässt. Also früher als wir denken. Viele Menschen nehmen ihre Ermüdung erst wahr, wenn sie unerträglich geworden ist. Sie pausieren zu spät. Dabei nimmt die Erschöpfung umso schneller zu, je länger man müde weiterarbeitet. Da hilft nur, sich zu erholen. Eine Pause sollte möglichst von vornherein geplant werden und nicht erst spontan gemacht werden, wenn man müde ist. Wenn Sie erschöpft sind, dann wird Ihr Atem flacher, Ihr Puls beschleunigt sich und die Konzentration lässt nach. Dem subjektiven Müdigkeitsempfinden kann man dagegen nicht immer trauen. Gerade wer hochmotiviert an etwas arbeitet, hat oft noch kein Bedürfnis nach einer Pause, obwohl er körperlich bereits ermüdet ist.

Pro Stunde eine kurze Auszeit

Unsere Leistungsfähigkeit schwankt in einem etwa 90-minütigem Rhythmus. Nach spätestens 70 bis 80 Minuten konzentrierter Arbeit schaltet der Körper für etwa 20 Minuten auf Erholung um. In dieser Zeit fällt es schwerer, sich zu konzentrieren. Spätestens jetzt sollten Sie eine Pause einlegen. Viele Studien belegen, dass eine kurze Pause nach etwa einer Stunde Arbeit besonders guttut. Sie beugt der Müdigkeit vor und steigert die Leistung. Wer sich regelmäßig entspannt, kann Informationen nachweislich besser verarbeiten und behalten.

Vor allem frei gewählte Pausen sind erholsam, wenn Sie selbst entscheiden können, wann Sie sie machen. Allerdings natürlich nur dann, wenn Sie sie als kurze Pausen zwischendurch nehmen. Wer sie ganz ans Arbeitsende packt, hat keinen Erholungswert davon.

Unterschiedliche Pausenarten

Manche Pausen sind vorgeschrieben, zum Beispiel durch das Arbeitszeitgesetz oder Tarifverträge. Auch auf diese Auszeiten sollte niemand verzichten. Arbeitsbedingte Pausen dagegen, die unter anderem entstehen, weil man gerade auf eine neue Aufgabe wartet oder sich ein Termin verzögert, sind in der Regel kaum erholsam. Statt sich zu entspannen, wird man nervös. Der Betroffene ist gestresst, da er sich in einer ständigen Warteposition befindet und kann nicht abschalten.

Wieder fit durch Mini-Meditation

Gönnen Sie sich möglichst regelmäßige Auszeiten von etwa fünf Minuten pro Stunde. So die Faustregel. Das hält am besten fit. Eine Studie fand heraus, dass eine zehnminütige Pause pro Stunde effektiver war als eine 15-minütige Pause alle 90 Minuten. Je nachdem, welcher Erfolgseffekt erreicht werden soll (Energie tanken oder zur Ruhe kommen), muss die Gestaltung dementsprechend erfolgen. Bei leichter körperlicher und geistiger Arbeit sind aktive Pausen besser geeignet. Ideal ist es, wenn Sie sich in dieser Zeit bewegen, einen kurzen Spaziergang durch die Praxis machen oder ein paar Stretch-Übungen ausführen. Das bringt wieder neue Energie. Wer dagegen die ganze Zeit in Bewegung war, tankt besser mit einer meditativen Atemübung am geöffneten Fenster auf: Einfach tief durch die Nase ein- und ausatmen und in Gedanken langsam ein zweisilbiges Wort wie „Ruhe“ aussprechen. Auch gut: Etwas anderes machen, wie ein angenehmes Telefonat führen oder Papiere sortieren. Das ist zwar nicht ganz so erholsam wie eine richtige Pause, aber bringt eine kleine Entspannung zwischendurch.

In der Regel lieber kürzer als länger

Den größten Erholungseffekt hat man am Anfang der Pause. Mit zu kurzen Auszeiten können Sie sich allerdings nicht erholen. Fünf Minuten sollten Sie sich immer mindestens gönnen. Zu lange Pausen (mehr als 40 Minuten) dagegen können auch wieder von Nachteil sein: Sie bringen Sie aus dem Arbeitsfluss, und der Erholungseffekt ist nicht wesentlich größer als bei einer kurzen Pause. Eine längere Unterbrechung ist nur sinnvoll, wenn der Körper sowieso im Leistungstief ist, also mittags. Deshalb sollten Sie auf eine Mittagspause, die Sie zum Essen oder für einen Spaziergang nutzen, nicht verzichten.

So ist die Rechtslage

Pausen sind oft ein Streitthema zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Aber das Arbeitszeitgesetz sichert Beschäftigten ein Recht darauf zu. Niemand darf länger als sechs Stunden am Stück durcharbeiten, ohne 30 Minuten Auszeit zu haben. Und: Wer länger als neun Stunden arbeitet, hat sogar ein Recht auf 45 Minuten Unterbrechung. Doch: Sie sollten sich und Ihren Mitarbeitern mehr Erholung gönnen, denn mehr Pausen sind wesentlich besser – für jeden Einzelnen und den Betrieb.

 

Anzeige

Mehr Zeit für Patientinnen mit digitalen Services: ein Beispiel aus der Gynäkologie

In der Gynäkologie ist Terminvergabe oft komplex und telefonische Terminvereinbarungen oder Rückfragen binden das Praxispersonal an das Telefon. Digitale Lösungen wie zum Beispiel der digitale Term... Mehr
Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib

Weitere Artikel zum Thema:

Chef-Typologie

Gute Führungsstile für die Arztpraxis


Erste Hilfe für Niedergelassene

KBV ordert eine Million Schutzmasken für Arztpraxen


Corporate Identity

Profi-Tipps: Privatpatienten für die Praxis gewinnen


Unverwechselbare Profilierung

Werbung für die Arztpraxis: Bewährte Marketingformel für niedergelassene Ärzte


Mit kostenloser Leseprobe

Buchtipp: Praxis-Neugründung