Police besser nicht kündigen

Lebensversicherung gekündigt: So holen Sie sich Ihr Geld zurück

Wer früher eine Lebensversicherung kündigte, machte oft hohen Verlust. Doch ein BGH-Urteil sichert Ansprüche auf Nachzahlungen. Insgesamt in Milliardenhöhe. Wir erklären, wie Sie an Ihr Geld wieder rankommen.

Was ist in der Krise schon sicher? Aktien, Lebensversicherungen – viele vermeindliche Experten machen sich wichtig und versuchen, Krisengewinner zu werden. Genau genommen weiß es niemand aber wirklich ganz genau. Mit einer Lebensversicherung erhoffen sich viele zumindest eine private Absicherung im Alter.

Über 90 Millionen Policen gibt es deshalb auch in Deutschland. Was viele aber gar nicht wissen: Bei jedem Vertragsabschluss werden hohe Provisionen und Gebühren fällig, die der Kunde mitbezahlen muss und die in der Folgezeit von seinen regelmäßig eingezahlten Beiträgen abgezogen werden. Ohne dass er dies noch mitgeteilt bekäme oder erkennen könnte. Kündigt er die Police, weil er sie nicht mehr will oder nicht länger bedienen kann, ist dieser Teil seiner Gelder häufig unwiederbringlich verloren. Doch einiges davon können Kunden von ihrer Lebensversicherungsgesellschaft nun wieder zurückfordern.

Interessante aktuelle Studien belegen, was bei kritischer Betrachtung ohnehin nahe liegt: Ist die Wirtschaft so wie derzeit in der Krise, kündigen mehr Menschen ihre Lebensversicherungsverträge. Weil sie sich die Beiträge nicht mehr leisten können, weil sie zu genauerem Rechnen gezwungen sind, weil sie Zweifel an der Rentabilität ihrer Prämien haben. Das kann Sinn machen, doch zuerst sollte man sich von seinem Versicherer ausrechnen lassen, was man bei Kündigung noch bekommt. Das ist der so genannte Rückkaufswert. Häufig kann der viel niedriger ausfallen, als die bislang eingezahlten Prämien.

Kunden erhalten nach Kündigung mehr Geld zurück

■ Verträge ab 2008 – Wurde eine Lebensversicherung nach Jahresbeginn 2008 abgeschlossen, regelt das seither geltende Versicherungsvertragsgesetz den Anspruch auf einen genau festgelegten Rückkaufswert. Der Kunde geht bei einem Frühstorno hierdurch zumindest nicht mehr leer aus, wie dies bei Verträgen und Kündigungen vor dem Jahr 2008 oft der Fall war.

■ Verträge vor 2001 – Wer vor 2001 eine LV-Police abschloss und danach kündigte, verfügt inzwischen ebenfalls über geregelte Ansprüche. Bei ihm wurden in aller Regel hohe Stornogebühren abgezogen und unterm Strich kam als Rückkaufswert wesentlich weniger heraus, als er bis zur Kündigung einbezahlt hatte.

Dem schob der Bundesgerichtshof im Oktober 2005 allerdings einen wirksamen Riegel vor (Az.: IV ZR 162/03, 177/03 und 245/03). Die BGH-Richter beanstandeten undurchsichtige Klauseln bei Verträgen, die zwischen 1994 und 2001 abgeschlossen wurden. Wird solch ein Vertrag gekündigt, darf der laut BGH-Urteil nicht mehr mit einem Stornoabzug belastet werden. Und der Kunde hat Anspruch auf einen so genannten Mindestrückkaufswert, der wenigstens 40 bis 45 Prozent der eingezahlten Beiträge ausmacht.

Seinerzeit leer ausgegangene Kunden haben seither Anspruch auf Nachforderungen. Doch nicht alle Versicherer zahlen diese auch anstandslos. Viele wehren sich vielmehr trickreich dagegen. Bislang, so schätzen die Verbraucherverbände, wurde von rund 3,5 Milliarden Euro Nachschlag nur ein Bruchteil ausgezahlt. Die Verbraucherzentrale Hamburg etwa hilft, bündelt Nachforderungen und versucht, mit Sammelklagen die Ansprüche der Kunden durchzusetzen.

Es droht Verjährung der Ansprüche

Doch aufgepasst, es droht Verjährung für Altverträge, die vor 2005 gekündigt wurden. Bei der Verbraucherzentrale Hamburg ist man der Auffassung, dass die Verjährungsfrist mit der Entscheidung des Bundesgerichtshofes zu diesem Thema begann, nämlich im Oktober 2005. Das würde bedeuten, dass Ende 2010 die Ansprüche dann verjähren. Und das bedeutet: Bis zu diesem Zeitpunkt haben Leute noch Zeit, ihre Ansprüche anzumelden und durchzusetzen.

■ Verträge von 2001 bis 2007 – Auch für Verträge aus diesem Zeitraum bemängeln Verbraucherschützer undurchsich- tige Klauseln, ähnlich denen der früheren Policen. Deshalb sollte, wer Verträge aus diesem Zeitraum gekündigt hat, ebenfalls Nachforderungen beanspruchen.

Die Aussichten sind günstig, denn zu Verträgen dieser Zeitspanne betreibt die Verbraucherzentrale Hamburg derzeit vier Verbandsklagen, in denen sie feststellen lassen will, dass auch diese Rückkaufswert- und Beitragsfreistellungsklauseln unwirksam sind. Das lässt weitere sieben Millionen Kunden auf Nachschlag hoffen.

Übrigens: Wer die alten Unterlagen gekündigter Verträge nicht aufgehoben, sondern bereits weggeworfen hat, kann sich an seinen ehemaligen Versicherer wenden. Der ist verpflichtet, alte Unterlagen herauszugeben. Merke: Wer nachfordern und an den Milliardenkuchen ran will, muss aktiv werden.

Unser Praxis-Tipp

Vermeiden Sie, …

… zu kündigen. Nur wenn Sie ein Minus auf dem Konto ausgleichen müssen, ist es besser die Police zu kündigen, statt weiter Schulden zu machen. Je geringer die Notlage, desto eher sollten Sie versuchen den Vertrag zu halten. Sie können die Police dazu auch beitragsfrei stellen. Der Vertrag bleibt so bestehen, Sie zahlen aber nichts mehr ein. Gerade im letzten Drittel der Laufzeit ist das eine sinnvolle Alternative. Lohnender als die Kündigung kann auch ein Verkauf der Police auf dem Zweitmarkt sein. Firmen wie Cashlive, Policendirekt oder CFI-Fairpay bieten einen höheren Erlös, kaufen inzwischen aber nur noch ganz selektiv Verträge auf. Eine Anfrage ist es auf jeden Fall wert.

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