ROHSTOFFANLAGEN

In Öl, Gold & Co. investieren

Gold ist teuer, Öl lukrativ. Wer in Rohstoffe investieren und an deren Marktbewegungen verdienen will, muss sich aber auf Fallstricke gefasst machen. Wir erklären, worauf Sie achten müssen.

Verschroben, weltfremd, überängstlich – es ist noch nicht lange her, da wurden bekennende Anhänger des Edelmetalls Gold bestenfalls belächelt. Wenn man denn überhaupt je auf ein Exemplar dieser seltenen Spezies traf. Eineinhalb Finanzkrisen später hat sich dieses Bild gründlich gewandelt. Gold ist „talk of the town“, Aufkäufer schalten inzwischen sogar TV-Spots, ein Depotanteil von fünf bis zehn Prozent gehört bei Anlageberatungen längst zum guten Ton.

Und der Preis steigt weiter.
Das gilt zumindest für die Berechnung in Euro. Da Gold in Dollar gehandelt wird und dieser aufgrund des Schuldendramas in der Euro-Zone gegenüber der Gemeinschaftswährung gestiegen ist, profitierten Edelmetall-Investoren hierzulande zuletzt von den Entwicklungen am Währungsmarkt. Während der Turbulenzen rund um die Griechenland-Krise stieg der Preis für die Feinunze (31,1 Gramm) so dramatisch wie nie zuvor.

Kein Wunder: Traditionell gilt das gelbe Metall als sicherer Hafen in Krisensituationen und als Schutz vor Geldentwertung, die für viele Anleger nach den milliardenschweren Rettungsaktionen für Banken, Wirtschaft und nun auch ganze Staaten ein immer realistischer anmutendes Szenario wird. Wer also dar über nachdenkt, Edelmetalle zu kaufen, muss sich zunächst klar werden, welche Ziele er mit seinem Investment erreichen will. Wer sich etwa gegen einen System-GAU mit Währungsreform absichern will, für den scheiden Zertifikate schon mal aus. Denn das sind Schuldverschreibungen, die im Fall der Insolvenz des Emittenten wertlos verfallen. Wie real dieses Risiko sein kann, bekamen Anleger zu spüren, die in Zertifikate der USPleitebank Lehman Brothers investiert hatten.

Eine Spur sicherer ist Gold in Form börsengehandelter Rohstofffonds (ETCs). Diese Produkte verbriefen den Anspruch auf eine bestimmte Menge physischen Golds, mit dem die Papiere nach Auskunft ihrer Anbieter hinterlegt sind. Die Nachfrage ist enorm: Allein die Zuflüsse in das Produkt von ETF Securities haben binnen Jahresfrist um 36 Prozent zugelegt. Doch auch auf das Gold in den Tresoren der ETC-Anbieter hätten die Investoren letztlich keinen Zugriff, wenn es zu einer schweren Krise kommen sollte. Wer das mit letzter Sicherheit gewährleistet wissen will, der muss Gold in physischer Form, also Münzen oder Barren, erwerben. Das ist durch die Aufschläge für die Prägung (bei Münzen) und die Marge für den Verkäufer teurer, vor allem bei kleinen Stückelungen. Zudem muss sich der Anleger Gedanken machen, wo er das Gold lagern will.

Das gelbe Metall
hat dabei noch den Vorteil gegenüber anderen Edelmetallen, dass sein Erwerb steuerfrei ist. Beim Kauf von Silber, Platin und Palladium fällt jeweils Mehrwertsteuer an. Dennoch beobachten Händler wie auch ETC-Anbieter eine wachsende Nachfrage auch nach diesen Metallen. Zunehmend diversifizieren Anleger ihre Anlagen – das lässt erahnen, dass die Zuflüsse in Silber-ETCs und besonders in die Platin- und Palladium-ETCs weiterhin dynamischer sein werden als jene in Gold.

Alle drei Metalle haben sich auf Jahressicht sogar noch besser entwickelt als Gold, besonders der Preis für Palladium ist geradezu explodiert. Ein Teil dieser Entwicklung geht allerdings auf das Konto der gesamtwirtschaftlichen Erholung – Platin, Palladium und Silber spielen neben ihrer Funktion als Wertaufbewahrungsmittel wichtige Rollen als Industriemetalle. So werden etwa Platin und Palladium für die Herstellung von Auto-Katalysatoren benötigt. Fiele die Weltkonjunktur erneut zurück in den Krisenmodus, dürfte es die Geschwister des Goldes empfindlich härter treffen als Gold, das für die industrielle Fertigung so gut wie keine Rolle spielt und dessen Wert sich praktisch allein nach seinem begrenzten Aufkommen bemisst.

Neben Edelmetallen dürfte Rohstoffen insgesamt als Anlageklasse eine positive Zukunft beschieden sein. Sie gelten als Sachwerte, die einer möglichen Geldentwertung trotzen können. Auch Öl, Kupfer & Co. haben nach den Marktturbulenzen, die der Lehman-Pleite folgten, schon wieder dramatisch zugelegt. Bei den Agrarrohstoffen wie Mais, Zucker oder Weizen erwarten Experten eine Angebotsknappheit auf Grund der weiteren Zunahme der Weltbevölkerung bei stagnierenden oder gar rückläufigen Anbauflächen. Entsprechend haben die Banken auch schon dafür gesorgt, dass interessierte Anleger sich kein Ölfass und keine Zuckertonne in den Keller stellen müssen. Über Zertifikate, börsengehandelte Indexfonds (ETFs) oder Schuldverschreibungen, die die Entwicklung von Rohstoffen abbilden, lässt sich vermeintlich bequem auf steigende und sogar fallende Kurse spekulieren.

Doch diese Anlagen haben ihre Tücken. Da Anleger in der Regel kein Interesse am physischen Rohstoff haben, kaufen sie Produkte, die in Terminkontrakte an den Rohstoffmärkten investieren. Nach Ablauf solcher in der Regel drei Monate laufenden Kontrakte würde der Rohstoff an den Anleger geliefert. Um das zu vermeiden, muss in einen neuen Kontrakt „gerollt“ werden. Ist dieser teurer als der alte, nagt dieser „Rollverlust“ an der Rendite.


A&W-KOMPAKT
Die Enttäuschung beim Anleger …

… ist oft groß, wenn seine Idee – etwa ein steigender Ölpreis – im Prinzip aufgegangen ist, das Instrument aufgrund seiner Konstruktion diese Rendite aber bei Weitem nicht abgebildet hat. Hier sind Anleger mit aktiv gemanagten Rohstofffonds möglicherweise besser bedient. Ob und inwieweit Gold, Silber, Kupfer oder Weizen im Depot eines Anlegers Sinn ergeben, ist eine ganz individuelle Frage. Wie sie zu beantworten ist, hängt unter anderem von der Risikoneigung, den Lebensumständen und der Höhe des Anlagevermögens ab.

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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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