"Krankenkassenfunktionäre horten Milliarden"

Montgomery: Beitragsgelder gehören in die Patientenversorgung

Die gesetzlichen Krankenkassen haben nach den vorläufigen Finanzergebnissen des Jahres 2016 einen Überschuss von rund 1,38 Milliarden Euro erzielt. Am Ende des vergangenen Jahres betrug die Gesamt-Reserve von Krankenkassen und Gesundheitsfonds zusammen 25 Milliarden Euro. Nicht jeder Experte hält das für eine positive Entwicklung.

Reserven von 25 Milliarden Euro, eine moderate Ausgabenentwicklung: Die gesetzlichen Krankenversicherungen stehen auf einer soliden Basis. Die Versicherten freuen sich über stabile Beiträge als Folge. Allerdings freuen sich nicht alle Experten über die aktuelle Entwicklung. So hat Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery ein kritisches Statement zu dem vom Bundesgesundheitsministerium veröffentlichten vorläufigen Finanzergebnis der gesetzlichen Krankenversicherung veröffentlicht.

„Viele Versicherte fragen sich zu Recht, warum ein großer Teil ihrer Beitragsgelder nicht in der Patientenversorgung ankommt. Da bunkern die Krankenkassen mehr 25 Milliarden Euro Überschüsse, obwohl für die dringend notwendige Neuausrichtung unseres Gesundheitswesens an allen Ecken und Enden das Geld fehlt“, so der Präsident. Viele Menschen würden in ihrem Ort keinen Arzt mehr finden oder müssten kilometerweit fahren. Während bei der jüngsten Grippewelle Patienten sogar auf den Fluren der Kliniken untergebracht werden mussten, würden hier Milliarden gehortet und gleichzeitig Forderungen nach Sparmaßnahmen und Klinikschließungen laut. „Vor diesem Hintergrund ist es einfach nicht vermittelbar, dass die Krankenkassenfunktionäre auf dem Geld der Versicherten sitzen oder es für interne Bürokratie verplempern. Nach der neuesten Statistik liegen die Nettoverwaltungskosten der Kassen bereits einen Prozent über den Ausgaben für Hilfsmittel. So kann es nicht weitergehen.“

Gegen eine vernünftig bemessene Notreserve sei nichts einzuwenden, so Montgomery. Krankenkassen seien aber keine Sparkassen: „Ihre gesetzliche Aufgabe ist es, ausreichend Mittel zur Verfügung zu stellen, um die Gesundheit der Versicherten zu erhalten, wiederherzustellen oder ihren Gesundheitszustand zu bessern.“ Dazu gehöre auch, den weiteren Ausbau sektorenübergreifender Strukturen finanziell zu unterstützen. „Die Kassenfunktionäre sollten von ihren Bilanzen aufschauen und einen Blick in unsere Notfallambulanzen und -praxen werfen. Dort haben sich die Patientenzahlen in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten am Limit und fordern zu Recht bessere sektorenübergreifende Strukturen. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen sind hierfür zwischen 700 Millionen und einer Milliarde Euro notwendig.“ Das Geld wäre da jedenfalls gut angelegt.

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