Aktueller Steuertipp

Online-Verkäufe: Wann wird Umsatzsteuer fällig?

Rechnen Sie auch dieses Jahr wieder mit Geschenken, die Sie sich ganz sicher noch nicht gewünscht haben? Dann gehören Sie vielleicht auch zu den Menschen, die diese ungeliebten Präsente bei Ebay & Co. wieder loswerden wollen. Und bei der Gelegenheit auch noch andere Dinge anbieten, die nicht mehr gebraucht werden. Doch das kann ab einer gewissen Menge durchaus problematisch werden: Der Fiskus verstärkt seine Aktivitäten gegen Steuersünder nämlich auch im Internet. Dabei gehen den Fahndern immer öfter Menschen ins Netz, die sich für reine Privat-Verkäufer halten.

Der Handel auf digitalen Flohmärkten wie Ebay boomt. Doch auch das Finanzamt möchte bei den Geschäften mitverdienen. Wer nur gelegentlich private Gegenstände online verkauft, braucht den Fiskus nicht zu fürchten. Dazu zählen Hausrat und Kleidung ebenso wie Gegenstände aus einer Sammlung. Wird jedoch Internethandel regelmäßig und nicht nur mit persönlichen Sachen betrieben, werden die Finanzbehörden schnell misstrauisch. Wie die Wirtschaftskanzlei WWS aus Mönchengladbach warnt, überschreiten rege Privatverkäufer die Schwelle zum Gewerbe recht leicht. Dann werden die Umsätze womöglich aber umsatzsteuerpflichtig und das Finanzamt macht auf einen Schlag hohe Nachforderungen inklusive Strafzinsen geltend. In schweren Fällen droht obendrein ein Strafverfahren.

Tatsächlich kontrollieren Steuerfahnder den Online-Handel schon seit einigen Jahren immer strenger. Mit moderner Prüfsoftware suchen sie auf Handelsplattformen wie Ebay, Amazon oder Hood nach Schwarzhändlern. Neben gewerblichen Akteuren nehmen die Fahnder auch umsatzstarke Privatverkäufer unter die Lupe. „Steuerfahndern bleibt kaum etwas verborgen“, betont Steuerberaterin Martina Dapper von der WWS. „Besteht der Verdacht auf Schwarzhandel, können die Beamten bei den Portalbetreibern detaillierte Auskünfte einfordern.“ Sie haben nicht nur Zugriff auf Daten von bestehenden, sondern auch von gelöschten Accounts. Durch eine Weiterleitung an die zuständigen Finanzämter wird schnell offenbar, ob es sich um schwarze Umsätze handelt. Viele private Online-Verkäufer unterschätzen das Thema „Umsatzsteuer“ trotzdem noch immer.

Wo aber verläuft die Trennlinie zwischen privater und unternehmerischer Tätigkeit online? Das ist für Laien oft schwer einzuschätzen, denn es existieren keine eindeutigen Kriterien wie etwa eine Umsatz- oder Gewinngrenze. Die Finanzverwaltung entscheidet aufgrund der Gesamtverhältnisse im Einzelfall anhand allgemeiner Maßstäbe. Die laufende Rechtsprechung geht von einer unternehmerischen Tätigkeit aus, wenn viele Gegenstände nachhaltig, planmäßig, wiederholt und mit erheblichem Organisationsaufwand verkauft werden.

User müssen vor allem aufpassen, wenn sie regelmäßig hohe Umsätze tätigen und dabei gleichartige oder neu gekaufte Produkte veräußern. Bereits 40 Verkaufsangebote in einem Zeitraum von fünf Monaten können die Finanzbehörden als Indiz für unternehmerische Aktivitäten deuten. „Eine fehlende Gewinnerzielungsabsicht ist umsatzsteuerlich nicht relevant“, sagt WWS-Beraterin Dapper. „Ebenso ist es unerheblich, wenn Gegenstände ursprünglich nicht mit Verkaufsabsicht erworben wurden.“ Private Online-Verkäufer sollten frühzeitig abklären, ob ihre Verkaufsvorhaben als unternehmerische Tätigkeit gewertet werden können. Wer die maßgeblichen Kriterien erfüllt, sollte entweder seine Verkäufe einschränken oder vorsichtshalber ein Gewerbe anmelden.

Was die meisten privaten Online-Verkäufer nicht wissen: Eine vom Finanzamt festgestellte Unternehmereigenschaft betrifft alle Verkaufsaktivitäten. Dann sind sämtliche Verkäufe auf allen Handelsplattformen unter allen Benutzernamen umsatzsteuerlich relevant. Gleiches gilt auch für Veräußerungen außerhalb des Internets. „Ehepaare etwa sollten ihre Verkaufsaktivitäten deshalb strikt trennen“, rät WWS-Beraterin Dapper. Dazu gehört vor allem die Einrichtung von separaten Benutzerkonten. So lässt sich vermeiden, dass Partnern Verkäufe des anderen zugerechnet werden und dadurch die Schwelle zur unternehmerischen Tätigkeit schneller überschritten wird. Zudem kann jeder Einzelne den Freibetrag für die Unternehmensteuer ausschöpfen. Im Rahmen der Kleinunternehmerregelung sind Umsätze von bis zu 50.000 Euro im laufenden Kalenderjahr und 17.500 Euro im Vorjahr steuerbefreit.

Geht das Finanzamt von einer unternehmerischen Tätigkeit aus, können sich Steuerzahler zur Wehr setzen. Dazu müssen sie den Umfang ihrer Aktivitäten überprüfbar darlegen. Andernfalls wird das Finanzamt den erzielten Gewinn schätzen – was für den Steuerpflichtigen meist unvorteilhaft ist. „Wer regelmäßig online Sachen verkauft, sollte sicherheitshalber alle Aktivitäten systematisch dokumentieren“, rät WWS-Beraterin Dapper. „Dazu gehören Aufzeichnungen von Ein- und Verkäufen sowie Kontoauszüge, die Ausgaben und Einnahmen genau belegen.“ So lässt sich ein Anfangsverdacht der Finanzbehörden besser entkräften.

Fazit: Private Online-Verkäufe können je nach Art und Umfang der verkauften Ware erhebliche steuerrechtliche Konsequenzen haben. Wer nicht nur gelegentlich auf Verkaufsportalen aktiv ist, sollte vorab einen steuerlichen Berater konsultieren. So sind Verkäufer auf der sicheren Seite und wecken mit ihren Geschäften kein Misstrauen bei den Finanzbehörden.

 Über die WWS-Gruppe:

Die WWS ist eine überregional tätige, mittelständische Wirtschaftsprüfungs-, Steuerberatungs- und Rechtsberatungskanzlei. Sie ist an drei Standorten am Niederrhein vertreten (Mönchengladbach, Nettetal, Aachen). Rund 130 Mitarbeiter entwickeln interdisziplinäre Beratungslösungen mit ganzheitlichem Anspruch. Die WWS-Gruppe besteht aus der WWS Wirtz, Walter, Schmitz GmbH, der Partnerschaftsgesellschaft Wirtz, Walter, Schmitz und Partner mbB und der Dr. Schmitz-Hüser WWS GmbH.  www.wws-gruppe.de

Anzeige

Die Förderung für die Telematikinfrastruktur (TI) sinkt - das Herzens-Angebot der CGM kommt

Ab 01. Juli 2018 sinkt die Förderung der TI-Ausstattung erneut. Diese Unwägbarkeit will CompuGroup Medical Deutschland AG (CGM) mit dem Herzens-Angebot ausräumen und gibt allen Ärzten das TI-Versp... Mehr
Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

Weitere Artikel zum Thema:

Verfahren vor dem Bundesgerichtshof

Benzinrechnung für Dienstwagen beim Finanzamt einreichen


Nachzahlung vom Finanzamt

Verzugszinsen vom Finanzamt


Vorteile für Selbständige und Gewerbetreibende

Telefontarif für Selbständige


Marburger Bund

Sonderkonditionen für Mitglieder


Verpflegungsmehraufwendungen

Neue Pauschalbeträge für Auslandsreisen


Anzeige