Panama Papers: Mehrheit für Verbot von Briefkastenfirmen

Die Mehrheit der Deutschen ist von den Enthüllungen der sogenannten Panama Papers keinesfalls überrascht. Manche zeigen sogar ein gewisses Verständnis. Dennoch spricht sich die Mehrheit für ein Verbot von Briefkastenfirmen aus, wie eine aktuelle YouGov-Umfrage zeigt.

Schon jetzt gelten die „Panama Papers“ als eine der größten Enthüllungen aller Zeiten. In den vergangenen Tagen haben die Süddeutsche Zeitung und hunderte andere Medien im In- und Ausland enthüllt, wie Reiche und Mächtige mit Hilfe von Briefkastenfirmen mutmaßlich Steuern vermieden und Geld gewaschen haben. Darunter sind viele Personen, die direkt oder indirekt in der Öffentlichkeit stehen, wie beispielsweise David Camerons Vater oder ein Jugendfreund Vladimir Putins. Aber auch diverse ehemalige und heutige Staatschefs sowie zahlreicher Manager kommen in den Enthüllungen vor. Ein Ende der Abgründe, die sich hier auftun, ist noch nicht abzusehen.

Während es beispielsweise in Island nach den Enthüllungen zu Demonstrationen gekommen ist, scheint die deutsche Bevölkerung bisher relativ gelassen auf den Skandal zu reagieren. Ein Grund dafür könnte sein, dass die meisten Deutschen wenig überrascht von den Enthüllungen sind – und manche sogar ein kleines bisschen Verständnis für die Steuerhinterziehung haben. Das zeigt jedenfalls eine aktuelle YouGov-Umfrage. Zu deren Ergebnissen gehört allerdings auch, dass sich die Mehrheit der Befragten auch für ein Verbot solcher Briefkastenfirmen ausspricht.

Lediglich jeder Vierte Befragte (24 Prozent), der die Nachrichten über die Panama Papers mitbekommen hat, sagte, die Enthüllungen hätten ihn überrascht. 73 Prozent geben sich hingegen wenig beeindruckt. Eine gewisse Resignation macht sich bei diesem Thema breit: Drei von vier Befragten (73 Prozent) denken, die Enthüllungen würden ohnehin keine langfristigen Folgen haben.

Wenn es um mögliche Konsequenzen geht, haben die Befragten einen klaren Favoriten: 59 Prozent würden ein generelles Verbot von Briefkastenfirmen befürworten, 33 Prozent sind dagegen. Diese Mehrheit gibt es übrigens bei den Wählern aller im Bundestag vertretenen Parteien. 62 Prozent der Unions-Wähler wären für ein solches Verbot, 61 Prozent der Sozialdemokraten und sogar 72 Prozent der Anhänger der Linkspartei sowie 70 Prozent der Grünen-Wähler.

Bislang bewegen sich die Enthüllungen allerdings noch fast komplett im nicht-justiziablen Bereich. Schließlich gibt es ein Verbot von Briefkastenfirmen nicht, daher sind die Tricks vielleicht moralisch verwerflich, aber rechtlich meistens trotzdem einwandfrei. Und so zeigen die Befragten durchaus auch ein bisschen Verständnis für die Steuertricks. Der Aussage „So lange sich die Leute an bestehende Gesetze gehalten haben, ist es ihr gutes Recht, auch durch Tricks Steuern etc. zu vermeiden“ stimmt die Hälfte der Befragten (50 Prozent) zu, etwas weniger (45 Prozent) sehen das keinesfalls so, 5 Prozent haben dazu noch keine Meinung.

Wie die weiteren Ergebnisse der Studie zeigen, findet die Hälfte der Deutschen es grundsätzlich moralisch akzeptabel, auf legalem Wege Steuern zu vermeiden. Und jeder Sechste (18 Prozent) sagt, er würde wahrscheinlich Steuern hinterziehen, wenn er die Möglichkeit dazu hätte und die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden, klein genug wäre.

Auf Basis des YouGov Omnibus wurden 1279 Personen im Zeitraum vom 5. bis 8. April 2016 repräsentativ befragt. Zu den Einzelheiten der „Panama Papers“ wurden nur jene 1147 Personen (90%) befragt, die etwas von den Enthüllungen mitbekommen hatten.

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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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