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Pflege: Finanzielle Beteiligung der Familien gering, psychische Belastung hoch


Old and young holding hands on light background, closeup

Etwa ein Viertel der Familien, die Angehörige pflegen, fühlt sich zeitlich und psychisch sehr stark belastet. Der finanzielle Aufwand durch Eigenbeteiligungen fällt hingegen relativ gering aus. Das sind zentrale Ergebnisse einer repräsentativen Befragung für den Pflege-Report 2020 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Für die Studie befragte das Institut Forsa rund 1.100 pflegende Angehörige.

“Jede vierte Person, die einen Angehörigen zu Hause pflegt, ist durch die Pflege insgesamt hoch belastet”, sagt Dr. Antje Schwinger, Leiterin des Forschungsbereichs Pflege im WIdO und Mitherausgeberin des Pflege-Reports. “Gleichzeitig machen die Ergebnisse deutlich, dass die zeitliche Belastung durch die Pflege sehr ungleich verteilt ist.” So wendet die Hälfte der pflegenden Angehörigen rund vier Stunden und weniger pro Tag für die Pflege auf, während ein Viertel der Haushalte mindestens siebeneinhalb Stunden (7,6 Stunden) pro Tag leistet.

Zeitliche Belastungen der Haushalte ungleich verteilt

Haushalte, in denen Menschen mit den Pflegegraden 3 bis 5 oder mit einer demenziellen Erkrankung gepflegt werden, sind besonders stark gefordert: Hier leistet ein Viertel der betroffenen Haushalte rund zehn Stunden Pflegearbeit pro Tag. Jeder zehnte dieser Haushalte gibt sogar Pflegezeiten von 20 Stunden und mehr pro Tag an. Insgesamt wurde für knapp 26 Prozent der befragten Pflegepersonen eine “hohe Belastung”. Für 43 Prozent wurde eine mittlere , nur bei knapp 31 Prozent der Pflegenden ist sie niedrig.

Ambulante Pflege: Finanzielle Eigenanteile im Durchschnitt bei 250 Euro pro Monat

Die finanziellen Aufwendungen der Haushalte, in denen Angehörige gepflegt werden, halten sich dagegen in Grenzen: Die Befragung zeigt, dass überhaupt nur jeder vierte Pflegebedürfte (25 Prozent) selbst Eigenleistungen für die Pflege und Betreuung zu Hause zu tragen hat. In diesem Fall liegen sie im Durchschnitt bei rund 250 Euro im Monat. Auch Haushalte, die Sachleistungen der Pflegeversicherung wie einen Pflegedienst oder Tagespflege nutzen, sind nur zu knapp 40 Prozent von Eigenanteilen betroffen. Sie zahlen dann im Schnitt etwa 200 Euro pro Monat. Nur fünf Prozent der Befragten gaben an, zusätzlich privat weitere Hilfen zu bezahlen. “In der vollstationären Pflege betrugen die die Eigenanteile – und zwar nur für Pflege und Betreuung – im vergleichbaren Zeitraum im Durchschnitt 775 Euro.

Pflegende fühlen sich nicht unterstützt

Die Probleme der meisten Befragten liegen eher in anderen Bereichen: Die Hälfte der Befragungsteilnehmer äußert den Wunsch nach mehr Unterstützung in den Bereichen “Körperpflege, Ernährung und Mobilität”, “Betreuung und Beschäftigung im Alltag” sowie bei der “Führung des Haushalts”. Insgesamt fühlt sich jeder fünfte Befragte (22 Prozent) bei der Bewältigung der Pflege “eher nicht gut” oder “überhaupt nicht gut” unterstützt. Jeder Vierte (25 Prozent) kann die Pflegesituation nach eigener Auskunft “nur noch unter Schwierigkeiten” oder “eigentlich gar nicht mehr” bewältigen. Unter den pflegenden Angehörigen, die Demenzkranke oder Menschen mit den höheren Pflegegraden 3 bis 5 versorgen, betrifft dies sogar jeweils rund ein Drittel der Befragten.

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