Zum Drucken hier klicken!

- ARZT & WIRTSCHAFT - https://www.arzt-wirtschaft.de -

Berufshaftpflicht für Ärzte: Wie Sie im Schadensfall reagieren sollten


Mann im Büro schreibt etwas in seine Unterlagen

Jeder praktizierende Arzt braucht eine Berufshaftpflichtversicherung. Doch wie finden Mediziner passende Policen? Welche Leistungen sind zwingend, welche entbehrlich? Und was muss man tun, wenn tatsächlich ein Schaden entstanden ist? Unser Beitrag beantwortet die wichtigten Fragen zur beruflichen Haftpflichtversicherung für Heilberufler.

Bei der Frage, welche Berufshaftpflichtversicherung die richtige für sie ist, sollten Mediziner auf folgende Punkte achten. Sonst besteht die Gefahr, dass sie falsch oder unterversichert sind. Das Risiko, für einen Schaden im Rahmen der Arzthaftpflicht privat haften zu müssen, ist dann groß.

Berufshaftpflicht zahlt keine fachfremden Schäden

Grundsätzlich zahlen ärztliche Berufshaftpflichtversicherungen nur für Schäden, die der Arzt im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit verursacht. Was „zum Rahmen der beruflichen Tätigkeit“ gehört, ist von der jeweiligen Fachrichtung abhängig. Der Schutz gilt also nicht grundsätzlich für jede ärztliche Tätigkeit.

Übernimmt ein Arzt auch fachfremde Aufgaben, müssen diese gesondert in den Versicherungsschutz aufgenommen werden. Sonst können gefährliche Lücken mit entsprechend hohem finanziellem Risiko entstehen.

Versicherungsschutz gilt auf für medizinische Geräte

Ebenfalls zu beachten ist, dass die Versicherung nur die Verwendung von Geräten und Apparaten umfasst, die in der Heilkunde zugelassen sind. Ähnliches gilt bei der Verschreibung von Medikamenten. „Beim Off Label Use, also wenn ein Arzt auf Arzneimittel setzt, die für die Behandlung der vorliegenden Krankheiten nicht zugelassen sind, besteht Versicherungsschutz nur unter sehr engen Voraussetzungen“, warnt Randhir Dindoyal, Rechtsanwalt aus München. Diese sind in der Regel erst erfüllt, wenn:

Berufshaftpflicht braucht man auch im Ruhestand

Sinnvoll ist zudem, einen Vertrag mit Nachversicherungsschutz abzuschließen. Denn auch im Ruhestand können Ärzte von früheren Patienten verklagt werden. Zwar entscheidet der Zeitpunkt, in dem der Arzt einem Patienten Schaden zugefügt hat, darüber, ob die Versicherung zahlt oder nicht. In vielen Fällen ist der Zeitpunkt allerdings strittig. In vielen Versicherungsverträgen ist daher eine fünfjährige Nachhaftpflicht-Versicherung enthalten. Bei älteren Verträgen sollten Ärzte vor Aufgabe der Praxis beim Versicherer nachfragen, wie das Schutzniveau aussieht. Und ob sich, wenn nötig, noch eine Nachversicherung nachrüsten lässt.

Fehler beim Notfall absichern

Auch wenn Ärzte privat unterwegs sind, sind sie verpflichtet, im Notfall zu helfen. Für Fehler können sie finanziell in Anspruch genommen werden. Auch hier greift normalerweise die Berufshaftpflichtversicherung. Klären sollten Ärzte aber, ob ihre Berufshaftpflichtversicherung auch bei Behandlungen im Ausland greift. In der Regel gilt der Schutz außerhalb Deutschlands zumindest bei Erste-Hilfe-Maßnahmen oder Notfalleinsätzen.

Angebote für Arzthaftpflichtversicherungen vergleichen

Experten empfehlen Ärzten mit der Versicherung für Personenschäden eine Deckungssumme von mindestens 3 bis 5 Millionen Euro zu vereinbaren. Sachschäden sollten bei der Berufshaftpflicht mit mindestens 150.000 Euro versichert sein. Vermögensschäden mit mindestens 50.000 Euro. Je höher die Deckungssumme der Haftpflichtversicherung ist, desto höher auch die Beiträge für die Police. Hier lohnt es sich, mehrere Angebote zu vergleichen. Die Preisunterschiede der Anbieter sind – auch bei gleicher Leistung – oft erheblich.

Versicherungsschutz nicht gefährden

Zeichnet sich ab, dass es Fall für die Arzthaftpflicht werden könnte, muss der Arzt seiner Versicherung das binnen einer Woche melden. Zudem hat er die Pflicht, alle ihm vorliegenden Unterlagen und Informationen zu übermitteln. Die Schweigepflicht gilt bei Fällen der Berufshaftpflicht gegenüber der Versicherung nicht.

Tipp: Ihre Mitwirkungspflichten sollten Niedergelassene sehr ernst nehmen! Denn wenn die Versicherung beweisen kann, dass ihr durch Versäumnisse des Arztes in diesem Bereich die Möglichkeit einer Schadensmilderung oder der Sachverhaltserforschung entgangen ist, kann sie möglicherweise von der Haftung frei werden. Der Arzt bleibt dann trotz Versicherung privat auf dem Schaden sitzen.

Worauf Sie im Schadensfall achten sollten:

Was ist zu tun, wenn ein Patient, dessen Anwalt oder eine Krankenkasse Haftpflichtansprüche gegenüber einer Praxis erhebt?


Was ist zu tun, wenn die Schlichtungsstelle oder Gutachterkommission der Ärztekammer an den Arzt als Behandler herantritt?


Was ist zu tun, wenn gerichtlicher Schriftverkehr (etwa Klageschrift, Beweissicherungs- oder Prozesskostenhilfeantrag) zugestellt wird?


Aufgabe …

… der Berufshaftpflichtversicherung ist übrigens nicht nur, im Schadensfall zu zahlen. Ihr Job ist es auch, unberechtigte Ansprüche abzuwehren. Achten Sie aber bitte auf das Kleingedruckte im Vertrag: In einem Schadensfall muss der Arzt oft mit einer zivilrechtlichen und auch mit einer strafrechtlichen Klage rechnen. Beides sollte abgesichert sein.