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Klimawandel – finanzielles Risiko und Millionen Tote durch Luftverschmutzung und Hitze


zweigeteilte Erdkugel in einer Hand, eine Hälfte von Hitze betroffen

Der Klimawandel ist nicht irgendwann. Er ist jetzt und in Europa und in Deutschland. Ein Expertenzirkel und eine Studie zeigen, welche Konsequenzen Ärztinnen und Ärzte daraus ziehen müssen und wollen.

Todesursache: Luftverschmutzung. Das stand 2020 weltweit erstmals in einem Totenschein. Die neunjährige Ella Adoo-Kissi-Debrah hatte 2013 in London nach einem schweren Asthmaanfall einen Herzstillstand erlitten. Sieben Jahre nach ihrem Tod schließlich bestätige ein Londoner Gericht, dass das Mädchen den tödlichen Asthmaanfall ohne die in ihrem Stadtteil herrschende Luftverschmutzung überlebt hätte. Sie ist eine von jährlich acht Millionen. Das berichtete Prof. Eckart von Hirschhausen, Wissenschaftsjournalist, Arzt und Gründer der Stiftung „Gesunde Erde – Gesunde Menschen“.

Klimawandel – ein medizinischer Notfall?

Genau das sei der Fall, betonte Hirschhausen. Spätestens seit der Flutkatastrophe im Ahrtal sei klar, dass die Folgen des Klimawandels auch in Deutschland Gesundheit und Menschenleben kosten, Existenzen vernichten.

Auch der Biologe Dr. Uwe Färber, Bremerhaven, bestätigte, dass man sich in Europa auf den Klimawandel einstellen müsse. Steigende Temperaturen brächten das Risiko für Viruserkrankungen mit sich, die eigentlich in nur tropischen und subtropischen Gebieten vorkommen.

Tigermücke und Tropenkrankheiten

Dengue-, Zika- oder Chikungunya-Virus beispielsweise nutzen die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) als Überträger. Sie überlebt in Nordhessen und einigen Regionen Süddeutschlands bereits ganzjährig. Viren, die über infizierte Reiserückkehrer in diese Mücken gelangen, bräuchten laut RKI Temperaturen von 32–34° C, um sich in ihnen zu vermehren. Diese Hürde hat der Klimawandel in den vergangenen Jahren bereits gerissen und wird es zukünftig immer häufiger tun. Färber plädierte daher eindringlich für eine vorausschauende Impfstoffentwicklung.

Noch vor den Risiken durch solche tropischen Infektionskrankheiten stehen die Gefahren, die Hitzewellen mit sich bringen.

Auf die Hitze einstellen und Dosis anpassen

Im Hitzesommer 2003 wurden europaweit 70.000 Hitzetote gezählt, über 10.000 allein in Frankreich. Das Land führte daraufhin auf nationaler Ebene Hitzeaktionspläne ein, berichtet Prof. Ferdinand Gerlach, Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. Während der Hitzewelle einige Jahre später, 2018, blieb eine Übersterblichkeit in Frankreich aus.

Besonders in den Blick genommen werden müssten gefährdete Menschen. Dazu zählen Ältere, chronisch Kranke, Alleinlebende und schlecht mit Flüssigkeit versorgte Personen. Gerade bei ihnen drohen bei Hitze Schwindel, Halluzinationen, Kreislaufkollaps und letztlich der Tod. Medikationen mit Entwässerungstabletten, Blutdrucksenkern oder gehirnrelevanten Wirkstoffen müssten früh angepasst werden, forderte Gerlach. Operierte müssten gut beobachtet werden, weil Hitze das Risiko für Wundinfektionen erhöht.

Studie: Das Thema ist in den Arztpraxen angekommen

In einer Online-Umfrage der apoAsset unter 800 selbstständigen Heilberuflern gaben 28 bzw. 61 Prozent an, dass das Thema Nachhaltigkeit in ihrem Leben einen sehr hohen bzw. hohen Stellenwert habe. Entsorgungsmanagement, Energieverbrauch und digital vor analog waren die wichtigsten Nachhaltigkeitsstrategien. Als Motivatoren nannten die Befragten ihre eigene Überzeugung (81 %) und soziale Verantwortung (76 %).

Wie von Hirschhausen schilderte, benötigten Verhaltensänderungen in der Gesellschaft fünf bis zehn Jahre, um sich durchzusetzen. Ärztinnen und Ärzte könnten dies durch die Beratung in ihrer Praxis unterstützen. Themen seien beispielsweise ein bewegter Lebensstil und die Umstellung auf vorwiegend pflanzenbasierte Kost in Deutschland, die allein jährlich 120.000 Todesfälle verhindern könnte.

Noch schneller würden finanzielle Anreize wirksam – wie nachhaltige Anlagestrategien der ärztlichen Versorgungwerke. Selbst die Gutachter großer globaler Finanzinstitute wie Black Rock sagten, dass fossile Energien eine Sachgasse seien. Nachhaltigkeit lohne sich nicht nur für die Gesundheit, sondern auch finanziell. Die Grenzen des Wachstums seien erreicht, so von Hirschhausen

Quelle: 5. Expertenzirkel der Apo Asset Management GmbH am 16. März 2022 in Bremerhaven

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