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Beschimpfungen, Drohungen, Vandalismus: Ärzte von Impfgegnern attackiert


Aggressive man yelling at nurse in clinic
Niedergelassene Ärzte geraten bei der aktuellen Impfkampagne zunehmend zwischen die Fronten. Sie müssen sich nicht nur mit frustrierten Patienten auseinandersetzen, sondern werden immer häufiger auch zur Zielscheibe von radikalen Impfgegnern.

Deutschlands Arztpraxen sind eine der tragenden Säulen in der aktuellen Impfkampagne. Zahlreiche Haus- und Fachärzte sowie die Medizinischen Fachangestellten arbeiten seit Monaten am Limit. Gedankt wird es ihnen nicht: Sie müssen sich nicht nur mit Impfstoff-Engpässen, Bürokratie und frustrierten Patienten auseinandersetzen, sondern zunehmend auch mit Pöbeleien durch Impfgegner.

Wie groß die nervliche Belastung inzwischen ist, lässt das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Ärztenachrichtendienstes (änd) erahnen. Mehr als 1.200 niedergelassene Haus- und Fachärzte haben sich daran beteiligt. Die Ergebnisse sind erschreckend.

Jede vierte Praxis bereits Opfer von Attacken

24 Prozent gaben an, in ihrer Praxis schon einmal von Impfgegnern beleidigt oder beschimpft worden zu sein. 19 Prozent sprachen dabei von Einzelfällen, bei 5 Prozent kamen solche Pöbeleien schon mehrfach vor. Wie die befragten Ärzte und Ärztinnen berichten, handelt es sich beim Großteil um verbale Attacken von Patienten. Aber auch Drohbriefe, Gewaltandrohungen oder Vandalismus, wie zerstörte Praxisschilder kommen immer wieder vor. Typisch für radikale Impfgegner sind auch Angriffe im Internet gegen die Ärzte: Anonyme Internetbewertungen werden dabei besonders gern als Kritikinstrument missbraucht.

Große Belastung für MFA

Doch nicht nur die Ärzte haben unter der Situation zu leiden, die Zusatzbelastung für Praxismitarbeiter ist ebenfalls massiv. 66 Prozent der Ärzte bestätigen, dass die Belastung für ihre MFA durch die Impfkampagne „stark gestiegen“ sei. Weitere 30 Prozent sehen eine „etwas gestiegene“ Arbeitsbelastung. Wie die Befragten weiterhin berichten, ist die Arbeitszeit in den Praxen um fünf bis zehn Arbeitsstunden pro Woche gestiegen.

Impftermine werden häufig verschoben

Dass organisatorische Probleme die Praxisteams derzeit belasten, zeigen auch die Fragen nach der Terminvergabe: Mehr als jeder dritter Arzt (36 Prozent) gab an, dass er in den vergangenen Wochen häufig Impftermine verschieben und Patienten vertrösten musste, weil der Impfstoff nicht wie erwartet geliefert wurde. Weitere 37 Prozent berichteten von seltenen Verschiebungen. 95 Prozent der Ärzte gaben an, dass die Patienten eindeutig den Impfstoff Comirnaty (Bointech) bevorzugen. Nur vier Prozent der Niedergelassenen berichten von überwiegenden Forderungen nach Spikevax (Moderna).

Impfgegner können Ärzte nicht einschüchtern

Angesichts der hohen Belastung ist ein weiteres Ergebnis der Umfrage erstaunlich: 73 Prozent der impfenden Ärzte sagen: „Ja, ich werde so lange Impfungen anbieten, wie es meines Erachtens nötig ist.“ Weitere 22 Prozent denken aufgrund der aktuellen Arbeitsbedingungen an einen Stopp der Impfaktion. Sie wählten die Antwort „Ich habe bereits darüber nachgedacht, mit den Impfungen aufzuhören, bin mir aber noch nicht sicher.“ Den festen Entschluss, die Impfaktion bald zu beenden, haben nach eigenen Aussagen schon 5 Prozent der Ärzte gefasst.

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