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Systematische Befristung ärztlicher Stellen verschärft Ärztemangel in Kliniken und Praxen


Dokument mit der Aufschrift Befristeter Arbeitsvertrag

Befristete Arbeitsverträge sind heute in Praxen und Kliniken auch für Ärzte an der Tagesordnung. Wie eine Mitgliederbefragung des Marburger Bundes zeigt, verschärfen sie aber auch das Problem des Fachkräftemangels.

Mehr als die Hälfte der angestellten Ärzte und Ärztinnen an den Universitätskliniken in Baden-Württemberg, die aktuell oder in den vergangenen zehn Jahren befristet angestellt sind oder waren, ziehen in Erwägung, sich deshalb eine andere Arbeitsstelle zu suchen. 11 Prozent  denken sogar darüber nach, die ärztliche Tätigkeit komplett aufzugeben.

Wie die Umfrage des Marburger Bundes weiter zeigt, betrifft das Problem nicht nur einzelne Ärzte und Ärztinnen. An den Universitätskliniken in Baden-Württemberg sind aktuell sogar 80 Prozent der ÄrztInnen befristet angestellt. „Diese Zahlen sind schockierend“, so Sylvia Ottmüller die 1. Landesvorsitzende des Marburger Bundes Baden-Württemberg. Im pflegerischen Bereich der gleichen Kliniken sind nur etwa 3 Prozent der Arbeitsverträge befristet.

Mehrheit lehnt befristete Arbeitsverträge ab

90 Prozent der befristet angestellten Ärzte und Ärztinnen sagen, dass es ihnen wichtig wäre einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu bekommen. 58,5 Prozent fühlen sich durch die Befristung aktuell daran gehindert, Probleme am Arbeitsplatz offen anzusprechen. Der Marburger Bund sieht eine gewisse Absicht dahinter. In erster Linie würden Befristungen als Hemmschwelle wirken, wenn es darum geht arbeitsrechtliche Fragen, wie z. B. Arbeitszeiten, Überstunden oder fehlende Pausen zu thematisieren. Und auch um persönliche Probleme, wie z. B. die Work-Life-Balance oder die Kinderbetreuung anzusprechen. Aber auch bei organisatorischen Fragen, wie z. B. zu Abläufen im OP, bei fachlichen Fragen, wie beispielsweise der Wahl der Diagnostik, und ethischen Fragen, wie z. B. bei der Entlassung von Patienten, wirken Befristungen als Hindernis offen zu kommunizieren.

Befristung von Arbeitsverträgen nicht mehr zeitgemäß

„Das unbefristete Arbeitsverhältnis ist die Regel. Von einer Befristung sollte nur in begründeten Ausnahmefällen Gebrauch gemacht werden. Wir lehnen die systematische Befristung vehement ab. Das Land nimmt für jeden Medizinstudienplatz mehr als 100.000 € in die Hand, um MedizinerInnen auszubilden. Wenn diese dann dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, werden Sie durch schlechte Arbeitsbedingungen und durch systematische Befristungen in den Kliniken vor den Kopf gestoßen. Viele überlegen dann sogar den Arztberuf aufzugeben oder hängen ihre ärztliche Tätigkeit tatsächlich an den Nagel. Die Entfristung von Arbeitsverträgen kostet das Land keinen einzigen Euro! Wir fordern in unserem Stufenplan, dass sich hier endlich etwas tut“, so Dr. Jörg Woll, 2. Landesvorsitzender des Marburger Bundes Baden-Württemberg.

Im Stufenplan des Ärzteverbandes wird im ersten Schritt für die Universitätskliniken die Verdoppelung der unbefristeten ärztlichen Arbeitsverträge von 20 Prozent auf 40 Prozent gefordert. Im zweiten Schritt fordert der Ärzteverband für alle Krankenhäuser im Land, ÄrztInnen die ihre Facharztweiterbildung abgeschlossen haben, unbefristet zu beschäftigen. In einem dritten Schritt fordert der Verband langfristig, alle ärztlichen Arbeitsverträge zu entfristen.

 

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