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Welche zusätzlichen Hygienemaßnahmen in Ihrer Praxis nötig sind


Arzt wehrt Viren ab

SARS-CoV-2 hat die Arbeitsabläufe in den Praxen durcheinandergewirbelt. Um der pandemischen Situation gerecht zu werden, mussten auch die Hygienepläne ausgeweitet werden. Vor allem bei COVID-19-Impfungen und -Tests gibt es Neues zu beachten.

In der Pandemie sind es vor allem die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen, die das Gesundheitssystem stützen. Denn sechs von sieben Corona-Patienten werden im ambulanten Bereich behandelt. Eine besondere Herausforderung war und ist dabei die Einhaltung der notwendigen Hygienemaßnahmen, die aufgrund der hohen Infektiosität von SARS-CoV-2 verschärft werden mussten.

Eine gute Hilfestellung für Ärzte ist hier der Leitfaden des Kompetenzzentrums Hygiene und Medizinprodukte der KVen und der KBV (CoC). „Seit der Veröffentlichung der ersten Version haben sich zum Teil wesentliche Änderungen im Pandemie-Geschehen ergeben. So wurde der Inhalt unter anderem um die Themen ‚Schnell- und Selbsttests‘ und ‚Impfung‘ ergänzt“, sagt CoC-Projekmanagerin Marion Dorbath. Die Broschüre „Pandemieplanung in der Arztpraxis. Eine Anleitung zum Umgang mit Corona“ wurde seit ihrem ersten Erscheinen im Oktober 2020 häufig heruntergeladen. Vor Kurzem erschien nun die aktualisierte Version mit den neuen Schwerpunkten. Die Broschüre können Sie auf der Homepage des Kompetenzzentrums Hygiene und Medizinprodukte herunterladen.

Schwerpunkt Schnell-  und Selbsttests

Rund um die Erregerdiagnostik sollten Praxisinhaber folgende Punkte abklären – und bei einem „Ja, machen wir“ die Zuständigkeiten festlegen:

Findet die Diagnostik in der Praxis statt, muss das Personal darin geschult werden. Zudem sollte ein Labor für PCR-Tests ausgewählt und die Kontaktdaten der Ansprechpartner notiert werden. Dieses Labor kann ein anderes sein als das bisherige Standardlabor. Grundsätzlich sollte das Proben-Management gut strukturiert sein – gerade im Hinblick auf die Bevorratung und Bereitstellung des Testmaterials, seiner Lagerung und Kennzeichnung sowie des Versands unter Berücksichtigung der Transportzeiten.

Geschützte Wartebereiche

Praxisinhaber sollten auch einen speziellen Wartebereich einplanen, wenn Patienten nach einem PoC-Antigen-Schnelltest auf das Ergebnis warten müssen. Ist es positiv, greifen weitere Vorgaben: Es muss mithilfe eines PCR-Tests bestätigt werden. Liegt ein positiver PCR-Test vor, besteht ein Anspruch auf eine variantenspezifische PCR-Testung, um eine Virusvariante frühzeitig zu erkennen und zu erfassen. Arztpraxen können diese zusätzliche Untersuchung veranlassen.

Grundsätzlich sollten alle Mitarbeiter, die einen Test durchführen, ihre persönliche Schutzausrüstung tragen und die Vorgaben der Abfallentsorgung wie zum Beispiel bruchsichere Behälter beachten. Geklärt werden sollte auch, wie die Übermittlung der Ergebnisse erfolgen soll und welche Verhaltensregeln bis zum Bekanntwerden des PCR-Testergebnisses gelten und welche bei einem positiven Befund. In letzterem Fall müssen Arztpraxen sowohl bei einem positiven PoC-Antigen-Schnelltest als auch einem positiven PCR-Test nach dem Infektionsschutzgesetz das Gesundheitsamt informieren.

Rund um die COVID-19-Schutzimpfung

Führen Ärzte diese in ihrer Praxis durch, können sie folgende Checkliste für sich durchgehen und prüfen, ob die notwendigen Maßnahmen eingehalten werden:

Grundsätzlich müssen Praxisinhaber während der Pandemie auch gegenüber ihren Mitarbeitern eine besondere Sorgfalt walten lassen und sie im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung über aktuelle Vorgaben, epidemiologische Geschehnisse und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse regelmäßig unterweisen und dies dokumentieren. Im Hinblick auf eine Gefährdung durch SARS-CoV-2 sollten Praxisinhaber auch den Einsatz der Mitarbeiter inklusive Reinigungskräften, Praktikanten oder Azubis im Vorfeld festlegen. Gut zu wissen: Nach aktuellem Kenntnisstand sind bei Virusmutationen im Vergleich zum Wildtyp keine Anpassungen notwendig, weder bei der Einhaltung von Hygienemaßnahmen noch bei der Testung oder bei der Impfung.

Melanie Hurst, die Ressortleiterin Wirtschaft befragte auch Ärztinnen und Ärzte, welche Hygienemaßnahmen sie ausbauen müssten.

Umfrage des Monats

Wie wirkt sich die Pandemie auf Ihre Praxis aus?

Langsam normalisieren sich die Arbeitsabläufe wieder 

„Wir arbeiten fast wieder wie vor Corona – außer, dass die PSA intensiviert wurde. Wir tragen also Mund-Nasen-Schutz und setzen Luftfiltergeräte ein. Allerdings hatten wir bereits vor COVID-19 für Infektpatienten einen zweiten Wartebereich. Temporär gab es durch Impfungen Mehraufwand. Diese Welle ist nun abgeflacht.“
Christian Schleucher, Hausarzt aus Sebnitz

Besonders die Corona-Impfungen verursachen viel Mehraufwand

„Zu Beginn der Pandemie machten die Hygienevorschriften Probleme. Zum Glück habe ich in der Praxis genügend Räume und konnte das gut organisieren. Einen großen Aufwand verursachen aber die COVID-19-Impfungen. Die Patienten zu bestellen, abzubestellen, umzubestellen, die Zeitabstände einzuhalten, die Organisation mit den unterschiedlichen Impfstoffen — das bedeutet für die MFA viel Mehraufwand.
Kritisch sehe ich auch den riesengroßen Aktionismus des Gesundheitsministers. Dauernd gibt es etwas Neues wie die Digitalisierung. Für die Patienten bleibt immer wenig Zeit.“
Medizinalrat Dr. med. Christine Thomas, Hausärztin aus Dresden

Viele zusätzliche Arbeitsstunden für immer weniger Honorar 

„Durch die Pandemie ist alles sehr kompliziert geworden. In meiner Praxis gibt es einen Bereich, wo Patienten mit Verdacht auf COVID-19 warten. Das ist sehr umständlich. Diese Patienten dürfen nur den Hintereingang benutzen. Außerdem habe ich kleinere Räume, die zum Beispiel zur Blutabnahme dienten, als zusätzliche Wartezimmer umfunktioniert, um die Patienten luftiger zu platzieren. Insgesamt ist unsere Arbeitszeit deutlich länger geworden. Auch die bürokratische Arbeit wird nach hinten geschoben. Dadurch entstehen viele zusätzliche Arbeitsstunden für immer weniger Vergütung.“
Dr. med. Luminita Kokai-Opirs, Hausärztin aus Bayreuth

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