Steuerliche und betriebswirtschaftliche Aspekte

Ärzte und Zahnärzte: So bereiten Sie den Praxisverkauf vor

Spätestens, wenn der Arzt der der Zahnarzt in Rente gehen will oder sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr dem belastenden Praxisalltag aussetzen will, muss er sich intensiv mit dem Praxisverkauf befassen. Besser wäre es, er würde die Thematik schon mindestens 2 Jahre vor dem geplanten Abgabezeitpunkt in Angriff nehmen, um rechtlich und steuerlich gut vorbereitet zu sein.

Das Ende der eigenen Praxistätigkeit ist nicht nur ein rein emotional belegtes Thema. Vor dem Verkauf müssen auch sachliche Dinge, vor allem steurliche und rechtliche Fragen, geklärt und geregelt werden. So sollte nicht nur die Suche eines möglichen Nachfolgers im Fokus stehen, sondern auch die zukünftige persönliche Einkommenssituation des Arztes bzw. Zahnarztes. Diese sollte umfassend mit dem Steuerberater besprochen und analysiert werden. Auch für die Vermeidung von unnötigen Steuern müssen Maßnahmen getroffen werden.

Die künftige Finanzbelastung berechnen

In fast allen Fällen liegt das zukünftig erzielbare Einkommen des Arztes nämlich deutlich unterhalb des aktuellen Einkommensbetrages. Das kann zu massiven finanziellen Problemen nach dem Praxisverkauf führen. Gemeinsam mit dem steuerlichen Berater sollten die Renteneinkünfte, sowie die voraussichtlichen sonstigen Bezüge und Erträge rechtzeitig zusammengestellt werden. Nur so ist es möglich, dem Arzt bzw. Zahnarzt einen Überblick über das zukünftige verfügbare Einkommen und die sich daraus abzuleitende Liquidität nach dem Verkauf zu verschaffen.

Aber Vorsicht: Mancher Steuerberater macht es sich einfach, in dem er bei solchen Berechnungen nur grob auf das Bruttoeinkommen abzielt, ohne dass ans Finanzamt noch zu zahlende Steuern, notwendige Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie mögliche Tilgungsleistungen auf noch laufende Darlehensverträge berücksichtigt werden. Ärzte und Zahnärzte sollten sich dieses Risikos bewusst sein und auf eine genaue und detaillierte Betrachtung bestehen.

Der Wert der Praxis vor der Abgabe

Sind die hier angesprochenen Punkte abgehakt, stellt sich die relevante Frage nach dem Wert der abzugebenden Praxis bzw. dem erzielbaren Verkaufspreis. Hier können auch auf Heilberufler spezialisierte Steuerberater helfen, da sie regelmäßig im Rahmen ihrer Tätigkeit mit der Erstellung derartiger Praxisbewertungen befasst sind. Was Ärzte wissen sollten, bevor sie den Steuerberater aufsuchen: Derzeit werden Arztpraxen und Zahnarztpraxen meistens nach dem sogenannten „modifizierten Ertragswertverfahren“ bewertet.

Berechnungen vor dem Praxisverkauf

Bei diesem Bewertungsverfahren werden Faktoren aus Umsatz, Gewinn, kalkulatorischem Unternehmer-/Arztlohn, unter Beachtung der spezifischen Praxisbesonderheiten zu einem Praxiswert zusammengefasst. Bei einer professionellen Praxisbewertung werden nicht nur Umsatz  und Gewinn der zu beurteilenden Praxis berücksichtigt. Der Fachmann (Steuerberater, Rechtsanwalt oder auch ein Gutachter) beurteilt auch zum Beispiel die nachfolgenden genannten wertsteigernden oder wertminderten Faktoren:

  • Wie ist das Verhältnis KV-Einnahmen zu Einnahmen aus der Privatpraxis
  • Werden nennenswerte IGeL-Leistungen bei Patienten abgerechnet
  • Wie ist die Gewinn- und Kostenstruktur der Praxis
  • Praxisstandort/Entwicklung beziehungsweise zukünftig geplante Änderungen in der Infrastruktur des Standortes
  • Laufzeit des Mietvertrages – Höhe und Üblichkeit der Praxismiete
  • Baulicher Zustand der Praxisräume/bestehen Umbau beziehungsweise Rückbauverpflichtungen bei Beendigung des Mietverhältnisses
  • Höhe der Personalkosten/Fachliche Kompetenz/ sind Mitarbeiter im Hintergrund noch im Erziehungsurlaub?
  • Zulassungsbeschränkungen/gesperrtes Gebiet/Konkurrenzsituation von Kolleginnen und Kollegen der selben Fachrichtung
  • Eingeführtes und praktiziertes Qualitätsmanagement/Zertifizierung

Die hier beispielhaft angegebenen Punkte können den Praxiswert vor der Abgabe, sowohl positiv (werterhöhend), aber auch negativ (wertmindernd) beeinflussen. Sie sollten aber in allen Fällen in die Praxis-Wertfindung eingehen. Ein wesentliches Kriterium bei der Praxisbewertung ist auch die Höhe des in der Einnahme-Überschussrechnung oder der betriebswirtschaftlichen Auswertung angegebenen Umsatzes.

Aber Vorsicht, auch hier lauern Risiken, die im Vorfeld eine nähere Betrachtung des Gesamtumsatzes erforderlich machen.

So zum Beispiel sind im Umsatz eventuelle Veräußerungserlöse, aus dem Verkauf von Anlagegütern, zu beachten. Dies gilt auch für die sonstigen Einnahmen. Hier sind oftmals Honorare für Gutachten, Vorträge, ehrenamtliche Tätigkeiten und Mieteinnahmen des Arztes bzw. Zahnarztes aus Untervermietung enthalten. Da es sich im Regelfall um personenbezogende Einnahmen des bisherigen Praxisinhabers handelt, deren Nachhaltigkeit für die Zukunft nicht gesichert sind, müssen diese aus dem zu berücksichtigen Umsatz heraus gerechnet werden. Wenn Sie nicht darauf achten, wird der Nachfolger es ganz sicher tun.

Und auch die Praxisausgaben bedürfen einer näheren Beleuchtung. Wenn in den Ausgaben überhöhte Personalkosten für ein Ehegatten-Arbeitsverhältnis enthalten sind, so ist auch hier nur der übliche Gehaltsaufwand einzubeziehen. Eine Korrektur ist ebenfalls positiv (ausgabenmindernd) vorzunehmen, wenn überhöhte Fortbildungs- und Kraftfahrzeugkosten den ausgewiesenen Praxisgewinn negativ beeinflusst haben.

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Günter Balharek

Günter Balharek

Geschäftsführer Dipl.-Finw, StB bei alpha Steuerberatungsgesellschaft mbH

Günter Balharek ist Dipl.-Finanzwirt und Steuerberater. Seit 2010 ist er Geschäftsführer der alpha Steuerberatungsgesellschaft mbH mit Hauptsitz in Büdingen. Zuvor leitete Günter Balharek die Niederlassung in Frankfurt.

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