Steuerliche und betriebswirtschaftliche Aspekte

Praxisabgabe: So bereiten Sie den Verkauf richtig vor

Spätestens, wenn der Arzt in Rente gehen will oder sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr dem belastenden Praxisalltag aussetzen will, muss er sich intensiv mit der Praxisabgabe befassen. Besser wäre es, er würde die Thematik schon mindestens 2 Jahre vor dem geplanten Abgabezeitpunkt in Angriff nehmen. Warum so früh? Das erklärt unser Finanzexperte Günter Balharek.

Das Ende der eigenen Praxistätigkeit ist nicht nur ein rein emotional belegtes Thema sonders es müssen auch ganz nüchterne und sachliche Dinge bis zum Zeitpunkt der Veräußerung geklärt und geregelt werden. So sollte nicht nur die Suche eines möglichen Praxisnachfolgers im Fokus stehen, sondern auch die zukünftige persönliche Einkommenssituation des Abgebers. Diese sollte umfassend mit dem Steuerberater besprochen und analysiert werden.

Die künftige Finanzbelastung berechnen

In fast allen Fällen liegt das zukünftig erzielbare Einkommen nämlich deutlich unterhalb des aktuellen Einkommensbetrages. Das kann zu massiven finanziellen Problemen führen. Gemeinsam mit dem steuerlichen Berater sollten die Renteneinkünfte, sowie die voraussichtlichen sonstigen Bezüge und Erträge rechtzeitig zusammengestellt werden. Nur so ist es möglich, dem Arzt einen Überblick über das zukünftige verfügbare Einkommen und die sich daraus abzuleitende Liquidität zu verschaffen.

Aber Vorsicht: Mancher Steuerberater macht es sich einfach, in dem er bei solchen Berechnungen nur grob auf das Bruttoeinkommen abzielt, ohne dass Steuerbelastungen, notwendige Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie mögliche Tilgungsleistungen auf noch laufende Darlehensverträge berücksichtigt werden. Hier sollten Sie auf eine genaue und detaillierte Betrachtung bestehen.

Der Wert der Praxis

Sind die hier angesprochenen Punkte abgehakt, stellt sich die relevante Frage nach dem Wert der abzugebenden Praxis bzw. dem erzielbaren Verkaufspreis. Hier können auch auf Heilberufler spezialisierte Steuerberater helfen, da sie regelmäßig im Rahmen ihrer Tätigkeit mit der Erstellung derartiger Praxisbewertungen befasst sind. Was Sie wissen sollten, bevor Sie den Steuerberater aufsuchen: Derzeit werden Praxen üblicherweise nach dem sogenannten „modifizierten Ertragswertverfahren“ bewertet.

Bei diesem Bewertungsverfahren werden Faktoren aus Umsatz, Gewinn, kalkulatorischem Unternehmer-/Arztlohn, unter Beachtung der spezifischen Praxisbesonderheiten zu einem Praxiswert zusammengefasst. Bei einer professionellen Praxisbewertung werden nicht nur Umsatz  und Gewinn der zu beurteilenden Praxis berücksichtigt. Der Fachmann beurteilt auch zum Beispiel die nachfolgenden genannten wertsteigernden oder wertminderten Faktoren:

  • Wie ist das Verhältnis KV-Einnahmen zu Einnahmen aus der Privatpraxis
  • Werden nennenswerte IGeL-Leistungen abgerechnet
  • Wie ist die Gewinn- und Kostenstruktur der Praxis
  • Praxisstandort/Entwicklung beziehungsweise zukünftig geplante Änderungen in der Infrastruktur des Standortes
  • Laufzeit des Mietvertrages – Höhe und Üblichkeit der Praxismiete
  • Baulicher Zustand der Praxisräume/bestehen Umbau beziehungsweise Rückbauverpflichtungen bei Beendigung des Mietverhältnisses
  • Höhe der Personalkosten/Fachliche Kompetenz/Mitarbeiter im Hintergrund noch im Erziehungsurlaub?
  • Zulassungsbeschränkungen/gesperrtes Gebiet/Konkurrenzsituation von Kolleginnen und Kollegen der selben Fachrichtung
  • Eingeführtes und praktiziertes Qualitätsmanagement/Zertifizierung

Die hier beispielhaft angegebenen Punkte können den Praxiswert, sowohl positiv (werterhöhend), aber auch negativ (wertmindernd) beeinflussen. Sie sollten aber in allen Fällen in die Praxis-Wertfindung eingehen. Wie bereits angeführt ist ein wesentliches Kriterium, bei der Praxisbewertung, die Höhe des in der Einnahme-Überschussrechnung oder der betriebswirtschaftlichen Auswertung angegebenen Umsatzes.

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Günter Balharek

Günter Balharek

Geschäftsführer Dipl.-Finw, StB bei alpha Steuerberatungsgesellschaft mbH

Günter Balharek ist Dipl.-Finanzwirt und Steuerberater. Seit 2010 ist er Geschäftsführer der alpha Steuerberatungsgesellschaft mbH mit Hauptsitz in Büdingen. Zuvor leitete Günter Balharek die Niederlassung in Frankfurt.

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